Am Freitag veröffentlichte Markus Teil I der Reihe ‚Unser Blog soll schöner werden’. Grundlage hierfür war eine Umfrage, die im August durchgeführt wurde mit dem Ziel, herauszufinden, wie die Leserinnen und Leser dieses Blogs ihn eigentlich wahrnehmen. Während der zwei Wochen, in denen die Umfrage lief, gab es bereits eine Reihe von Kritikpunkten, die nicht von der Hand zu weisen sind (s. Kommentare), und auch die Repräsentativität kann sicherlich angezweifelt werden. Wichtig ist jedoch vorerst folgendes: Aus der Umfrage resultierte, dass der Anteil derer, die Netzpolitik lesen und sich als „eher weiblich“ beschreiben, bei 8 Prozent liegt. Und obwohl wir Diskussionen wie „Mehr Frauen in die Piratenpartei“ und 8 Prozent Autorinnen der Wikipedia kennen und uns leider Zahlen anderer netzpolitischer Plattformen/ Blogs fehlen, kam uns das sehr wenig vor, sodass Markus am Freitag fragte: Wie kann Netzpolitik für Frauen interessanter werden?
Abgesehen von der Zahl zeigen die Reaktionen auf diese Frage, dass Interesse besteht, sie zu diskutieren. 102 Kommentare allein auf Netzpolitik.org, dazu 38 bei Sammelmappe sowie weitere Posts wie der von Helga Hansen. Welche Punkte können wir daraus vorläufig formulieren?
Vorerst: Kommentare wie „Frauen interessieren sich nun mal nicht für Netzpolitik“ sind Getrolle. Wir haben gefragt, wie Frauen darüber denken und möchten Antworten dazu auch hören. Auch will Netzpolitik keine Schuhwerbung schalten und/ oder Stereotype reproduzieren.
Glücklicherweise haben sich die meisten Kommentierenden wirklich Gedanken gemacht, sodass eine Liste von Anregungen und Kritikpunkten erstellt werden konnte.
Layout/ Gestaltung des Blogs
Mehrere Kritikpunkte richten sich an die (inhaltliche) Gestaltung von Netzpolitik.org. Beispielsweise wird genannt, dass eine stärkere Themenstrukturierung sinnvoll sei, die Glossare und grundlegende Informationen zuließe. Neue Rubriken könnten ebenfalls eingeführt werden, „Feuilleton“ oder „Vermischtes“ wurden als Vorschläge genannt. Weiterhin eine z.B. kurze wöchentliche Zusammenfassung der aktuellen Themen, sodass Leserinnen und Leser eine Chance haben, „mitzukommen“, ohne ständig den Feed zu verfolgen. Zudem wird vorgeschlagen, das Layout kreativer zu gestalten.
Inhaltliches
Teilweise wird Netzpolitik.org als zu technisch und zu nüchtern berichtend empfunden. Angemerkt wird ebenfalls, dass die Autorinnen und Autoren sich selbst zu sehr positionierten und damit eine Meinung vorgäben, die „der gute Netzmensch“ haben sollte. Alternativ wurde hierzu vorgeschlagen, häufiger offene Fragen zu formulieren und Gegenstimmen zuzulassen. Ebenso könnten Textarten deutlicher voneinander getrennt und dies mit verschiedenen Rubriken (wie oben genannt) verdeutlicht werden. Dann können die Leserinnen und Leser entscheiden, ob sie zu einem Thema eine komplette Analyse oder aber eine Einführung lesen möchten und müssten nicht auf der Hauptseite suchen. Mehrmals wird geschrieben, dass den Blogposts ein Alltags- bzw. persönlicher Bezug fehle und kulturell-soziale Begleitumstände der Netzpolitik stärker beachtet werden sollten. Genannt wird zudem, dass generell mehr Zugänge zu netzpolitischen Themen eröffnet werden sollten, damit sich interessierte Menschen in verschiedenen Weisen damit auseinandersetzen können.
Kommentarkultur
Viele Frauen schrieben, dass sie sich die Kommentare bei einigen Blogs nicht mal mehr ansehen. Auch Markus ist im Sommer mal der Kragen geplatzt und er spielte kurz mit dem Gedanken, die Kommentarfunktion einfach zu schließen. Kurz, weil das auch keine Lösung sein kann. Und auch wenn ich selbst manchmal die Kommentare unter meinen Artikeln nicht mehr sehen will, ist es doch beachtlich, wie viele konstruktive Anmerkungen und Diskussionen immer wieder zusammenkommen. Dennoch kann ich diese Ablehnung gut verstehen und wir werden uns hierzu, genau wie zu allen anderen Punkten, defintiv nochmal Gedanken machen.
Sichtbarkeit
Einige reagierten erstaunt auf die Anzahl der Autorinnen und „merken davon nichts“. Das ist für mich schwer nachvollziehbar, da ich eine von ihnen bin und nicht bewerten kann, inwiefern meine Artikel sich unterscheiden oder eben nicht. Was ebenfalls genannt wurde und zu mehr Sichtbarkeit führen könnte, wäre eine „Über Uns“ Seite mit Bildern der regelmäßigen Autorinnen und Autoren und deren Kurzvita o.ä.
Kooperationen
Eine von mehreren Kommentierenden genannte Anregung ist die Zusammenarbeit mit feministischen und/ oder breiter thematisierten Blogs, um Netzpolitik deutlicher als Querschnittsthema zu etablieren. Wie das bei 99% unregelmäßig in ihrer Freizeit schreibenden Autorinnen und Autoren funktionieren soll, is auf den ersten Blick nicht leicht zu beantworten, aber Überlegungen wert.
Soweit zu meinen Beobachtungen. Danke an Alle, die sich an der Diskussion beteiligt haben und dies noch immer tun – schließlich handelt sich hier nicht um einen Austausch a la „Was ist das Problem? Aha. Ok, gefixt“ (auch wenn das so rübergekommen sein mag), sondern um einen Prozess. Wir machen uns Gedanken um die Kommentare und Anregungen und berichten von daraus gezogenen Konsequenzen. Weitere Anregungen und Kritikpunkte sind natürlich willkommen.
