Die indische Regierung kann jetzt nach jahrelangen Forderungen BlackBerry Messenger und E‑Mails entschlüsseln. Das berichtet die größte englischsprachige Tageszeitung des Landes. Umstritten ist, ob nur die Kommunikation über zentrale Server in Indien betroffen ist, oder ob es eine allgemeine Hintertür gibt.
Seit zwei Jahren will Indien auf die verschlüsselten Daten von Research In Motion (RIM) zugreifen. Heute zitiert die Times of India einen Firmensprecher:
I can confirm that RIM is providing an appropriate lawful access solution that enables India’s telecom operators to be legally complaint with respect to their BlackBerry consumer traffic.
Jede Instanz der Software BlackBerry Enterprise Server (BES) hat einen eigenen Krypto-Schlüssel. Man kann die Software entweder selbst aufsetzen, was meist nur Unternehmen machen, oder den Server nehmen, der direkt von Research In Motion betrieben wird. The Register berichtet nun, dass RIM wahrscheinlich den Schlüssel des eigenen Servers an die indischen Behörden gegeben hat, wie sie es auch in Großbritannien taten.
Nachdem Indien gedroht hatte, Blackberries zu verbieten, wenn die Behörden nicht auf die Daten zugreifen können, habe RIM die Kommunikation indischer BlackBerry-User nicht mehr über seine Server in Kanada abgewickelt, sondern extra Server in Indien dafür aufgebaut. Für die gilt dann auch indisches Recht, und die Behörden haben ihren Zugriff.
The Times of India berichtet darüber hinaus über eine Präsentation von RIM selbst, bei der jegliche Kommunikation von BlackBerry-Geräten abgehört werden könne:
Correspondence reviewed by ET, however, shows that the solution demonstrated by RIM can intercept all BlackBerry services. A telecom department official also confirmed that corporate emails would form part of the services that the government will be able to monitor.
Das soll die Firma Verint („Better Business and a Safer World“) entwickelt haben.
The Register bezweifelt diese Möglichkeit. Viel mehr außer Sicherheit hat RIM nicht mehr als Verkaufsargument. Wenn sie das täten und es ans Licht kommt, wären sie am Ende. Zudem behauptet Indien das nicht zum ersten Mal.
So oder so, diese Geschichte beweist mal wieder: Verschlüsselung kann man nur trauen, wenn sie offen ist und man sie selbst einrichtet.