Kultur

Neues von Euroweb: „Das Internet – eine rechtsfreie Zone?“

Auch wenn ich die Hoffnung auf ein freies Wochenende inzwischen abgehakt habe: Eigentlich habe ich ja wenig Lust, mich in der Streitsache „Nerdcore vs. Euroweb“ instrumentalisieren zu lassen. Und klar, beide Parteien haben nicht nur ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge, sondern auch ein legitimes Interesse, gehört zu werden. Ihr ahnt es schon: Ich habe Post, von Euroweb. Keine Sorge, es ist nur eine Mail mit der Bitte um Beachtung.

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Nachdem René Walter und sein Anwalt Dominik Boecker* gestern Mittag mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gingen,  in der von einer erneuten Prüfung des Pfändungbeschlusses durch die Denic und einem Rücktransfer der Domain (ich nehme an, dass sie zunächst im Transit bleibt) an René Walter die Rede war, gab es noch am Abend eine Reaktion im Blog von Euroweb.

Ich glaube nicht, dass sich Euroweb mit Ansatz und Wortwahl einen Gefallen tut, aber lest selbst:

Wer glaubt, sich im World Wide Web wie ein Outlaw benehmen zu können, irrt. Das Internet ist nicht der Wilde Westen. Dass dennoch viele das Internet als eine Art rechtsfreien Raum sehen, liegt nicht nur an der kolossalen Verblendung einzelner Marktteilnehmer, sondern wohl auch daran, dass der Gesetzgeber sich schwer tut, effiziente Regelungen und Vorschriften zu etablieren.

Gut, das kann man in Zeiten, wo Abmahnungen in manchen Kreisen zur bevorzugten Art der Kommunikation geworden sind, natürlich auch anders sehen. Muss man aber nicht. Denn natürlich hatte Euroweb nichts anderes im Sinn, als sich selbst zu schützen. Sagt Euroweb:

Die Euroweb Internet GmbH hatte sich in einer bundesweit beispiellosen Aktion gegen den scheinbar rechtsfreien Raum Internet gewehrt und die Domain nerdcore.de rechtskräftig gepfändet. Die Intention der Euroweb Internet GmbH war keinesfalls die Unterdrückung der Meinungsfreiheit.

Schützen will sich Euroweb vor allem gegen die „Todsünde Gleichgültigkeit“ – und zitiert bei dieser Gelegenheit aus Linus‘ privatem Impressum. Genau, uns‘ Linus, der sich in den vergangenen Tagen ausführlich für Netzpolitik.org mit dem Fall „Nerdcore vs. Euroweb“ beschäftigt hat!

In seinem Impressum macht Linus nämlich einen Vorschlag, wie man Probleme schnell und stressfrei aus der Welt bekommen kann (Den Absatz habe ich eingebaut, s.u.):

Sie planen eine Abmahnung? Im Moment ist dies eine moderne Methode, schnelles Geld zu machen, und ich kann Ihnen das nicht verübeln. Jedoch sollte ich Sie darauf hinweisen, dass bei mir absolut nichts zu holen ist, und ich nur auf einen willkommenen Grund warte, in den Genuss der Freiheit zu kommen, die mit einer Privatinsolvenz einhergeht.

Im Sinne einer rationalen und schnellen Problemlösung scheint mir Option I, der höfliche Kontakt, eine bessere Wahl. Man behauptet manchmal von mir, man könne besser mit mir reden, als man erwartet habe.

Für Euroweb scheint dieser bescheidene (und juristische leider nicht wirksame) Wunsch eine Todsünde zu sein. Die neue Todsünde „Gleichgültigkeit“!  Nein, wir haben es nicht mit einem Fall von kognitiver Dissonanz zu tun. Euroweb zitiert nämlich nur aus dem ersten Absatz – und lässt die vorgeschlagene „Problemlösung“ der Einfachheit halber unter den Tisch fallen.

