Auch in Dänemark gibt es eine große Debatte rund um ACTA und die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen. Die dänische Handelsministerin erklärte in einer Pressekonferenz, dass man ACTA bräuchte, weil 95% der Musikdownloads illegal seien. Die dänische TV-Sendung DR2 Detektor hat den Zahlen nach recherchiert und ist zu anderen Ergebnissen gekommen. Die Auflösung war, dass die Handelsministerin alte Zahlen der Musikindustrie ungeprüft auswendig gelernt hatte.
Von dem Bericht, in dem später noch die Handelsministerin mit den falschen Zahlen konfrontiert wird, gibt es eine Version auf Youtube, die freundlicherweise Henrik Moltke auf deutsch übersetzt hat:
(Henrik ist Däne, daher ist es kein perfektes deutsch, aber schon sehr gut. Bei Universal Subtitles kann jeder die wenigen Fehler korrigieren und den Text verbessern).
Der Bericht ist ein gutes Beispiel, wie man solchen Zahlen nach recherchieren sollte, die verwendet werden, um z.B. in diesem Fall mehr repressive Maßnahmen mit möglichen Grundrechtseinschritten zu verkaufen.
Wer Zahlen für Deutschland sucht, wird bei der Rechteindustrie fündig:
Im Sommer des vergangenen Jahres erschien die DCN-Studie vom Bundesverband Musikindustrie, des Börsenverein des deutschen Buchhandels und der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechten. Darin wurde kommuniziert, dass „mehr als 20 Prozent der Deutschen im letzten Jahr Medieninhalte heruntergeladen haben, davon ein Viertel illegal“. Klingt erstmal viel, ist es aber nicht. Im Klartext heißt dies, dass selbst nach Studien der Rechteindustrie nur fünf Prozent der Deutschen überhaupt rechtlich umstrittene Werke im Netz herunterladen. Und für die Rechteinhaber scheint jeder Download illegal zu sein, bei dem kein Geld bezahlt wird. Gleichzeitig steigen die Zahlen für verkaufte Musikdownloads massiv an – vor allem wegen eines besseren Angebotes, Verzicht auf Kopierschutz und auch günstigeren Preisen. Und dann gibt es auch noch legale Streamingdienste. Diese werden auch noch weiter steigen.