Sachstandsbericht WLAN-Anschluss im Schienenverkehr

CC-BY-SA Sebastian Terfloth/Wikimedia Commons

Das Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat dem Verkehrsausschuss im Deutschen Bundestag einen Sachstandsbericht zum Thema „WLAN-Anschluss im Schienenverkehr“ verschickt (PDF). Darin gibt es einige Hintergründe zum Thema zu lesen.


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Seit zehn Jahren kooperiere die Deutsche Bahn mit der Deutschen Telekom und im April 2014 sollen „125 der größten deutschen Bahnhöfe mit WLAN-Anschlüssen ausgerüstet sein“. Dieser Service ist für 30 Minuten kostenlos, danach wird es im Rahmen der Deutsche Telekom-Hotspot-Tarife kostenpflichtig. Das soll sich auch nicht ändern.

Bezüglich der WLAN-Ausstattung in ICEs heißt es:

„Beginnend mit einem Pilotprojekt im Jahr 2005 stehen nach Angaben der DB AG mittlerweile ca. 3000 km Strecke und 180 ICE-Züge mit entsprechenden Funkeinrichtungen zur Verfügung. Bis Ende 2015 sollen weitere 2200 km und die restlichen 85 ICE-Züge folgen.“

Wir wissen nicht, wieviel Streckennetz es insgesamt im ICE-Verkehr gibt und wieviel Prozent davon 3000 bzw 5200 km sind. Nicht eingegangen wird im Bericht auf andere Zugformen, neben ICEs gibt es ja noch ICs und RBs.

Das mobile Netz wird als praktischer angesehen, weil man sich dort nicht extra anmelden müsste und die „Funkübertragung im Handynetz verschlüsselt“ sei. Aber: „Alle vier deutschen Handynetzbetreiber müssten also in die unterbrechungsfreie Funkausleuchtung der Hochgeschwindigkeitsstrecken investieren und den schnellen Wechsel zwischen den Funkzellen beherrschen.“ Müsste man mal, bis dahin ist das mobile Netz außerhalb von Bahnhöfen kaum zu sehen.

Zum WLAN-Anschluss in Fahrzeugen des Stadt- und Regionalverkehrs gebe „es zurzeit einige Pilotprojekte und Studien mit dem Ziel Kosten, Nutzen, Kundenakzeptanz und Machbarkeit zu analysieren.“ Aber da sei zu bedenken: „Stadtbahnen verkehren häufig in Ballungszentren mit guter bis sehr guter Versorgung durch das Handynetz.“

Berlin kann damit leider nicht gemeint sein, hier ist zumindest das Netz von T-Mobile unter Tage eine Katastrophe.

Mit anderen Worten: Wie auch beim Breitbandausbau gibt es Hoffnung auf Besserung, aber eher auf niedrigem Niveau.

14 Kommentare
  1. Nö, IRs gibt es schon lange nicht mehr. Mensch Beckedahl, du fährst doch so viel Bahn, das müsstest du doch wissen. Ich empfinde diese (kostenpflichtigen!) WLANs im ICE ziemlich unverschämt (zu DEN hohen Fahrpreisen auch noch für ein bisschen Wifi zahlen) und unnütz. Im Netz der Telekom ist man eigentlich ziemlich gut entlang der entsprechenden Strecken abgedeckt. Was die Hotspots an den Hauptbahnhöfen angeht: Hab ich bisher nur in Bonn ein paar Minuten genutzt. Der Login war eine absolute Katastrophe, die Startseite offenbar kurz vor dem Zusammenbruch. Nachdem ich dann nach 5-6 Versuchen drin war, hatte ich bei jedem Test genau 1Mbit Downspeed, im Mobilfunknetz der Telekom gleichzeitig meine vollen zugesicherten 7M. Fazit: Unbrauchbar, für das Kurze surfen beim Warten dauert das Einbuchen schon viel zu lange, und sobald man dann mal drin ist, hat man so wenig Spaß dabei, dass man gleich wieder ins Mobilnetz zurückwechselt.

  2. Bin zuletzt mit einer der Fernbuslinien gefahren und hatte für die gesamte Fahrt ohne Aufpreis unbegrenzt WLAN ohne große Anmeldeprozedur oder dergleichen.

    Interessant, daß neue Unternehmen ohne dickes Finanzpolster oder etablierte Infrastruktur das so schnell und stressfrei implementiert bekommen, die Bahn aber nur innerhalb einer Zeitspannevon Jahren unter größtem Ächzen mit Haken und Ösen. Schikanen auf Schienen.