Nun gut. Ich nehme an, dass dieser kreative Einstieg in einen konstruktiven Dialog von Euroweb als ein Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen ist. Ausserdem natürlich als Überleitung, schließlich galt es auch noch einmal Renés Todsünde Gleichgültigkeit zu beklagen:

Auch der ehemalige Inhaber der Domain nerdcore.de zeigte eine erschreckende Gleichgültigkeit, als er trotz mehrmaliger gerichtlicher Beschlüsse die Regeln des Rechtsstaates vorsätzlich ignorierte.

Davon, dass René seine Familie nach eigenen Angaben deutlich weniger gleichgültig war, als seine Post in Berlin, ist bei Euroweb natürlich nichts zu lesen. Muss ja auch nicht. In welchem Konflikt sich René befand, wird dafür im Interview mit Futurezone deutlich:

Ich möchte nicht ins Detail gehen, aber ich war lange Zeit nicht an meinem Wohnort in Berlin, weil jemand aus meiner Familie erkrankt ist. Natürlich war ich auch leichtsinnig. Mein Nachbar hat mich informiert, dass hier gerichtliche Schreiben eintrudeln, ich war aber zu der Zeit einfach nicht in der Lage, mich wirklich darum zu kümmern. Das war auch naiv.

Und nun? Vom aktuellen Eingriff der Denic hält man bei Euroweb erwartungsgemäß gar nichts. Allerdings bringt Euroweb ein neues Detail in die Debatte:

Als Gründe gab die Denic an, dass ihr der Nachweis der Zustellung des Beschlusses des Amtsgericht Tiergarten an den ehemaligen Besitzer nicht vorliege und darüber hinaus die postalische Anschrift des gerichtlichen Beschlusses nicht mit der Adresse, die bei der Denic eG für diese Domain ursprünglich hinterlegt wurde, übereinstimme.

Rechtsanwalt Berger (Berger Law, Köln), der Euroweb in der Streitssache vertritt, wirft der Denic sogar offen einen Rechtsbruch vor:

Laut Rechtsanwalt Berger (Berger Law, Köln) ist dieses Vorgehen skandalös. Die Denic eG setze sich hier über Recht und Gesetz vorsätzlich hinweg. […]

Eine Ansicht, die, nach Ansicht von Euroweb, Methode zu haben scheint:

Offensichtlich hat die Denic eG in der Vergangenheit schon mehrfach Recht und Gesetz ignoriert und scheint eine eigene Legislative etablieren zu wollen.

Ihr seht schon, die Geschichte ist geeignet, dem internationalen Popcorn-Handel ein unerwartetes Frühjahrshoch zu verschaffen.

Nachtrag, 24.01.: Was es mit dem Zitat in der Überschrift auf sich hat und warum der Aspekt für mich letztendlich in obigem Blogeintrag keine Rolle gespielt hat, erkläre ich unten in den Kommentaren.

*Disclosure: RA Dominik Boecker und RA Thomas Stadler arbeiten gemeinsam an der geplanten Verfassungsbeschwerde des AK Zensur gegen das Zugangserschwerungsgesetz. Ich bin im AK Zensur aktiv. Wir reden miteinander.

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69 Kommentare
  1. Ganz klar, dass das Internet der einzige rechtsfreie Raum in unserem Land ist.
    Der Gebrauchtwagenhändler, der den nagelneuen 5er mit Vollausstattung mit lediglich 100€ Wert bei Gericht angibt, steht damit ja auch mit beiden Beinen auf dem Boden des Gesetzes!
    Sich nach so einer Aktion noch als Law&Order-Vorbild hinzustellen ist an Merkbefreitheit kaum zu überbieten.
    Ermittelt im rein hypothetischen Fall des Prozessbetrugs eigentlich schon die Staatsanwaltschaft gegen die Helden des Wilden Westens?

  2. q lars
    aber klar doch, da hat ein „Blogger“ Euroweb angezeigt :-)

    [Sorry, aber der Link bleibt draussen, bis die Sache mit den Persönlichkeitsrechten der Beteiligten geklärt ist. Wer solche Spielchen treiben will, soll das bitte unter seinem Namen tun und nicht auf unserem Rücken. Die Anzeige stammt übrigens nicht von René Walter oder seinem Anwalt. ]

  3. Es sind wohl eher Firmen wie Euroweb, die den ehrbaren Domaininhaber veranlassen könnten, die Domain bei einem Treuhänder auf einer Karibikinsel registrieren zu lassen.

