Überwachung

Soziale Software: Polizei identifiziert Verkehrssünder

Ich habe es immer schon gesagt: Leute, wenn ihr schon eure Bilder in sozialen Netzwerken postet, denkt bitte auch daran, sie ordentlich zu taggen. Nein, ernsthaft. Ohne gewissenhafte Verschlagwortung hat niemand was von euren Bildern!


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Weder eure Freunde, noch eure Freunde und Helfer. Gerade letzteren kann man durch sauber referenziertes Bildmaterial eine echte Freude machen. Zum Beispiel bei der Identifizierung des Fahrers auf „Blitzerfotos“. Da gibt es nämlich ein echtes Problem: Liegt nach ein paar Wochen endlich der Anhörungbogen auf dem Tisch, will es wieder keiner gewesen sein.

Das Resultat: Erhöhter Aufwand für die Behörden, die in der Nachbarschaft von Tür zu Tür ziehen müssen, um jemanden zu finden, der den Fahrer identifizieren kann. Ein Aufwand (Hallo, Steuergelder!), der völlig unnötig wäre, wenn jeder (Daten-)Verkehrsteilnehmer seine Bilder ordentlich taggen würde. Glaubt ihr nicht? Dann bitte hier entlang, zu einer aktuellen Meldung bei Focus Online:

[…] einem Bericht der „Hamburger Morgenpost“ zufolge, greifen Polizeibeamte gezielt auf die frei zugänglichen Aufnahmen [in sozialen Netzwerken] zurück und gleichen sie mit Blitzerfotos ab. […] Auch wer tatsächlich in einem fremden Wagen geblitzt wird, kann sich nicht mehr sicher sein: Verbindungen zwischen Personen, die sich ein Auto teilen, sind schließlich auch in sozialen Netzwerken sehr wahrscheinlich. Wer Rückschlüsse der Polizei vermeiden will, dem bleibt nur ein Deckname oder ein unkenntliches Bild auf Facebook und Co.

PS: Wer sein Fahrzeug stets rücksichtsvoll und in Einklang mit der Straßenverkehrs-Ordnung bewegt, darf seine Bilder natürlich trotzdem taggen. Maschinenlesbarkeit ist kein Verbrechen! #datalove!

 

23 Kommentare
  1. Das sehe ich jetzt echt gelassen :)

    Blitzbilder von Radfahrern werden nämlich derzeit noch weggeworfen und wenn ich mal ein Auto vom Carsharing habe, dann kann man mich ohnehin anhand des Nummernschildes als Fahrer zuordnen.

  2. Sie überschritten die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften um 290 km/h. Zulässige Geschwindigkeit: 50 km/h. Festgestellte Geschwindigkeit (nach Toleranzabzug): 340 km/h.
    Bußgeld : 680 Euro
    Fahrverbot: 3 Monate
    Punkte: 4
    ——————————
    also, ich bin dann mal mit 340 km/h durch die ortschaft gewummert….und ich kanns mir leisten…nicht jeder depp kann 340 km/h fahren. und das bußgeld, paah.

    1. Zulässige Geschwindigkeit: 50 km/h
      Festgestellte Geschwindigkeit: 780 km/h
      ———————
      mmh…mein führerschein ist zwar immer noch weg, aber nach 3 monaten wieder da. scheint so, dass man in bayern die schallmauer in der ortschaft brechen kann. als gegenleistung gibts 3 monate lizenzentzug. ich denk da nochmal drüber nach…ich find die strassen in bayern echt gut.

  3. „Maschinenlesbarkeit ist kein Verbrechen!“

    Wie lange wird es wohl dauern bis es zur Pflicht werden soll, 2jahre bis es jeder machen muss?
    Will jemand wetten?

      1. Spannender Einwand übrigens. Zumindest früher war es so, dass die Bußgeldbehörde ohne Zustimmung des Betroffenen nicht ohne weiteres auf ein im Pass- oder Personalausweisregister hinterlegten Foto zugreifen durfte. Hier ein Fall aus Stuttgart. Ob das inzwischen anders ist, kann ich nicht sagen.

        Richtig spannend finde ich übrigens die in der oben verlinkte Urteilsbegründung verlinkte Variante des Bundesverfassungsgerichts:
        Pass(bild) nicht freiwillig -> somit Zwang sich selbst zu belasten -> #fail

  4. Mir kommen andere Autofahrer immer so aggressiv vor. Aber ich fahre ja auch nur so schnell wie auf den Schildern steht und das will für meine 22 Jahre schon was heißen. Ich hasse es aber wenn Leute nicht auf ihrer Seite fahren können. grrrmmm..

  5. @Fuchs: Ach, du bist das?

    Völker, hört, der Auto Lama ist gefunden. Nach jahrzehnten ebenso mühevoller wie ergebnisloser Suche haben wir einen unfehlbaren Autofahrer unteruns!

    Ernsthaft, ich habe wenig Verständnis für Raser und/oder rücksichtsloses Fahrverhalten. Allerdings würde mich wirklich interessieren, wie oft ein handelüblicher Autofahrer pro Tag (oder Woche) durch die Führerscheinprüfung fallen würden, würden seine Fahrten lückenlos protokolliert. Ich tippe – bei Fahrern, die regelmäßig, sagen wir, 20km/Tag fahren – auf über 80%.

