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Kanzleramt stört sich an Nicknames im Netz (Update)

Michael Wettengel, Mitglied der IT-Steuerungsgruppe des Bundes und Zentralabteilungsleiter im Bundeskanzleramt, forderte heute in Berlin u.a. eine „Ethik für Netz“. Was er sich u.a. darunter vorstellt, zitiert Heise: Bundeskanzleramt fordert Ethik fürs Internet.


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Wettengel stört sich an den gängigen „Phantasienamen“ in Online-Foren. Normalerweise sei es ein Zeichen von Höflichkeit, dass sich der Bürger „zu sich selbst bekennt“. Er warf die Frage auf, was die „ständige Verwendung“ von Pseudonymen „für Rückwirkungen auf die reale Welt haben wird“.

Dazu stellen wir fest: Uns stört mehr, dass das Kanzleramt gegen Anonymität ist.

Update: Interessante Info am Rande: Besagter Herr Michael Wettengel kennt sich offensichtlich mit Ethik gut aus. Laut dem SPIEGEL war er in die CDU-Spendenaffäre verwickelt.

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65 Kommentare
  1. Mmh, war nicht immer davon die Rede, dass gerade Minderjährige (in Chatrooms z.B.) sich nicht mit ihrem Klarnamen anmelden sollen?

    Unsere Politiker sollten sich mal auf eine Linie einigen ;-)

  2. Wenn man sich die stramme Politikkarriere von Hernn W. anschaut http://bit.ly/gaTYu7 wundert es einen nicht das so manche Aussagen etwas Weltfremd erscheinen.

    „Normalerweise sei es ein Zeichen von Höflichkeit, dass sich der Bürger “zu sich selbst bekennt”

    Grundsätzlich hat er ja Recht und sollte damit gleich mal bei der Polizei (auch das sind Bürger in Uniform) anfangen!

  3. mensch, palisadesberlin, das war der perfekte übergang zum spruch.

    genau, glietsch… wo sind denn nun die namenschilder? waren die nicht schon für 2010 versprochen?

  4. hmja… höflich.
    danke.
    bitte.
    danke nein.
    schlechte idee, aber nett gemeint.
    ich fände alle menschen sollten aus höflichkeit namensschilder mit ihrer steuernummer tragen. alles andere grenzt an beleidigung. was das für auswirkungen auf die realität hat, diese realität heutzutage… das will ich gar nicht wissen.

  5. „Er warf die Frage auf, was die “ständige Verwendung” von Pseudonymen “für Rückwirkungen auf die reale Welt haben wird”.“

    Wenn man, wie alle Netzbürger, weiß, dass es im Netz schon immer Nicks gab, ist die eindeutige Antwort darauf offensichtlich ein schlichtes: Es hat gar keine Rückwirkungen auf das Leben abseits des Bildschirms.
    Dieser Troll hat nur vermutlich zum ersten Mal in seinem Leben irgendwo ein Forum gesehen und sich, statt es zu nutzen, lieber nur diverse Dinge rausgesucht die ihm nicht passen.

  6. Habe gerade erst meine Klausur in Datenschutzrecht geschrieben und kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie uns immer und immer wieder eingeprügelt wurde, dass das Anonymisieren und Pseudonymisieren von elementarer Wichtigkeit ist.

    Und jetzt kommt da jemand aus dem Kanzleramt und redet was „Höflichkeit“. Da kommt man sich doch nur noch verarscht vor…

  7. Wenn Kevin Mustermann (15) aus der Schulstraße 17a aus 65432 Musterstadt die Mandy Musterfrau(13) aus dem Birkenweg 6 aus 65431 Musterdorf beim kiffen fotografiert stellt er das natürlich erst bei Facebook rein, nachdem er sich eine Lizenz für den digitalen Radiergummi gekauft und damit das Bild verschlüsselt hat. Kann ja dann keiner mehr googlen wenn Mandy einen Ausbildungsplatz sucht.

    Also was soll das mit diesen kindischen Phantasienamen?