  4. @Ein Mensch: Was freilich auch keine Lösung sein kann, findest du nicht? Letztendlich braucht eine Gesellschaft Spielregeln, die die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt – und keine krummen Hacks, um gefühlte oder reale Ungerechtigkeiten auszugleichen.

    Oder, um Vera zu zitieren:

    Ja, ich finde nicht, daß jeder alles sagen kann. Es gibt eine ganze Reihe nützlicher Konventionen (natürlich gibt es auch sehr viele idiotische), die das menschliche Miteinander in grossen Teilen knautschfreier machen, und für mein Teil möchte ich nicht darauf verzichten.

  5. Auf der hier zitierten Blog Seite von Euroweb liest sich beim Kommentar 16 ein ausführlicher Auszug eine Strafanziege wegen Betrug gegen Euroweb. Es geht um die 100 €. Weiss jemand ob da was dran ist oder hat hier ein Jura Student lange weile?

  6. Hurra! Jetzt hat die Blogosphäre endlich einen neuen Helden. Ich freue mich schon jetzt auf die kommende re:publica, wo René Walter hoffentlich über die Wirren der letzten Tage/Monate nochmals ausführlich berichten wird. Ich hoffe, kritische Fragen zu seinem eigenen Verhalten sind dann erlaubt.

  7. @Becko: Ob die Anzeige tatsächlich existiert, kann ich dir nicht sagen. Sie stammt allerdings nicht von René Walter oder seinem Anwalt (Siehe meine Anmerkung zur Löschung des Links in Kommentar #5). Wir haben es also mit einem Trittbrettfahrer zu tun, der in eigener Mission unterwegs ist. Welche auch immer das ist.

    Grundsätzlich kann natürlich jeder Anzeigen aufgeben, per Internet im Zweifel auch pseudonym (Ob das die Chancen auf eine schnelle Bearbeitung erhöht, ist eine andere Sache):
    https://service.polizei.nrw.de/egovernment/service/anzeige.html

    Für mich wirkt die „Anzeige“ allerdings eher wie ein viral angelegter Teil einer Rufmord-Kampagne (fachlich/inhaltlich ist sie eher unterirdisch). Das wird auch klar, wenn man sich das Blog und den Kontext anschaut, aus dem sie stammt.

    Und spätestens da muss man sich fragen, ob die Nummer letztendlich nicht kontraproduktiv ist und das theatralisch in Stellung gebrachte Mem der „rechtsfreien Zone“ befeuert. Ganz gleich, was man von Euroweb halten mag.

    Wie auch immer, ich habe mich entschlossen, Hinweise auf die „Anzeige“ und analog grenzwertige Kampagnen wg. rechtlicher Bedenken bis auf Weiteres zu löschen. Wir werden da aber sicher noch intern drüber reden.

  8. @Ein Mensch/14: Natürlich. Habe es der Verständlichkeit halber korrigiert.

    @Mithos: Olle Kamellen (gibt es da eigentlich keine Grenzwerte?Hast du mal bei Frau Glöckner gefragt?) wirst du nur im Karneval los, da ist zwar gerade wieder Saison, grundsätzlich scheint mir das aber eine schlechte Geschäftsidee.

  9. Soviel schlechtes Verliertum auf einen Haufen in Kombination mit einem leicht patzigen Tonfall ist schon erstaunlich. Ich frag mich immer noch, ob es a) eine PR Abteilung bei Euroweb gibt und b) was die sich eigentlich über das ganze hin und her denkt. Denn egal, wie man nun im Allgemeinen über das Gebahren dieser Firma denkt – förderlich ist das alles nicht.