    1. Offensichtlich ist ein beachtlicher Teil der ermittelnden Beamten nicht damit beschäftigt, richtige Verbrechen zu verhindern oder aufzuklären. Viel mehr möchte man das Geld für den teuren Staat beim Bürger abholen. Das geht halt über Bußgelder einfach besser als über unpopuläre Steuererhöhungen.

      Wie ist euere subjektive Wahrnehmung zum Verhältnis guter zu – nennen wir es einfach so – schlechter Polizeiarbeit? Ich habe in meinem Leben zwei mal polizeiliche Unterstützung erwartet: Bei einer körperlichen Auseinandersetzung trafen sie 30min nach dem Notruf ein. Bis dahin war ich längst auf dem Heimweg und die Täter über alle Berge. Nach einem Autoeinbruch durfte ich aufs Revier fahren. Die Idee der echten Ermittlungserwartung ist rückblickend naiv gewesen. Aber irgendwie mag ich sie doch, diese staatliche Hilfe gegen Verbrecher!

      1. Offensichtlich ist ein beachtlicher Teil der ermittelnden Beamten nicht damit beschäftigt, richtige Verbrechen zu verhindern oder aufzuklären.

        Hast du zufällig eine Statistik zur Hand? Ansonsten gehört die Verkehrsüberwachung inkl. Gefahrenabwehr nunmal zu den Aufgaben der Polizei. Und das ist eigentlich auch ok so.

        Das geht halt über Bußgelder einfach besser als über unpopuläre Steuererhöhungen.

        Tatsächlich halte ich Geschwindigkeitskontrolle an Unfallschwerpunkten für durchaus sinnvoll. Und auch wenn ich selber gerade keine Statistik zur Hand habe, scheinen mir die klassischen „Blitzfallen“ vor allem von kommunaler Seite betrieben zu werden (Und ja, auch das ist letztendlich Staat, aber eine anderer Vorwurf).

        Wie ist euere subjektive Wahrnehmung zum Verhältnis guter zu – nennen wir es einfach so – schlechter Polizeiarbeit?

        Auch da habe ich bisher keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht. Was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass es hier in der Provinz noch etwas entspannter zugeht, und man im Zweifel miteinander redet. In größeren Städten mag das anders sein (und auch der Druck entsprechend höher).

  6. das komische daran finde ich eigentlich, dass man sich viel eher darum kümmern muss was mit seinem Internetanschluss passiert als mit seinem Auto:

    Beim Internet gilt soweit ich weiß die Störerhaftung, und wenn jemand deine Leitung benutzt und sich Kinderpornos anschaut oder irgendeine Webseite lahmlegt, sieht man wahrscheinlich ziemlich alt aus.
    Dagegen…
    bei seinem XX000 Euro teuren Auto, mit dem man ja ziemlich gefährliche Dinge anstellen kann, wenn es in die falschen Hände gerät, muss man nicht wissen wer damit vor ein paar Tagen/Wochen herumgefahren ist.
    „Nein, ich bin doch nicht zu schnell gefahren. Das muss irgendjemand mit meinem Auto gewesen sein, aber wer hab ich vergessen“. Na klar!

    Da sind die Rechte & Plichten zwischen Autofahrern und Internetnutzern auch etwas ungleich verteilt, gerade wenn man das Gefahrenpotential beider Technologien sieht.

    1. IANAL, aber gilt Störerhaftung nicht nur bei Zivilprozessen? KiPo und Denial of Service sollte davon in der Regel unberührt bleiben (außer natürlich, wenn der KiPo-Produzent wegen Urheberrechtsverletzungen abmahnt – kann eigentlich nicht mehr lange dauern, bis es der Erste versucht…).

  7. Ich würde ja jetzt sagen: „Ich habs schon immer gesagt“. In Anbetracht der naheliegenden Vermutung, dass da noch mehr auf uns zu kommt, spare ich mir das aber lieber für später :D

  8. Man kann das ganz gelassen sehen…
    Ein Freund bei einer Party, der meint das Bild ist prima, ohne zu fragen stellt es bei facebook rein…natürlich mit Namen wer zu sehen ist….

    Was für eine steilvorlage, aber hey, wie war das mit den ewig gestrigen, damit konnte doch wohl keiner rechen…

    *haut sich weg vor lachen*

  9. Stellen Sie sich mal vor Sie sind von irgendetwas überzeugt, so überzeugt dass Sie auf für dieses Ziel eine Demo besuchen. Kann ja mal vorkommen. Nun ist die Regierende Partei damit nicht ganz einverstanden und gleicht die Demobilder mit den Bildern des neuen Personalausweises, der Facebook Bilder usw. ab. Sofort steht fest Sie vertreten diese und jene Meinung . Dass Speichern wir gleich mal im Polizeilichen Register in Verbindung mit dem Perso ab und fertig ist der Überwachungsstaat…

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