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Neu im Duden: kaudern

Der Tweet des Tages kommt von @jensscholz als Reaktion auf die bizarre Stellungnahme von Siegfried Kauder zu seinen Urheberrechtsverletzungen, wo dieser darauf hinweist, dass er jetzt die Urheberrechte an zwei Bildern erworben hätte (Was im deutschen Urheberrecht nicht geht, da man nur Nutzungsrechte vom Urheber übertragen bekommen kann).


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kaudern, (v., trans.): „Das Urheberrecht anderer per einfacher Stellungnahme auf sich übertragen“ #duden #kauderstrike

Siegfried Kauder zeigte damit anschaulich, was das Problem ist: Unser Urheberrecht ist so kompliziert, dass selbst die für die Gesetzgebung zuständigen Juristen damit nicht klar kommen. Es wäre an der Zeit, dass auch im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages die Erkenntnis ankommt: Wer im Internet kommuniziert stolpert ständig wissentlich oder unwissentlich über Urheberrechtsfallen. Wir brauchen eine Reform und eine Vereinfachung des Urheberrechts und nicht mehr Repression und Verschärfung.

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38 Kommentare
    1. oh da haben wir ja die nächste Urheberrechtsverletzung 8)

      den Satz habe ich so ähnlich noch von Pispers oder Priol im Ohr

      aber ist ja für ne gute Sache „Kauderbashing „

  1. Volker Kauder gibt auf seiner Homepage an, von 1971 bis 1975 in Freiburg im Breisgau Jura studiert zu haben.
    Auch wenn er nirgends angibt, das Studium abgeschlossen zu haben, was in nur 4 Jahren Studium eher wahrscheinlich ist, dürfte er soviel juristische Wissen erworben haben, um den Unterschied zwischen Urheberrecht und Nutzungsrecht zu kennen. Im Rechtsausschuß kann er seine Qualifikation ja hinreichend einbringen…

    Und der Hinweis Kauders, man dürfe die Bilder auch nicht im Rahmen einer Berichterstattung zeigen ignoriert mal ganz geflissentlich das Zitatrecht.
    Ich glaube ich muß mir um die Güte der juristischen Ausbildung in Freiburg Sorgen machen!

    Hinweis für Herr Kauder: Dieser Beitrag enthält satirische Elemente, ist Kunst und urheberrechtlich geschützt.

    Ich trete die Rechte, meinen Kommentar auf netzpolitik.org im Rahmen dieses Artikels zu veröffentlichen, zeitlich unbegrenzt an die Macher von netzpolitik.org ab.

    1. Donner scheint mir lange und oft genug auf netzpolitik.org zu sein, um eine ausgewiesene Lesekompetenz zu haben. Auch wenn das nirgends explizit steht, dürfte es aber ausreichen, um Volker und Siegfried Kauder auseinanderhalten zu können (auch wenn das, was die Stimmbänder vorwärts verlässt, bei beiden meist in identischem Maße von jedweder Logik befreit ist)… ;-)

    2. Siegfried!! Der Volker ist sein Bruder. ;)

      und Siegfried’s Seite sagt mir:

      „Studium
      Rechtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg; 8 Semester von 1971 – 1975 Abschluß mit dem ersten juristischen Staatsexamen (mit Prädikat)

      Beruflicher Werdegang
      Referendariat am Landgericht Freiburg von 1976 – 1978, Abschluss mit dem zweiten juristischen Staatsexamen (mit Prädikat). Seit Oktober 1978 Rechtsanwalt in Villingen-Schwenningen“

      Macht das aber eher schlimmer als besser.

    3. Also ich kann nicht beurteilen, woher der Keksperte Kauder sein Halb- bzw. Nichtwissen hat, aber mal zur Ehrenrettung von uns Juristen: Bis zum ersten Staatsexamen musste man mindestens sieben Semester studieren, Regelstudienzeit waren neun Semester. Kauder könnte zumindest das erste StEx damit in vier Jahren erschlagen haben. Dass er dann aber keine Zeit hatte, sich mit den (seinerzeit garantiert…) Nebengebieten wie Urheberrecht zu befassen, kann man ihm kaum vorwerfen (mache ich auch nicht).

      Aber: Vorwerfen kann und muss man ihm und allen anderen sich einschlägig äußernden Politikern, dass sie sich entweder nie ihren jeweiligen Aufgabengebieten entsprechend weitergebildet haben oder sich jedenfalls nicht von den ihnen zuarbeitenden Fachleuten beraten lassen. Letzteres gilt wohl vor allem auch für die Kanzlerin und ihr Kabinett, welche die Meinungen ihrer Fachbeamten in den jeweiligen Ministerien wohl gerne mal außer Acht lassen. Wer sich von denen dann aber noch fragt, warum immer mehr (potentielle) Wählerinnen und Wähler schlicht das Interesse an diesem „Politzirkus“ verlieren – nun ja…

      Ansonsten: „Kaudern“ (als Wortschöpfung) finde ich gut :)!

