Überwachung

Kaum sechs Wochen nach der Anschaffung ist eine Aufklärungsdrohne der UNO im Kongo gecrasht

Schlechte Publicity für den italienischen Rüstungskonzern SELEX: Eine ihrer beiden Drohnen des Typs „Falco“ ist nach Presseberichten gestern in der Demokratischen Republik Kongo abgestürzt. Sie war im Auftrag der UNO unterwegs und erst im Dezember letzten Jahres von Organisation beschafft worden.

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Bei einer öffentlichen Präsentation vor Journalisten hatte die UNO damals die Fähigkeiten der „Falco“ gezeigt:

Ihr Einsatz sollte die UN-Mission MONUSCO unterstützen, die sich gegen Rebellen der „M23“ richtet. Laut der UNO würden diese von Ruanda und Uganda mit Waffen und Truppen unterstützt. Die etwa fünf Meter langen, unbemannten Aufklärungsdrohnen dürfen jedoch nur über kongolesischem Territorium fliegen.

Die nun verunfallte Drohne sei laut einem MONUSCO-Sprecher von der Landebahn abgekommen, der Vorfall habe sich auf dem Flughafen von Goma in der Provinz Nordkivu ereignet. Niemand sei dabei zu Schaden gekommen, allerdings habe das Fluggerät Totalschaden erlitten.

Andere Meldungen behaupten, der Vorfall habe sich beim Start ereignet. Auch sei die Überwachungsausrüstung unbeschädigt geblieben. Der Sprecher der UNO-Mission kündigte die Aufklärung der Ursache des Crashs an.

Der Hersteller der „Falco“ gehört zum Rüstungskonzern Finmeccanica. Die SELEX-Drohnen können zwischen acht und 14 Stunden in der Luft bleiben und dabei bis zu 200 Kilometer zurücklegen. Sie fliegen beispielsweise in Pakistan, geplant sind weitere Verkäufe nach Nordafrika. So will das libysche Militär womöglich „Falco“-Drohnen zur Grenzüberwachung beschaffen.

Zur Zeit operiert das italienische Militär mit seinen „Predator“-Drohnen bis tief ins Landesinnere Libyens. Der Einsatz geht auf bilaterale Vereinbarungen zurück und dient dem Aufspüren von Schmuggel und unerwünschter Migration. SELEX errichtet zudem zwei Grenzüberwachungssysteme für die Land- und Seegrenzen.

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9 Kommentare
  1. Ich spiele jetzt mal den Verschwörungstheoretiker.
    Aber hätten die Amerikaner nicht Interesse daran, dass Drohnen die nicht von ihnen stammen nicht so gut funktionieren? Das wäre zum einem besser für die eigene Wirtschaft und zum anderen auch ein gutes Druckmittel in Verhandlungen (wenn die anderen die eigenen Drohnen benutzen). Und an die aufgezeichneten Daten kommt man auch viel leichter ran.
    Vor 10 Jahren hätte ich mich selbst komisch angeschaut bei solchen Gedanken.Aber mittlerweile? Irgendwie würde ich es den Amerikaner zutrauen.

  2. die drohnen-berichterstattung von matthias monroy erinnert an die mediale begleitung der einführung der eisenbahn. dieselbe drollige hysterie. der zug war damals abgefahren und ist es heute. der senf ist aus der tube, ihr werdet ihn nicht mehr hineinbekommen. man nennt das fortschritt.

      1. @nux: ich danke dir für deinen weitsichtigen beitrag. voller scham habe ich gerade meine fehleinschätzung feststellen müssen. wenn die völker europas sich vereinigt hätten nach der erfindung der dampfmaschine, hätten sie die industrielle revolution natürlich verhindern können. ähnlich verhält es sich mit computern, moderner kommunikation und drohnen. wie konnte ich das nur übersehen? danke, dass du mir die augen geöffnet hast, ehrenwerter sesselstratege. muhuuu!

    1. Im Kern gebe ich dir an dieser Stelle recht. Mir leuchtet nicht so recht ein warum die UN für Friedenssicherung (und dabei haben sie ja nun wirklich ein klares Mandat) auch Drohnen einsetzen kann. Gerade in unwegsamen Gebieten kann das doch tatsächlich ein enormer Mehrwert sein, oder?

      1. Das hat man doch beim versehentlichen Tanklastzug-Massaker gesehen.
        a) Futzi gibt vor Ort den Einsatzbefehl. Jets fliegen hin, knallen die Menschen ab, Zivlisten sterben. Futzi muss sich verantworten und wird vor ein Gericht gestellt.
        b) Irgendwer in irgendeinem Militärgebäude gibt den Einsatzbefehl. Irgendeine Drohne fliegt hin, knallt die Menschen heimlich ab, Zivilisten sterben. Niemand bekommt etwas mit und keiner ist’s gewesen.