    1. @Damokles: Ich vermute mal, dass dies eine Troll-Strategie ist, um möglichst viele Verlinkungen auf ihre Angebote anzuziehen, die dann wiederum die vielfältigen Euroweb-Angebote bei den Suchmaschinen nach oben linken und Kritik damit ausgeblendet wird. Daher verlinken wir hier Euroweb immer mit „rel=nofollow“.

  10. Die PR von Euroweb scheint (nicht nur derzeit) tatsächlich vollkommen SEO gesteuert zu sein. Habe schonmal in nem anderen Kommentar gemutmaßt, dass sie bei der ganzen Nerdcore-Geschichte vielleicht sogar die Hoffnung hatten, dass die Reaktionen darauf bei Google vor allem negative Einträge à la „Euroweb lässt Blog abschalten“ nach oben spülen, wodurch negative Einträge à la „Escher berichtet merkwürdiges über Euroweb“ nicht mehr auf der ersten Seite auftauchen. Der Ruf ein Blogabmahner zu sein ist zwar auch negativ, aber weitaus weniger als der Ruf ein „Abzocker“ zu sein, zumindest im Bezug auf das Hauptklientel von Euroweb.
    Vielleicht haben die von Euroweb tatsächlich nicht bedacht, dass im Zuge der negativen Berichterstattung auch die Beiträge über ihr „Geschäftsverhalten“ wieder oben landen könnten.
    Daher finde ich es umso schöner zu sehen, dass ein 2 Jahre alter Basic-Artikel (http://www.basicthinking.de/blog/2008/07/16/euroweb-prozessgegner-gesucht/), der nichts mit Nerdcore zu tun hat, wieder ganz nach oben gerutscht ist. Könnte also eine (obskure) Fehlkalkulation Eurowebs gewesen sein.

    Bedenklich finde ich es allerdings auch, dass der letzte Artikel aus dem Euroweb-Blog zur „rechtsfreien Zone Internet“ bei Google jetzt schon wieder ganz oben steht. SEO-technisch scheinen die Jungs fit zu sein (auch wenn die Kunden anscheinend davon eher weniger profitieren)

  11. @markus

    das request policy addon für firefox zeigt mir an, dass deren blog in einem div auf diverse blogverzeichnis ribbons bzw. counter verlinkt, die aber bei mir im iceweasel nicht zu sehen sind.

    Würde möglicherweise auch für das sprechen, was du oben vermutest.

  12. Ein solcher Schwenk in der Kommunikation (zuvor war diese ja selbstbewusst, souverän, evtl. auch bewusst arrogant) in ein beleidigtes, trotziges Rechtfertigungsquengeln ist m.E. ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Strategie nicht aufgegangen ist und man auch keinen Plan B hat.
    Das Schreiben ist somit ein typisches Beispiel für einen „lauten Rückzug“. Das letzte mal, wo man das so eindeutig studieren konnte war wohl im Fall Zwanziger/Weinreich, als der DFB ähnlich beleidigt agierte.

  13. *g* da ist jemand offenbar derbe angepisst, richtig so.

    das einzige was bleibt ist ein riesiger image-schaden, den wird google nicht so schnell vergessen…

  14. Kann es sein, dass die „Pfänung zur Deckung der Forderungen“ mit „Pfändung zur Abstellung des Rechtsverstoßes“ verwechselt haben? Kommt mir irgendwie so vor..

  15. Wie gesagt an anderer Stelle, unsere Händel mit EW liegen ein paar Jahre zurück. Meiner unbedeutenden Meinung nach
    – glaube ich nicht, dass es sich um ne PR/SEO-Strategie handelt. Auch wenns kaum „schlechte Links“ gibt, so schlitzohrig sind sie nicht, funktionieren tut das auch nur bedingt. Stattdessen denk ich, dass es eben nach wie vor
    – am Verständnis für das Funktionieren Von Netzkommunikation handelt. Preuss und seinen Anwalt traf ich einmal bei einer der Gerichtsverhandlungen, und auf mich machten sie einfach den Eindruck, dass sie tatsächlich glaubten, sich völlig auf dem Boden des Gesetzes zu bewegen (was sie wohl auch zumindest allen Buchstaben nach tun) und damit glauben, dass (das denke ich, ist der Knackpunkt in der Denke) auch alles in Ordnung und der Allgemeinheit positiv vermittelbar ist.

