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Wolfgang Kleinwächter: „Eine Verfassung für das Internet“

Regierungen dürfen nicht die alleinige Kontrolle über das Internet erhalten. Wolfgang Kleinwächter ist Professor für Internetpolitik und Regulierung an der Universität Aarhus und sitzt in diversen Gremien, die sich mit der Zukunft des Netzes beschäftigen. Im Interview mit der Thurgauer Zeitung spricht er über Netzneutralität, Cyberwar und Liquid Feedback. „Ein immer wieder auftauchender Irrtum in…

  • Andre Meister

Regierungen dürfen nicht die alleinige Kontrolle über das Internet erhalten. Wolfgang Kleinwächter ist Professor für Internetpolitik und Regulierung an der Universität Aarhus und sitzt in diversen Gremien, die sich mit der Zukunft des Netzes beschäftigen. Im Interview mit der Thurgauer Zeitung spricht er über Netzneutralität, Cyberwar und Liquid Feedback.

„Ein immer wieder auftauchender Irrtum in diesem Zusammenhang ist, dass Telefonnummern und IP-Adressen als zwei Seiten einer Medaille gesehen werden. Das ist aber grundfalsch“, sagt Kleinwächter. „Das Telefonnummernsystem ist hierarchisch organisiert und streng national geregelt. IP-Adressen werden netzwerkartig generiert und werden von regionalen Internet Registries bei Bedarf dynamisch an die Provider weitergleitet. Es gibt also keine Länder- oder Städtekennung bei den IP-Nummern.“ Bei einer Gleichbehandlung von Telefon- und IP Nummern drohe eine Art Renationalisierung des Internets. Der seit 30 Jahren bestehende globale und grenzenlose Charakter des Netzes könnte erheblichen Schaden nehmen.

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3 Kommentare zu „Wolfgang Kleinwächter: „Eine Verfassung für das Internet““


  1. Philip Engstrand

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    Das Beispiel mit der Telephonnummer überzeugt nicht wirklich: Heute kann ich eine Mobilrufnummer (übrigens auch Festnetz) an beliebige Anschlüsse legen und aus der DSL oder Kabelmodem IP Adresse mit ein bischen Vorwissen den Stadtteil ermitteln.

    Und das es einen grenzenlosen Charakter des Netzes gibt, merkt man immer irgendwie, wenn eine Ververbindung (Glasfaserseekabel) wegfällt, oder mal wieder eine Staatmacht den Uplink (also den einzigen) abdreht.

    Und das eine kritische Webseite in totalitären Staaten gegen die Netzneutralität untergeht, weil sich die Seite zu langsam aufbaut…


    1. Philip Engstrand

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      also ich verstehe durchaus, dass hier jeder den grenzenlosen Charakter des Netzes zu erhalten versucht, man sollte das dann aber auf der Politischen Seite regeln und nicht immer wieder mit technisch-unglücklichen Lösungen (Netzneutralität koste es was es wolle, unbedingt Flatrate) erzeugen.


  2. Mika B.

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    Solange man für ein Netz kontrollierte Zugangsknoten , Leitungen , Server und auch wiedererkennbare IP Adressen benötigt , kann es nicht wirklich „Frei“ sein , da hilft im Endeffekt auch keine Verfassung.
    Im Prinzip ist selbst ein altes Funknetz „freier“ wenn auch Begrenzter.
    Für ein wirklich Freies Internet müssten wohl noch einmal die Erfinder ran …

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