        Das Problem der Drohne ist nicht ihre Flugfähigkeit, sondern ihre Autonomität oder zumindest Distanz in Entscheidungsfragen, sowie ihr neues Missbrauchspotential.

        Es kann sich auch keiner erlauben, rund um die Uhr Aufklärungsflugzeuge mit Abhöreinrichtungen über Städten kreisen zu lassen. Bei Drohnen kein Problem, die sind billig und machen das automatisch. Dass so ein Drohnen-WLAN-Scanner und die passenden Backdoors in der Hardware bei uns Zuhause existieren, weiß man ja jetzt. Und Stimmt, jetzt kann man die Entwicklung nicht mehr rückgängig machen, aber man kann ihren Einsatz verhindern.

    2. Die teil-autonomen Drohnen ersnthaft mit der Einführung der Eisenbahn zu vergleichen ist wohl kaum als ernsthafte Aufforderung zur Auseinandersetzung gemeint. Es erinnert mich an den Postkutschen-Vergleich von de Maizière. Jedoch verballhornt diese Argumentation, dass die neuen Präzisionswaffen die gegenwärtige Kriegsführung auf den Kopf stellen. Denn erst der Besitz von Kampfdrohnen hat dazu geführt, dass Tausende durch „gezielte Tötungen“ ohne jeden Gerichtsbeschluss erschossen werden. Wohlgemerkt: Nicht im Gefecht, sondern heimtückisch. Solche Begehrlichkeiten existieren nicht nur bei der US-Armee. Insofern läge statt der Eisenbahn der Vergleich mit der Einführung von Atomwaffen näher, eine Spirale der Aufrüstung ist die Folge..

      Wir können darüber streiten inwiefern Überwachungsdrohnen der Vorbereitung und Durchführung derartiger Angriffe dienen. Auch über den Sinn und Unsinn von UN-Missionen gibt es unterschiedliche Auffassungen. Klar ist aber, dass zB die Bundeswehr modulare Drohnen beschafft, die zunächst mit Aufklärungssensorik behängt werden, aber nachträglich bewaffnungsfähig sind. Fortschrittlich finde ich das nicht. Mein Unbehagen gilt übrigens auch der (Grenz-)Polizei, die in vielen Ländern gerade ebenfalls auf größere Drohnen umsattelt. Wenn der Himmel voller Überwachungskameras hängt, entsteht eine neue Dimension der Überwachung, die auch noch beweglich ist. Das gefällt dir also?

      1. selbstverständlich gibt es zu dieser sache keine ernsthaften argumente, als die von matthias monroy. dennoch frage ich mich, wie man diese latente argumentationskette verstehen soll, dass es ok sei, wenn man sich sozusagen „im gefecht“ auge in auge mit der hellebarde umbringt, kriegshandlungen aber problematisch seien, wenn der pilot „heimtückisch“ vor einem bildschirm sitzt. für ideologen und sesselstrategen mögen solche gedankenspiele stimulierend sein, aus meiner unwichtigen sicht als stimmvieh sind sie nur zynisch und fernab der realität. andererseits kann man es natürlich für eine errungenschaft halten, dass die intellektuellen in mitteleuropa den krieg so wenig kennen, dass sie dermassen ideologisch und verquer diskutieren können.

        mir gefällt überwachung genausowenig, ich glaube aber, dass es nicht zielführend ist gegen drohnen zu kämpfen (der zug ist durch), sondern dass es effektiver wäre die frage des umgangs mit den gewonnen daten anzugehen („fruit of the poisend tree“). aber dazu müsste man sich halt der mühsal der ebene aussetzen.

        schade ist übrigens diese unsägliche verengung des ursprünglich mal weiten politischen spektrums von netzpolitik.org auf die ideologie einiger weniger. wenn hier regelmässig ein mitarbeiter der bundestagsfraktion „die linke“ als autor schreibt (wo sind die anderen?) ist vermutlich der gipfel de ideologischen verengung erreicht.

  3. „…zwischen acht und 14 Stunden in der Luft bleiben und dabei bis zu 200 Kilometer zurücklegen. “
    Die legen während dieses Zeitraums bei einer Geschwindigkeit von 200Km/H nach Adam Ries und Eva Zwerg deutlich mehr Strecke zurück. Jedoch ist der Einsatzradius durch die Funkkommunikation auf 200Km begrenzt. Leuchtet ein, ich dunkel aus. Ggf. also den Satz präzisieren.

    Mahlzeit

    Bonusgoodie:
    „The Fiat CR.42 Falco („Falcon“, plural:Falchi) was a single-seat sesquiplane fighter which served primarily in Italy’s Regia Aeronautica before and during World War II.“ Sozusagen ein entfernter Ur-urgroßonkel. Diesen mangelnden Einfallsreichtum bei der Namensgebung empfinde ich ausgesprochen unerwähnenswert. In diesem Sinne; mein Kompliment.

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