  16. Bitte Titel korrigieren: ein rechtsfreier Raum ist ein rechtsfreier Raum ist ein rechtsfreier Raum ;) Nicht einfach in „rechtsfreie Zone“ abwandeln, das muessen die armen MdBs doch sonst erst wieder im Brockhaus nachschlagen ;-)

  17. Ich schmunzelte ob Eurowebs Deutschkenntnisse:

    Wer glaubt, sich im World Wide Web wie ein Outlaw benehmen zu können, irrt. Das Internet ist nicht der Wilde Westen.

    und

    Die Euroweb Internet GmbH hatte sich in einer bundesweit beispiellosen Aktion gegen den scheinbar rechtsfreien Raum Internet gewehrt und die Domain nerdcore.de rechtskräftig gepfändet.

    Liebe Euroweb,

    also entweder Sie erachten das Internet als »rechtsfreien Raum« oder aber Sie bejahen die Tatsache, daß deutsches Recht auch im Internet gilt.

    Wenn Sie schreiben, sie hätten „die Domain nerdcore.de rechtskräftig gepfändet“, bestätigen Sie, was auch schon unser Innenminister Thomas de Maizière eingestehen musste, nämlich, daß das Internet kein »rechtsfreier Raum« ist.

    Das Wörtchen »scheinbar« verwenden Sie im Sinne von »anscheinend« bzw. »augenscheinlich« während es in Wahrheit das genaue Gegenteil von dem bedeutet, was Sie auszudrücken gedenken.

    Das Wiktionary lehrt sowohl die wahre Bedeutung, als auch die korrekte Anwendung des Wortes »scheinbar«.

    Deshalb, liebe Euroweb: Lerne zwei Deutsch.
    Wer glaubt, sich im deutschen Sprachraum wie ein Outlaw benehmen zu können, irrt. Unsere Sprache ist nicht der Wilde Westen. Handel mit es!

  18. @Korrupt:

    auf mich machten sie einfach den Eindruck, dass sie tatsächlich glaubten, sich völlig auf dem Boden des Gesetzes zu bewegen […] auch alles in Ordnung und der Allgemeinheit positiv vermittelbar ist.

    Den Eindruck hatte ich während meines Telefonates mit dem GF auch. Die öffentliche Kommunikation vermittelt da tatsächlich ein gänzlich anderes Bild.

  19. die anzeige, welche im internet rumgeister scheint von hier zu stammen.

    [Sorry, aber der Link bleibt draussen. Wer solche Spielchen treiben will, soll das bitte unter seinem Namen tun und nicht auf unserem Rücken. Die Anzeige stammt übrigens nicht von René Walter oder seinem Anwalt. ]

  20. Ist es nicht traurig wie zugunsten von Popcorn das Wochenende zu opfern plausibel erscheint und bei VDS nicht? naja…

    Ich finde das Thema ist erschöpf, weder handelt es sich um ein rechtsfreien raum. Sonst gäbe es ja auch keine Pfändung.
    Noch handelt es sich um eine gelungene Zensur. Denn es ist ja nicht dadurch zu Pfändung gekommen, sondern durch – warum auch immer – nicht einhalten rechtlicher schritte, die es hätten und zwar mit großer Wahrscheinlichkeit verhindern können.

    Ein Rechtsstaat geht nun mal von mündigen Bürgern aus. Wie gesagt, das läuft jetzt seinen Gang und gut ist. Kommen wir zu wichtigen Themen.

  21. @User:

    Ist es nicht traurig wie zugunsten von Popcorn das Wochenende zu opfern plausibel erscheint

    Da gibt es ein Missverständnis. Ich habe leider keine Popcorn-Aktien. Ausserdem habe ich nie konsumiert. Ausser als Kind mal. Aber nicht auf Lunge!

    und bei VDS nicht? naja…

    Das habe ich dir (oder einem anderen „User“) ja bereits drüben bei Alvar beantwortet:

    JoSchaefers | 22.01.11 8:08

    @User/16:39: psst, das war ein Trick, um die Debatte zu kanalisieren!

