15 Jahre Payback – Kommentar über das Datensammelunternehmen

Vor 15 Jahren ging in Deutschland die Payback-Karte des Datensammelunternehmens Loyalty Partner an den Start, dass auch hinter Programmen wie der bahn.bonus Karte steckt. Hanna Maier schrieb dazu gestern in der Sueddeutschen Zeitung:


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Die etwa 20 Millionen Deutschen mit einem Payback-Konto legen für Häkel-Sets, Messerblöcke und Einkaufstaschen alle ihren privaten Daten offen. Je öfter die Kundennummer gescannt wird, desto schärfer umrissen ist das Bild des Konsumenten. Wo wurde was und wie viel davon gekauft? Welche Produkte könnten diesen Kunden in Zukunft interessieren? Und vor allem: Wie häufig können die Daten dieses Kunden weitergegeben werden?

Weiterhin macht sie deutlich, wie lukrativ der Handel mit Kundendaten mittlerweile ist:

Das Unternehmen hinter Payback, Loyalty Partner, machte in seinem 13. Geschäftsjahr 15,2 Milliarden Euro Umsatz. Der Handel mit Daten lohnt sich so sehr, dass das Münchner Unternehmen von der US-Kreditkartenfirma American Express übernommen wurde. Das riecht schwer nach der Hoffnung, europäische Kunden- und Datenschutzrechte ließen sich im Zuge der Globalisierung aufweichen. Vor allem aber riecht das danach, dass diese Massen an Käuferdaten nicht in Europa bleibt.

Die Payback-Karte hat in Deutschland durch ihre große Verbreitung und die Debatte über das Programm aber auch etwas positives bewirkt: Vielen Menschen ist durch die Bonuskarte bewusst geworden, das die eigenen Daten einen gewissen Wert haben.

Es ist klar, dass das Konsumverhalten von Kartenbesitzern durchleuchtet und analysiert wird – im Gegenzug gibt es dann statt einem angemessenen Entgeld zwar „Prämien“ wie Häkelsets und Bratpfannen; Dennoch – Wenn neben Marktforschungsunternehmen auch populäre Internetdienste wie Facebook, Yahoo oder Google Nutzer für die Verwendung ihrer Daten entlohnen würden, wäre die Datenschutzdebatte vielleicht schon an einem ganz anderen Punkt.

Update: Die Redaktion der SZ hat ihren Artikel mit folgender Anmerkung versehen:

In einer früheren Version hieß es, Payback verkaufe die gesammelten Daten weiter – also potenziell auch an Firmen außerhalb des Payback-Netzwerks. Dies ist aber nicht der Fall. Wir haben den entsprechenden Satz entfernt. Das Unternehmen hinter Payback, Loyalty Partner, macht zudem nicht 15,2 Milliarden Euro Umsatz; die Zahl bezieht sich auf den Umsatz aller Einkäufe, die im Jahr 2011 mit einer Payback-Karte registriert wurden (PDF). Desweiteren haben wir diesen Satz gestrichen: „Vor allem aber riecht das danach, dass diese Massen an Käuferdaten nicht in Europa bleibt.“ Payback betont, dass die Daten in Deutschland gespeichert werden.

12 Kommentare
  1. „für die Verwendung ihrer Daten entlohnen würden“

    ich höre nicht recht. Versicherungen geben einen Scheinbonus für die Preisgabe aller Bewegungsdaten. Meint jemand, die Payback-„Geschenke“ würde nicht von den Kunden bezahlt?

    Man, da könnte ich ja gleich fordern, dass der Einbrecher mich für die „Verwendung“ meiner Geldbörse entlohnen sollte…

  2. Werd mittlerweile bei jedem Einkauf an Tankstelle oder Rewe nach Payback gefragt.
    Würde am liebsten dem Mitarbeiter jedes mal meine Meinung sagen, aber erstens interessiert es den nicht, zweitens muss er danach fragen und drittens hat er wohl selber Payback.
    Die Generation Facebook hat halt keinen Bezug mehr zu Datenschutz.
    Beim Edeka bekommt man noch analoge Sammelmarken, das finde ich sehr löblich.

