Die BrandEins hat ein längeres und lesenswertes Interview mit dem Rechtswissenschaftler und Richter Karl-Nikolaus Peifer über die Überforderung des Urheberrechts, das Unwesen von Abmahnungen und neue Finanzierungsmöglichkeiten: Das digitale Urheberrecht steht am Abgrund.
Juristisch gesehen haben die Rechteinhaber, insbesondere die industriellen Vermittler der urheberrechtlich geschützten Werke, sehr viele Rechte, und die Nutzer haben sehr wenige. Die Nutzer haben jedoch faktisch alle Möglichkeiten, sich die Inhalte zu beschaffen. Das führt naturgemäß zu einem Konflikt, den das Recht lösen muss und immer weniger wirklich lösen kann. Denn wir geraten immer stärker in eine Situation, in der die Menschen es zunehmend nicht mehr als gerecht empfinden können, dass das, was das Recht entscheidet, auch richtig ist. Denken Sie an die Abmahnungen der Musikindustrie, verbunden mit Gebühren von oft rund 1000 Euro für den einmaligen Download von Dateien. Das können wir als Juristen nicht mehr vermitteln. Und das Recht selbst verliert hierbei Stück für Stück seine Legitimation. Ein Recht, das sich von dem Bewusstsein der Menschen löst, bekommt größte Probleme. Das Recht ist für die Menschen da und nicht die Menschen für das Recht. Das mag naiv klingen, aber es hat eine sehr grundlegende Bedeutung für das, was man Rechtsempfinden nennt, auf dessen Grundlage unsere Rechtsordnung basiert, auf die wir als Rechtswissenschaftler achten müssen.