  8. Demnächst such ich einen Verkäufer im Supermarkt auf:

    „Guten Tag! Mein Name ist Robert Müller, wo liegt bei Ihnen die Butter?“

    „Guten Tag! Mein Name ist Hans Meier, der Pfandautomat nimmt meine Flasche nicht.“

    „Guten Tag! Ich bin Herbert Funz, meine dies ist meine Unterschrift. Ich habe bei der Postbank die Nummer 123456 und bezahle bar.

  9. Irgentwie ist er Weltfremd.
    Den in der realen Welt heissen sie Spitznamen und im Web eben Pseudonymen.

    Bei der größe vom Web muss man sich eben unterscheiden, können doch nicht alle Toni heißen oder doch?

  10. War der Trick mit diesem Internet nicht mal, dass der Nachteil „alle Informationen global sichtbar“ mit dem Pseudonym entschärft wurde?
    Aber Herr Wettengel hat damals selbst in de.rec.kochen.kleinekinder unter Realnamen gepostet, Ehrenwort!

  11. @Hans

    Du heißt nicht Hans, nennst dich aber so?!? Noch NIE in meinem ganzen Leben bin ich so furchtbar beleidigt worden!!!11!!!11!!11 Von niemandem!!!

  12. Einmal mehr muss ich mit einer gewissen Betrübnis feststellen, dass die Menschen, die mich regieren, offenbar überhaupt nicht mehr in der selben Welt leben, wie ich.

    Darf ich in Anlehnung an „Fringe“ für Herrn Wettengel das Pseudonym „Walternate“ vorschlagen?

  13. Ich fordere Namensschilder für V-Männern, Polizisten bei Demos und das der BND sich öffentlich zu seinen aktuellen Projekten äußert….jetzt bitte klatschen. Danke.

  14. soweit ich weis, bin überhaupt nicht verpflichtet meinen originalen namen anzugeben. einzig die polizei darf ihn im verdachtsfall erfragen. „Michael Wettengel“ ist aber auch ein merkwürdiges persona.

  15. Die Sache ist nämlich die, wir haben da diesen tollen ePerso, und der würde sich viel besser verkaufen, wenn jeder seinen richtigen Namen benutzen muss, und uns dann auffällt, dass da ja jeder irgendeinen Namen anderer Leute benutzen kann, weswegen wir dann lauter tolle epersolesegeräte gegen identitätsdiebstahl verkaufen können, weil den machen wir dann einfach verpflichtend.

    Und man muss auch an die Kinder denken.

  16. Das Leben ist Kunst, jeder ist ei Künstler, auch du bist Luther Blisset, Kanzleramtsjuristenmensch. Die letzten Tage waren schon recht groß. DeMä warnt in den Tagesthemen, in München warnt man auch, Bitkom findet verschlüsselte Kommunikation überflüssig und im Kanzleramt will auch mal wer in die Presse. Related: Die Ägypter freuen sich bestimmt auch auf Klarnamenpflicht.

    Thumbsup: GPG & Tor, Keepass und TrueCrypt retten möglicherweise ab und an Leben.

    Diesen Beitrag bitte ich trotz geringer Schöpfungshöhe als Kunst im Sinne der Aufklärung zu sehen.

  17. Gähn, Pseudonyme gab es schon vor der Erfindung des Internets. Zum Beispiel der nom de plume vieler – ich mutmaße mal auch von den Bildungsbürgern im Kanzleramt – geschätzter Autoren. Weckt mich aber definitiv, wenn die auf die dumme Idee das gesetzlich durchsetzen zu wollen.

  18. Na, da hat wohl einer seine Propagandafibel nicht zu Ende gelesen.

    Also, Wetti, du lässt jetzt erstmal schön ein, zwei Wochen Gras über die Sache wachsen — und dann probierst du’s nochmal richtig:

    „Pseudonyme ermöglichen nicht nur Betrügern, Fälschern und anderen Straftätern sich vor dem Gesetz zu verstecken. Sie gehören zunehmend auch zum Handwerkszeug international agierender Terroristen.