    1. In einen Bus kann man sowas ‚irgendwo‘ einbauen, und, weil’s ein Gratisangebot ist, auch nicht allzu sehr nachdenken, was man macht, wenn zu viele Leute drin surfen und der eine Surfstick, den den Uplink bildet, an diverse Grenzen kommt. (Das Hotel, in dem ich oefter bin, hat auch Gratis-WLAN, und offensichtlich einen einzelnen 2Mbit/s-Uplink dafuer.)

      Im Zug kommt man mit einem AP nicht mehr aus, muss sie vernetzen (anscheinend WLAN zwischen den Wagenuebergaengen), muss das Ganze in einer der eher seltenen Standzeiten eingebaut bekommen, und – anscheinend – die Telekom dafuer hernehmen, weil man selbst kein Businessmodell dafuer hat.

      1. Der Fernbus ist auch ein großes Oschi mit mehreren Hotspots, genau wie ein Eisenbahnwaggon.

        Meiner Vermutung nach liegt das Problem längst nicht mehr an der Machbarkeit, sondern dass es endlich jemand durchführt, anstatt nur seit Jahren Presseerklärungen herauszugeben und dämliche Studien zu delegieren. ;)

        Versucht man solange als Telekom-Kundin, den Telekom-Hotspot zu nutzen, erlebt man aber eine böse überraschung. Entweder es geht gar nicht, oder es scheitert and der Kompliziertheit des Logins.

        Vermutlich wird es wegen der Telekom-Verdienstmöglichkeit kein kostenloses WLAN geben, das man einfach betreten kann. Aber naja, selbst mit kostenlosem WLAN wäre es sicher nicht offen. Es könnte ja jemand am Zug entlangfahren und etwas raubmordkopieren.

    2. Dafür tut WLAN im Fernbus nach eigener Erfahrung auch meist nicht, weil je nach Strecke der Ausbau der Mobilfunkmasten auch auf der Autobahn zu wünschen lässt (z.B. zwischen Ulm und Stuttgart, natürlich schwieriges Terrain). LTE mit T-Mobile tat recht gut. WLAN in der Bahn reißt in den Tälern immer wieder ab. Aber die müssen im ICE halt auch Handshake bei deutlich höherer Geschwindigkeit hinbekommen als beim Bus.

  3. Mir persönlich fällt auch nur auf, dass in ICEs mobiles Surfen oft unmöglich ist. Ob es am Wechsel zwischen Funkzellen liegt kann ich nicht sagen. Aber es funktioniert wirklich schlecht während der Fahrt.
    Klar, im Regionalverkehr in Stadtnähe funktioniert es super. Man muss aber schon dran denken, dass es genügend ländliche Regionen gibt mit sehr schlechter Abdeckung zwischen den Ortschaften und da fährt auch kein ICE durch.

    1. Falls du mit „mobiles Surfen“ Internet über Mobilfunk meinst, nicht WLAN: Ein ICE-Waggon ist eine Metallbüchse. Die Außenverkleidung besteht aus Metall und die Fensterscheiben sind metallbeschichtet, um der Sonne Herr zu werden (bzw. die Klimaanlage zu entlasten – Wärme, die gar nicht erst reinkommt, muss man nicht teuer wieder rauspumpen). Für jeglichen Funk ist da nur schweres Durchkommen und ist die Versorgung auf dem Lande eh nur minimal, ist im Zug gar kein Empfang mehr möglich.

      Hinzu kommt, dass auf schnelleren Strecken zumindest bei GSM immer hinzukam, dass das Mobilfunknetz aus rein physikalischen Gründen für Geschwindigkeiten jenseits 200 km/h gar nicht ausgelegt ist (Stichwort Doppler-Effekt / Frequenzverschiebung). Ob die das bei UMTS bedacht haben, weiss ich nicht.

      Drittens gelten für Züge andere Zulassungsbestimmungen als für Busse. Die pöse Pahn könnte nichts dafür, wenn sie nicht einfach so Löcher für Antennen in ihre Wagen bohren dürfte, sondern das alles einzeln vom Eisenbahnbundesamt genehmigt werden müsste.