  2. Zu schade, dass diese – hier schön allgemein verständlich beschriebene – Konsequenz bei den für die Gesetzgebung zuständigen Parlamentariern nicht ankommt. Es gibt für gesunden Menschenverstand eben keine Lobbyisten und es winken keine Auifsichtsratspöstchen.

    Nur der Wähler kann da einwirken – durch die Wahl eines Politikers der auch Verstand statt nur Bildung und Überheblichkeit hat. Wer keinen zur Wahl hat, der da besser ist als man selbst, der muss sich eben selbst zur Wahl stellen.

    1. Das ist die allgemeine Bedeutung. Hier ist die juristische gemeint, es sollte also >kaudern, (v., trans.)(Rechtspr.): “Das Urheberrecht anderer per einfacher Stellungnahme auf sich übertragen”< heissen…

  3. Na ja, man darf nicht vergessen, dass MdB’s Immunität haben. So wie es bei dem einen irren merkbefreiten SPD’er (Edathy) gewesen ist (Urheberrechtsverletzungen und Beleidigungen), wird es wohl kaum zu einer Aufhebung kommen.

  4. Die Stellungnahme Kauders wird ein großer Trost für all diejenigen sein, die wegen Bildern von Tomaten und Gurken auf alles verklagt wurden was sie haben/hatten.

    1. Kann mal jemand den Kauder dazu bringen, eben diese Bilder auf seine Seite zu stellen? Vielleicht bei seinem Lieblingsessen oder so? Das gäb‘ doch mal ein Mordsgaudi :D

  5. Das Urheberrecht in Deutschland ist in der Tat sehr verzwickt, das sieht man regelmäßig auch bei großen Videoportalen. Fotos waren bisher ja noch nicht im Fokus, ein Umschwenk in diese Richtung ist für mich als begeisterter Hobby-Fotograf aber eine gute Sache. Dass dadurch Nachteile für einzelne Benutzer entstehen, nehme ich dabei gerne in Kauf.

    1. „Dass dadurch Nachteile für einzelne Benutzer entstehen, nehme ich dabei gerne in Kauf.“

      Wie bitte? Hoffentlich haben sie nur die Ironie-Tags vergessen. Wenn sie allerdings dem Beispiel von Marion+Volker K. folgen wollen, wünsche ich Ihnen viel Spass.

  6. Wenn hier Reform und Vereinfachung gefordert wird, so sollte das nicht so lapidar stehenbleiben. Sonst kommt womöglich am Ende sowas wie angelsächsisches Copyright dabei raus. Es wäre ja mal erfreulich, wenn ein ausgearbeiteter Vorschlag für ein besseres Recht hier zur Diskussion gestellt würde. Politiker arbeiten doch eh nicht mehr als sie müssen, also muss man ihnen was Konkretes an die Hand geben, dass sie dann verabschieden können, anstatt diese Arbeit unliebsameren Lobbyisten zu überlassen.

  7. Ich wette, falls sein Two-Strikes-Modell durchkommt (von wem und wann auch immer), wird es eine riesige Crowdsourcing-Aktion geben, in der die Homepages von allen zustimmenden Politikern auf Urheberrechtsverletzungen abgegrast werden. Das juristische Donnerwetter würde ohrenbetäubend werden. :-)
    Dass in Deutschland Crowdsourcing funktioniert, wissen wir schließlich seit den Plagiatsaffären…

  8. Wenn er sich inzwischen die Nutzungsrechte gesichert hat, warum stellt er die Fotos dann nicht wieder online? Immerhin hat er dafür bezahlt. Wenn Politiker so mit ihrem eigenen Geld umgehen, was mache sie dann erst mit Steuergeldern?! ^^

  9. Nicht einmal das mit den nachträglich erworbenen Nutzungsrechten ist korrekt, vgl:

    http://piratig.de/2011/09/30/kaudergate-2ndstrike-sehr-geehrter-herr-kauder/ (Update beachten!)
    http://www.panoramio.com/photo/2012137 (Kommentare) und
    http://www.welt.de/article13635871 (drittletzter Absatz).

    Sehr hübsch auch, Zitat aus dem Südkurier:

    “ Warum die Fotos dennoch [i.e.: trotz angeblichem Kauf der Nutzungsrechte] nicht mehr auf Kauders Internetpräsenz verwendet werden, erklärt er auf Nachfrage dieser Zeitung so: „Der Rechteinhaber wurde bombardiert mit Anfragen. Ich habe die Rechte gekauft, um ihn aus der Schusslinie zu nehmen.“ Vgl. http://www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-heuberg/schwarzwald-baar-kreis/Ein-Abgeordneter-schmueckt-sich-mit-fremden-Bildern;art372502,5140519

    Tja. Fremdschämen anyone?

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