    Dem muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden!“

    Und erst dann schließen mit unserem allseits beliebten:
    „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.“

    1. @Name (pflicht):
      das Mantra vom rechtsfreien Raum hat er doch gar nicht ausgelassen – Zitat Heise:

      Dabei gehe es darum, „wie wir mit der Freiheit im Netz umgehen“. Dabei dürfe das Internet „kein rechtsfreier Raum sein“.

  19. Ich denke auch, dass man mit solchen Methoden so langsam die Zeichen darauf setzt, dass man eigentlich Realnamen-Pflicht im Internet gesetzlich verankern will. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ein Politiker sich offen daran stört. Das ist auf alle Fälle eine geläufige Haltung mindestens in der Union.
    Da träumen sicherlich sehr viele CDU-Leute von, dass Internetnutzung nur noch über die Features des Personalausweises möglich wird, so dass jeder immer alles unter seinem bürgerlichen Namen erledigen muss.
    Was soll auch sonst dabei herauskommen, wenn Leute die das Netz letztlich hassen, dort ihre Ideen umgesetzt sehen wollen.

  20. Na ja, mit dem sogenannten realen Leben scheint der Mann auch selten in Kontakt zu kommen.
    Wie oft ich schon Dialoge wie diesen gehört und geführt habe:
    „Hey, hab letztens mal wieder [Vorname][Nachname] getroffen; der hat ’ne neue Freundin.“
    „Wen?“
    „Ja den [Spitzname].“
    „Ach der. Echt?“

  21. was mich daran erinnert, dass auch im fidonet realnamen pflicht waren. damals hatten wir relativ wenig probleme damit, weil nicht alle welt in den beiträgen recherchieren konnte. das kommt heute schön als bumerang zurück, weil steinalte fidonet-beiträge von google archiviert wurden, was damals keiner vorhersehen konnte. willkommen, gläserner bürger.

  22. Das hat natürlich ganz schlimme Auswirkungen! Ich reagiere zum Beispiel auch im Real Life viel eher als ‚Frosch‘ als auf ‚Sabine‘.

    (Wie war das? Beim Vorstellungsgespräch: „Ich bin $nick, aber das wußten meine Eltern damals nicht und haben mich $vorname $nachname genannt …“ ;-))

    Äh … und wo ist jetzt das Problem, Herr W.?

  23. FT: Bundeskanzleramt plant Optimierung von Art. 5 GG

    Der Art. 5 des Grundgesetzes gewährte bisher die Meinugsäußerungsfreiheit. Dort heißt es: „Jeder hat das Recht, seine Meinung (…) frei zu äußern (…).“ Michael Wettengel, Zentralsteuerungsbeauftragter der Internetausdruckergruppe im Bundeskanzleramt, stellte heute einen Gesetzesentwurf der Bundesregierung vor, der in Kürze dem Bundestag und dem Bundesrat vorgelegt werden solle, solange „der Fokus der Berichterstattung auf Vorgängen im Orient liegt.“ Der Vorstoß sieht vor, den Art. 5 in der heutigen Form abzuschaffen. Konkret schlage man folgende Änderung des ersten Absatzes vor: „Nur Personen, die ihre Identität durch ein von der Bundesrepublik ausgestelltes Identitäts-Dokument zweifelsfrei belegen, haben das Recht, ihre Meinung (…) frei zu äußern (…).“ Wettengel begründete die Initiative damit, dass Deutschland durch diese Grundrechtsoptimierung international eine Vorreiterrolle spiele und im Kampf gegen den internationalen Terrorismus gestärkt würde. Außerdem dürfe das neue Medium Internet nicht länger ein rechtsfreier Raum sein. Pädophile Gewalttäter dürften nicht mehr im Schutz der Anonymität des Internets Kinderseelen zerfetzen. „Denkt doch an die Kinder!“ zitierte Wettengel seine Kollegin von der Leyen, die der Internetausdruckergruppe bei der Ausarbeitung des Gesetzesentwurfs maßgeblich beratend zur Seite stand. Er stellte in Aussicht, dass nach dieser Änderung auch über die 6-monatige Vorratsdatenspeicherung wieder verhandelt werden könne und eine Verkürzung der Speicherfrist nicht mehr ausgeschlossen sei, da man „ja die Personalien der Online-Täter über die Ausweis-App“ habe. „Wir suchen stets den konstruktiven Dialog mit der Netzgemeinde.“ betonte Wettengel.