      Und, last but not least, ein funktionierender, kostenfreier Internetzugang im Zug fiele für den einen oder anderen Fahrgast sicher in die Abteilung Kundenbindung, keine Frage – aber mal ehrlich: Im Grunde seid ihr doch alle nur zu geizig, selbst für Euren Datentarif zu zahlen :>

      1. * Ja, man kann via Repeater (sogar passiv) den Mobilfunk von aussen in den Zug bringen.
        * Alle unsere Modellrechnungen sagen aber, es sei effizienter einen robusten Link zum Zug zu bringen und diesen intern verteilen. Ob das das im Zug WLAN sein muss (mit seinen eingebauten Nachteilen) oder modern 3G/4G ist dann Sache des Netzbetreibers.
        * Der Link von aussen kann irgendwas proprietäres sein (afair: ICE, T-Systems, Flash-OFDM (so ne‘ Art LTE bei 450MHz)), wir würden natürlich gerne LTE dafür verkaufen.
        * Es gibt keine physikalische Grenze die durch den Doppler angetatscht werden würde; die konstant hohe Geschwindigkeit und äußerst dünne Bebauung auf den Gleisen sorgt für einen gutmütigen, konstanten Kanal (im Vergleich).
        * Die Designziele für GSM/UMTS/LTE kann man nachschlagen, bei UMTS und LTE weiss ich das high-speed-train eine muß-option war. GSM-Sprache funktioniert aber auch bei 300km/h noch hervorragend.
        * Das Hauptproblem ist (wie auch oben vermutet) der Netzausbau der die Bahnstrecken tatsächlich abdeckt.
        * Moblifunkabdeckung war langezeit ein Zivilisationsdetektor, Bahnstrecken verlaufen aber gerne mal durch unbesiedelte Landschaft.

      2. Eine längere Zugfahrt in einem anderen Land kann die Perspektive verändern.
        Mit der ÖBB quer durch Österrreich unterwegs in Richtung Wien ist auch bei Tempo 230 vor Wien das Abrufen von emails, Chat usw. ohne (bemerkbare) Drop-outs möglich.
        Transferraten von >1 MB/s sind erreichbar – abhängig von den Nutzerzahlen.
        Natürlich ist die externe Connectivität nicht durchgehend gewährleistet. Zum Beispiel während dem Transit durch Deutschland ;) in Tunneln oder in manchem Gebirgsregionen. Aber insgesamt ein sehr positives (WLAN-)Erlebnis und der Beweis, dass es doch geht.

  4. Das ICE-WLAN ist derzeit mehr oder weniger unbrauchbar, wenigstens fuer interaktives Arbeiten; ueblicherweise gibt es weiterhin Kontakt, aber immer wieder gnadenlose Ping-Zeiten bis in den Minutenbereich. Nachdem man denselben Effekt auch direkt im T-Mobile-Netz hat, nehme ich mal an, dass das T-Netz arg an der Lastgrenze ist, und der T-D1-Kunde genauso drunter leidet wie der ICE-Hotspot, der wohl auch das T-Netz als Upstream benutzt.

  5. Kürzlich habe ich auf der neu versorgten Strecke Hannover – Hamm einen Test der Qualität der Internetverbindung gemacht:
    durchschnittliche packet round trip time: 12,7s (nicht ms)
    Packetverlust: 42%
    Fazit: unbenutzbar

  6. Die einzigen mit Problemen sind wieder mal die Damen und Herren der Bahn. Jedes kleine Unternehmen oder Hotel bekommt das hin, aber hier ist Einfachstes nicht möglich. Auch die Begrenzungen von 30 Minuten freier Nutzung sind doch wieder irgend so ein Pfurz, den einer mit einbringen musste, damit er was gesagt hat. Macht die Zugänge frei und fertig. Die Nachrüstung kostet Geld, ok. Alles Neue kann den Kram längst drin haben und fertig ist’s! Hängen eh schon Jahre hinten dran mit der Implementierung. Wenn ich Bahn fahre, dann sitze ich von 10 Mal auch zehnmal in einem WLAN-Abteil. Bisher ging das WLAn aber nur 1 Mal wirklich und auch nicht die ganze Fahrt von 3 Stunden über …

  7. ihr versteht das alles falsch.

    Das ist eine therapeutische Maßnahme! Die Bahn lockt die „digital natives“ mit einem WLAN-Versprechen in den Zug und dann gibt es einen kalten EntZUG. Ziel dieser therapeutischen Maßnahme ist es euch ins Reallife(TM) zurückzubringen und somit wieder zu akzeptablen Mitgliedern der Gesellschaft zu machen.

    Die Resozialisierungsmaßnahme wurde vom Mehrheitseigner Bund initiert und wird selbstverständlich über die Ticketpreise finanziert.

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