    1. Letztlich im Supermarkt:

      Sie: „Sammeln Sie Treuepunkte?“
      Ich: „Nein. Ich bin nicht treu!“. Grins.
      Sie: Augenaufschlag, Lächel…

      Okay. 1:0 für sie… Ich sach mal so: der Sch…ß ist im Alltag angekommen. Und manche Leute sind nicht doof.

  3. Ich hab das Gefühl, dass die Karten gar nicht mehr so sehr die Verbreitung haben wie früher.

    Als ich noch in Deutschland lebte, wurde ich relativ selten nach einer Karte gefragt. In Österreich wiederum bin ich in den falschen Läden, deswegen krieg ich das nicht so sehr mit – Spar benutzt Punkte, Sammelsticker etc, je nach Monat. Aber als ich mal im Billa war, hat jeder, der mit mir an der Kasse war, gesagt, dass er keine Kundenkarte hat. In Österreich ist das System allerdings auch so, dass jeder Laden seine eigene Karte hat.

    Die Banken mischen hier glaube ich eher mit durch „Rundungssparen“. Für jeden Umsatz mit der Bankomatkarte kriegst den Cent-Betrag bis zum nächsten Euro gutgeschrieben. Kann sein, dass das mehr Menschen benutzen, aber eigentlich zahlen auch 3/4 oder mehr an der Kassa in bar.

    1. Komm mal wieder nach Deutschland. Payback ist das Ebola des Einzelhandels und Dienstleisters geworden. In jedem Laden werden die Verkäufer/-innen zum Nachfragen gezwungen und die Kunden mit Pappaufstellern, Aufklebern und Hinweisschildern zugemüllt. Payback-Werbung ist in Geschäften fast präsenter als das Geschäft selbst.

  4. „Haben Sie ne Payback-Karte?“ – „Nein. Haben Sie einen Reisepass?“
    „Haben Sie ne Payback-Karte?“ – „Ich zahle bar.“
    „Haben Sie ne Payback-Karte?“ – „Würden Sie bitte kassieren?“
    „Haben Sie ne Payback-Karte?“ – „Ich bitte Sie, doch nicht in der Öffentlichkeit!“
    „Haben Sie ne Payback-Karte?“ – „Das ist ne EC-Karte. Oder geht das nicht mehr?“
    „Haben Sie ne Payback-Karte?“ – „Nein, so blöd bin ich nun auch wieder nicht.“
    „Das macht 8,89.“ – „Danke, dass Sie nicht gefragt haben! :D“

    1. Ich glaube einen besseren erzieherischen Effekt erzielt man mit Scheinkonformismus ohne tatsächliche Teilnahme. Zum Beispiel:

      Mehrfach nachfragen, was gemeint ist.

      Eine Minute lang in verschiedenen Taschen nach der Karte suchen, ohne sie zu finden.

      Eine falsche andere Karte herausreichen und dann darauf bestehen, dass es sich um die richtige handelt.

      1. Da kann der Mitarbeiter doch nichts für.
        Die werden angewiesen danach zufragen, sonst verlieren die ihen Job.
        Bombt lieber die Postfächer der Geschäftsleitung voll, die können da wenigstens was für.

  5. Der Artikel in der Süddeutschen wurde aktualisiert! Damit müsste dieser Artikel dringenst ebenfalls aktualisiert werden – vor allem das Zitat.

    *Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Payback verkaufe die gesammelten Daten weiter – also potenziell auch an Firmen außerhalb des Payback-Netzwerks. Dies ist aber nicht der Fall. Wir haben den entsprechenden Satz entfernt. Das Unternehmen hinter Payback, Loyalty Partner, macht zudem nicht 15,2 Milliarden Euro Umsatz; die Zahl bezieht sich auf den Umsatz aller Einkäufe, die im Jahr 2011 mit einer Payback-Karte registriert wurden (PDF). Desweiteren haben wir diesen Satz gestrichen: „Vor allem aber riecht das danach, dass diese Massen an Käuferdaten nicht in Europa bleibt.“ Payback betont, dass die Daten in Deutschland gespeichert werden. (http://goo.gl/3nBACj)

  6. also bei mir werden knapp 20 tracker auf payback.de angezeigt, aber keine externe werbung. rubicon, pubmatic, appnexus, pubmatic, criteo, openx zahlen sind dort sicher nicht wegen intentdaten intergriert, die payback haben könnte. ganz sicher war payback auch keiner der datenlieferanten beim start von xaxis.

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