    Einmal, weil ich es für deutlich sinnvoller halte, hier _mit Alvar_ zu diskutieren, als bei uns _über ihn_ oder meine Leseempfehlung.

    Zum anderen, weil ich so auch mal ein freies Wochenende habe.

    Win-Win sozusagen. Auch wenn der zweite Gedanke wohl etwas naiv war. Ich bitte die Unannehlichkeiten gleichwohl zu entschuldigen.

    Rückblickend war das eine richtig gute Entscheidung – von meinem trotzdem versauten Wochenende und dem Netzpolitik.org entgangenen Premiumklicks/Traffic (beides Dinge, die mir sonst wirklich unglaublich wichtig sind ,) mal abgesehen. Die Debatte drüben hat sich doch recht gut entwickelt.

    Hier hätte Alvar allenfalls zusätzlich mitdiskutieren können. Das macht keinen Sinn und bindet unnötig Zeit.

  22. Wie viel Abmahnungen, Unterlassungserklärungen, einstweilige Verfügungen, Geldstrafen haben Bloggerinnen und Blogger bisher erhalten?

    Unzählige!

    Die Behauptung Rechtsfrei ist Sinnfrei.

  23. Popcorn? Ich steh ja eher auf Erdnussflips. Noch am letzten Freitag habe ich meinem besseren Drittel gesagt, Schatz, habe ich gesagt, bring doch noch drei Tüten Erdnussflips mit. Sie hats vergessen und nun sitze ich hier, ohne Erdnussflips.

  24. was mich immer wieder zum kichern bringt, was tante google so vorschlägt:

    Verwandte Suchanfragen zu euroweb:

    euroweb betrug
    euroweb abzocke
    euroweb urteil
    euroweb kritik
    euroweb erfahrungen

    Wenn die ganze nerdcore-Pfändung eine SEO-Aktion sein soll, dann ist sie bis jetzt nicht sonderlich erfolgreich. :P

  25. Schon witzig, hier einen Vergleich mit dem Wilden Westen zu führen.
    Was war wohl mehr eine Wild-West-Aktion:
    Dem Rechtspfleger am Gericht weis zu machen, dass nerdcore.de nur 100€ wert ist und sich diese dann für 100€ übertragen zu lassen (das stimmt so um 2 Grössenordnungen nicht, auch wenn man sich um die genaue Summe streiten kann)
    oder
    die Aktion der Denic, hier den PfÜB wegen formalen Details für nicht wirksam zu halten.

  26. Stört eigentlich niemanden mehr, worum es eigentlich ging? Um einen Artikel von 2006, in dem René Euroweb „minderwertiges Webdesign“ vorwirft – ganz hübsch begründet übrigens. Allein, daß da nicht mal ein Richter erstaunt hochschaut und fragt, was man nun deswegen vor Gericht wolle, stößt mir schon übel auf.

    Und daß dann irgendwelche Blogger was von Konventionen und Spielregeln faseln, ohne anscheinend den Streitgegenstand zu kennen, aber damit nun super vernünftig und ausgleichend wirken, ist doch wirklich zum Kotzen.

    Denn das ist es, worum es hier geht: Euroweb greift zu allen Mitteln, um Kritik zu unterdrücken.

  27. Lieber JOS, Danke für die prompte Richtigstellung des Zitats!
    Der Titel „rechtsfreie Zone“ ist übrigens nicht zufällig gewählt. Als solche bezeichnet sich eine Website, sehr ausführlich über Euroweb schreibt. Teilweise finden sich dort allerdings auch einige eher krude Artikel.
    Ob das ein Wink mit dem Zaunpfahl „we’re watching you“, oder ein SEO-fnord sein soll, weiß ich nicht.
    Wir sollten auf jeden Fall in zukünftigen Euroweb-Artikeln die rel=“nofollow“ Funktion nicht nur wie gewohnt nutzen, sondern auch anpreisen.