  24. Mein Name ist Abdulla Achmed Jaris.

    Mubarak trete bitte zurück.

    Staatspolizei, verhafte mich bitte nicht und bitte keine Repressalien gegen mich und meine Familie… schließlich protestiere ich ja so, wie ein deutscher Politiker namens Michael Wettengel es für richtig hält.

  25. „Die jüngsteFinanzkrise habe aber gezeigt, dass Selbstregulierung ihren Preis habe.“
    AHA! Deshalb regulieren wir jetzt das Internet und lassen die Finanzmärkte machen. Klingt logisch.

  26. Meinungsfreiheit wird völlig überbewertet.

    Es kann ja nicht sein dass User im Internet sich kritisch über die Bundesregierung äußern ohne das es die Bundesregierung weiß wer das war

    (Achtung dieser Beitrag kann Spuren von Ironie entalten)

    1. Das geht hier genauso, wie bei allen Kolonialisierungen der Vergangenheit. Die Eroberer kommen in das neue Land, brennen erstmal alles ab, und behauptet dann, dass da eh nur Kulturlose und Barbaren gelebt hätten. Oft feiern die sich als die grossen Helden.

      Im Netz gibt es die Kultur schon seit mind. den 1980ern, aber die Eroberer aus dem Kanzleramt wissen davon nichts, halten alles für den Rechtsfreien Raum(TM) den es zu zähmen bzw. kolonialisieren gilt.

  27. Michael Wettengel und das Kanzleramt könnten doch damit anfangen, dass die Polizisten bei Demos anstatt Nummern einen Klarnamen auf der Ausrüstung tragen, und die Agent Provocateurs natürlich auch!

  28. Manchmal wünsche ich mir, daß auf so einer Veranstaltung jemand die Traute und die Eloquenz besitzt, solch einem Id…en genau das, was hier in den Kommentaren geschrieben wurde, vor dem versammelten Publikum lautstark vor den Kopf zu werfen.

    Klaus

  29. Laßt Euch doch nicht verwirren!
    Das Getrolle um die Klarnamen ist doch nur der Knochen, der uns zum Spielen hingeworfen wird!

    Die Ankündigung der Regierung gegenüber den IT-Branchenvertretern hat eigentlich im Kern folgende Aussage zum Inhalt:
    „Wir bauen demnächst eine nationale Filterbehörde, dafür gibt es gute Gründe und Ihr dürft uns dabei gerne helfen.“

  30. Ich fordere Ethik für alle Politiker. Der Anfang sollte dabei bei der Bundeskanzlerin und der CDU gemacht werden.

    Aber das werde ich wohl kaum, jemals auch in die Tat umgesetzt, erleben.

    Im Ernst: Schon alleine „Bundeskanzleramt“ und „Ethik“ in der Überschrift schließen sich grandios gegenseitig aus. (Und das ist nicht als Kritik an „heise“ zu verstehen.)

  31. Noch als Nachtrag auf die \heise\-Meldung. Dort heißt es: \Die jüngsteFinanzkrise habe aber gezeigt, dass Selbstregulierung ihren Preis habe.\

    Ach, und wie hat die jetzige Bundesregierung diese Erkenntnisse in Taten umgesetzt ? Ach ja, überhaupt nicht ! Den Preis dafür, inklusive eines baldigen Crashs des Finanzsymstes, nimmt die Bundesregierung dabei offenbar in Kauf, aber die bösen \Phantasienamen\ die müssen weg. Gut, dass die Bundesregierung mal wieder, Prioritäten zu setzen, weiß.

    1. @redwolf2222: Ernstgemeinte Frage: Wo fordert RFC1855 (denn ich glaube davon sprechen wir Realnamen? Ich habe da eher gefunden, dass man den Wunsch anderer nach Anonymität respektieren soll (Abschnitt 4.1.2, letzter Punkt)

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