Überwachung

UEFA will verbesserte Verfahren zur Videoüberwachung in Stadien diskutieren

Aufnahme eines Stadions in Südafrika vom EU-Satellitenzentrum EUSC und dem deutschen DLR.
Aufnahme eines Stadions in Südafrika vom EU-Satellitenzentrum EUSC und dem deutschen DLR.

Die UEFA will die Sicherheit in Fußballstadien erhöhen, indem verstärkt Soziale Medien genutzt werden sollen. Dies geht aus einem Protokoll einer EU-Ratsarbeitsgruppe hervor, die sich mit Strafverfolgung beschäftigt. Demnach hat die belgische Delegation hierzu eine Präsentation gehalten. Ob die Internetdienste dabei lediglich zur Verbreitung von Informationen genutzt werden sollen, wird nicht berichtet. Möglich wäre auch, Soziale Medien gezielt zu analysieren um Rückschlüsse auf das Verhalten von Fans zu ziehen. Das Bundesinnenministerium ist an Forschungen zu Anwendungen beteiligt, die anhand von Nachrichten bei Twitter Prognosen für die Sicherheit entwerfen sollen. Hierfür wird unter anderem die Funktion des Geo-Tagging von Tweets genutzt: So kann festgestellt werden, wenn sich Nachrichten mit bestimmten Inhalten in der Umgebung von Stadien häufen.


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Die Entwicklung entsprechender Verfahren wird auf der jährlichen Konferenz zu Stadionsicherheit thematisiert. Jeweils zum Start einer Saison treffen sich hierzu die Sicherheitsbeauftragten der Nationalverbände, „Sicherheitsmanager“ der Stadien, Sicherheitsbeauftragte der Klubs sowie Angehörige von Polizeibehörden. Letztes Jahr wurde die Konferenz von 350 Teilnehmenden besucht. Laut der UEFA spiegele die Anzahl die „gewachsene Tragweite von Stadien- und Sicherheitsfragen“ wider.

Anwendungen von Siemens in Brasilien

Auf der nächsten Konferenz, die vom 10. bis 12. September in Warschau stattfinden soll, sollen auch verbesserte Verfahren zur Videoüberwachung auf der Tagesordnung stehen. Auch dies geht aus dem Dokument hervor. Die Kameras sollen hinsichtlich eines „crowd managements“ genutzt werden. Auch hierzu werden keine näheren Angaben gemacht.

Hinsichtlich der Ausrüstung von Stadien in Brasilien hatte der Elektronikkonzern Siemens verlautbart, Stadien mit entsprechender Technik ausgerüstet zu haben. Auf der Webseite von Siemens heißt es zur Funktionsweise der „umfassenden Lösungen für Videoüberwachung“, jeder Winkel des Veranstaltungsorts könne damit überwacht werden. Ausschreitungen und Überfüllung in den Gängen würden sofort erkannt. Die Systeme stünden mit automatischen Ticketkontrollen „in Verbindung“. Dadurch würde „bekannten Hooligans“ der Zugang verwehrt.

Der Spiegel berichtete zur Europameisterschaft 2012 in Polen, die Stadien seien mit Gesichtserkennungssystemen ausgerüstet gewesen. Die Zahl der Kameras sei beträchtlich erhöht worden, ihre Auflösung sei „so hoch, dass sie auf 220 Meter Entfernung Nasenhaare in einem Gesicht erkennbar machen können“.

Die UEFA arbeitet zur Stadionsicherheit mit der Europäischen Union und dem Europarat zusammen. 2007 wurde ein „UEFA-/EU-Arbeitsprogramm“ gestartet, drei Jahre später wurde das Programm nach Beschluss des UEFA-Exekutivkomitees und des Rates der Europäischen Union ausgeweitet. Die UEFA lobt diese „öffentlich-private internationale Partnerschaft“ als „in ihrer Art und ihrem Ausmaß einmalig“.

Firma in Katar mittlerweile Marktführer

Auch das „International Centre for Sport Security“ (ICSS) befasst sich mit mehr Stadionsicherheit. Die Firma wurde vom früheren DFB-Sicherheitsbeauftragten Helmut Spahn gegründet. Laut dem „Spiegel“ habe es das ICSS geschafft, „den internationalen Sport-Sicherheitsmarkt völlig umzukrempeln“. Spahn habe beispielsweise die Zuschläge für die Sicherheitsplanung und -betreuung der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar erhalten. Auch die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 wurden vom ICSS begleitet, die Sommerspiele 2018 sollen folgen. Die Firma betreue auf diese Weise „beinahe alle internationalen Top-Veranstaltungen der kommenden zehn Jahre“.

Der „Spiegel“ zitiert einen nicht namentlich genannten Verbandspräsidenten „eines großen Sportdachverbands“sowie einen „Fifa-Insider“. Beide argwöhnen, dass es bei der Auftragsvergabe an das ICSS Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Ein Indiz dafür sei der Sitz der Firma in Katar.

Ein Kommentar
  1. Ich wäre für eine bessere Videoüberwachung in Stadien.
    Da es immer wieder dazu kommt, das Leute einfach nur falsch stehen, und in der nähe randaliert wird und dann die falschen mit verurteilt werden.
    Das muss nicht sein! Des halb bin ich dafür. Danke für den ausführlichen Artikel :)
    Gruß, Simon

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