  28. Wow. Ich bin weder regelmäßiger Nerdcore-Leser, noch habe ich jemals von Euroweb gehört. Jetzt hab ich den Firmennamen mal bei Google gesucht, und was dort so gefunden wird schockiert mich wirklich. Da kann ich die ganze Aufregung direkt besser verstehen. Ich würde da ja ganz schnell den Namen wechseln ;-)

  29. @Sannie:
    Der ursprüngliche Vorwurf wurde gerichtlich noch gar nicht richtig evaluiert, da wegen Nichterscheinens vor Gericht ein Versäumnisurteil kassiert wurde.

    Abwarten, wie es da in der Hauptsache dann aussieht.

  30. @ JOS/55: YOU MADE MY DAY :D *träne aus den augen wisch*

    Ich glaube dass Euroweb einfach mal laut bellt weil sie in den Schwanz gebissen worden sind.(vermutlich beim Jagen nach dem eigenen Schwanz / YouTube verlinkungen sind an dieser Stelle überflüssig)

    Wer nicht zu seinen Fehlern steht muss halt den steinigen Weg mit vorhersagbarem Ende gehn.
    Ich bin gespannt wie das ausartet…
    Sollte es wirklich nur wegen des Artikels aus 2006 sein, so bereite ich meine Lachmuskeln schonmal auf den bevorstehenden Muskelkater vor. Hat jemand noch etwas Voltaren übrig?

  31. @JOS/55 – Classic! :D

    Ich habe mir einige Artikel zum Thema „Euroweb“ durchgelesen, auch eigene Stellungenahmen des Unternehmens zum Thema „Domainpfändung/Nerdcore“.
    Ich ziehe insgesamt den Schluss, das der „Shitstorm der Blogosphäre“ sowie Berichte wie hier auf netzpolitik.org gewollt sind.
    Ich vermute dahinter eine Art Kamikaze-Linkbuilding.

  32. @RechtsfreierRaum:

    Bitte Titel korrigieren: ein rechtsfreier Raum ist ein rechtsfreier Raum ist ein rechtsfreier Raum ;) Nicht einfach in “rechtsfreie Zone” abwandeln

    Die Überschrift ist ein gekennzeichnetes Zitat. Und zwar von Euroweb, die sich da durchaus was bei gedacht haben.

    Kurzfassung: Es geht (Euroweb) um Webseiten, die sich – größtenteils und aus nachvollziehbaren Gründen anonym – an den Geschäftspraktiken von Euroweb abarbeiten. Ich finde übrigens nicht, dass das ein Niveau ist, auf dem eine Auseinandersetzung geführt werden sollte (egal, was man von Euroweb halten mag).* Und ja, ich kann sogar nachvollziehen, wenn Euroweb gegen entsprechende Seiten vorgeht.

    Ich habe daher darauf verzichtet, den Witz nachzuerzählen bzw. überhaupt auf die Anspielung einzugehen. Einmal, weil es sich da um einen Nebenkriegsschauplatz handelt (Da muss ich sogar mal Robert Basic recht geben: Das ist PR, bzw. der Versuch einer Polarisierung).

    Zum anderen, weil es da auf beiden Seite recht schmutzig wird. Sorry, falls dadurch ein Teilaspekt des Spins unbeleuchtet bleibt. Aber, wie schon in der Einleitung geschrieben, ich will mich da nicht instrumentalisieren lassen.

    Eine Ausweitung der Kampfzone mag aus Sicht von Euroweb Sinn machen. Ich finde sie, auch im Kontext dieses Blogs, nicht hilfreich oder zielführend. Netzpolitik.org is not your personal army, um es mal mit /b/ zu sagen.

    Mit René oder gar Linus hat das alles ohnehin nichts, aber auch wirklich nichts zu tun. Renés Kritik mag in der Form drüber gewesen sein (das entscheidet sich letztendlich im Hauptsacheverfahren), aber immerhin hat er sie mit offenem Visier ins Netz gestellt.

    *Daher UND weil das Thema auch juristisch ein Minenfeld ist, haben wir entsprechende Links in den Kommentaren gelöscht. Warum sollten wir unseren Kopf für fremde Inhalte hinhalten, wenn nicht einmal der Urheber einer Webseite dazu bereit ist?

  33. Und ja, die Löschung der Links, bzw. die Nichtverlinkung ist eine grundsätzliche Entscheidung. Ich will einen Spin, der inhaltlich und juristisch grenzwertig ist, zumindest nicht aktiv befeuern. Und nein, ich finde auch nicht, dass „gegen Euroweb“ jedes Mittel recht ist. Das ist es nie.

    Ganz im Gegenteil, ich bin der festen Überzeugung, dass (anonyme) Scharfmacher einer kritischen Gesellschaft (und letztendlich auch dem Recht auf Anonymität) einen Bärendienst erweisen. Das Ausbremsen derer, die nach Eskalation lechzen, ist daher eine durchaus willkommene Nebenwirkung.

    Das hat auch nichts mit Zensur (oder gar „Whitewashing“) zu tun.

    Wer die Debatte halbwegs aufmerksam verfolgt, weiß auch, worum es geht. Neben meiner Erklärung finden sich hier im Thread mindestens noch zwei weitere Hinweise. Den Kommentar #46 von Linus habe ich ja noch einmal verlinkt. Weiter oben wird zudem ein „Anzeigentext“ angesprochen, der im Euroweb-Blog in den Kommentaren gepostet wurde.

  34. @48: „Ich würde da ja ganz schnell den Namen wechseln ;-)“

    Hatten sie ja vor. Für nur 100 €.

    Für mich ist jemand, der Gravenreuth-Methoden benutzt, um sich die Kontrolle über fremde Daten anzueignen, allein deshalb indiskutabel und der inkriminierte A-Begriff folglich keine Beleidigung mehr, sondern eine spontane Meinungsäußerung.

    In diesem Fall handelt es sich aber auch noch um ein Unternehmen, das ein Analogon zur Abofalle aufgezogen hat – „kostenlose“ Websiteerstellung mit versteckten hohen Monatskosten.

    Klar, daß das Unternehmen sich da keine Kritik bieten lassen kann – das versaut ja das (fragwürdige) Geschäft!

    Erstaunlich ist nur, daß immer die vom bösen „rechtsfreien Raum Internet“ reden, die selbst nicht sauber sind.

    1. „Erstaunlich ist nur, daß immer die vom bösen “rechtsfreien Raum Internet” reden, die selbst nicht sauber sind.“
      Sehr richtig. Aufschlussreich könnte eine Google-Suche nach
      „Euroweb muss von der betrügerischer Referenzkundenmasche lassen“
      oder
      „OLG Düsseldorf: Ich darf die Euroweb Betrüger nennen!“
      sein.

    2. „Hatten sie ja vor. Für nur 100 €.“
      Richtig ist, dass der Eurowebanwalt Philipp (Karl) Berger eine seiner Firmen in „Nerdcore Sky Systems UG“ umbenannte, danach versuchshalber in „Fastix Sky Systems GmbH“. Nachdem auch das scheiterte (weil er auch diese Domain nicht bekam) nannte er sie „PK Berger Deutschland GmbH“. (Alle AG Düsseldorf, HRB 67759)
      Aus dem Sachverhalt ergibt sich jedenfalls für mich, dass die Euroweb nie vor hatte, die Domain zu versteigern und den Erlös zu spenden. Das war offenbar nur Propaganda.
      Was aus der Sache geworden ist kann man im Web nachlesen. Es ist ein Fehler sich mit Bloggern anzulegen nur weil ein oder zwei so genannte Rechtsanwälte meinen, außer denen (gemeint die Rechtsanwälte) seien alle ein wenig doof.
      Inzwischen dürften die das Gefühl haben, in etwas wie eine Gerölllawine hineingelaufen zu sein und ständig von Brocken erwischt zu werden, welche die Größe eines Omnibusses haben.

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