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Dradio Interview: AVM verletzt die Lizenz des Linuxkernels

Morgen findet am Landgericht Berlin die Anhörung zu einem Rechtsstreit statt, der weitreichende Konsequenzen über die Zukunft der Entwicklung und des Vertriebs von Software haben könnte. In diesem Verfahren stehen sich gegenüber, der Vertreiber von DSL-Routern AVM Computersysteme Vertriebs GmbH (AVM) und die Cybits AG (Cybits), ein Hersteller von Filterungssoftware für Kinder. Beide Firmen benutzen den Linuxkernel, der unter der GNU General Public License Version 2 (GNU GPL) steht, die jedermann das Recht gibt, die Software zu verwenden, zu verstehen, zu verteilen und zu verbessern. Der Fall wurde von AVM mit dem Ziel vor Gericht gebracht, Cybits davon abzuhalten jeglicher Teile der Firmware zu ändern, die in den Routern von AVM Verwendung findet einschließlich des Linuxkernels. Die Free Software Foundation Europe (FSFE) und gpl-violations.org sehen AVMs Vorgehen als breiten Angriff auf die Prinzipien Freier Software und damit auf tausende von Menschen und Unternehmen, die Freie Software entwickeln, verbessern und verbreiten.

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Harald Welte, Gründer von gpl-violations.org, der das Urheberrecht an mehreren Teilen des Linuxkernels hält, dazu:

„Ich habe mich entschieden, meinen Beitrag zum Linuxkernel unter die GNU GPL zu stellen und andere von meiner Arbeit profitieren zu lassen. Es freut mich, wenn Firmen viel Geld mit Software verdienen, die von mir und tausenden anderen geschrieben wurde. Im Gegenzug erwarte ich aber von ihnen, dass sie, wenn sie meine Software weiterverteilen, anderen die selben Rechte geben, die ich ihnen eingeräumt habe.“

Till Jaeger, von JBB Rechtsanwälte, der Harald Welte in dem Fall vertritt:

„Ironischerweise verletzt AVM selbst die Lizenzbestimmungen, indem sie andere daran hindern, die von der GNU GPL gewährten Rechte wahrzunehmen. Sie haben daher kein Recht mehr, die Software zu verbreiten“

Ich wurde heute morgen von Dradio Wissen zu der GNU GPL Verletzung von AVM interviewt (Audio).

Ausführliche Informationen dazu findet ihr in der gemeinsamen Pressemitteilung von gpl-violations.org und der FSFE sowie der auf der Zusammenfassung des bisherigen Falls.

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7 Kommentare
  1. Es wird Zeit dass AVM da mal einen auf den Deckel bekommt. Deren Freigabepolitik bzgl. GPL Quellen schrammt seit Jahren immer wieder hart an den Grenzen davon vorbei was die GPL gerade noch so erlaubt.

    Da beginnt schon damit, dass seinerzeit Menschen aus dem Linuxumfeld herausgefunden haben, dass da überhaupt ein Linux drinsteckt. Immer schon wurde Quellcode widerwillig herausgegeben und Anfangs war AFAIR sogar ein proprietärer Treiber fest in den Kernel reincompiliert.

  2. Will Harald denn auf dem Erlöschen der Lizenz bestehen? Der Artikel ist da irgendwie unklar.

    Es war eine der Änderungen in GPL v3, daß der Verlust der Lizenz weniger drakonisch funktioniert; man bekommt sozusagen eine automatische Nachfrist. Aber der Kernel ist GPL v2. Das heißt AVM hat kein Recht mehr seine Produkte zu vertreiben und kann jederzeit von einem beliebigen Autor auf Unterlassung verklagt werden.

    Wieso spielen Unternehmen so leichtfertig mit ihrer Existenz?

    1. Nein, Harald und der FSFE geht es nicht darum, dass AVM die Geräte nicht mehr vertreiben darf. Wir wollen, dass Unternehmen Freie Software benutzen und verbreiten. Deshalb versuchen sowohl gpl-violations.org und die FSFE GPL-Verletzungen immer kooperativ zu lösen.

      Normally I wouldn’t care much if two companies are taking it to court. But this case is not about Cybits or AVM. This case is about the fundamental question of whether a device maker using Linux and other GPL licensed software has the right to use legal means to prevent third parties from exercising their fundamental rights granted under the GPL.(siehe Haralds Blog)

      Wäre der Linux-Kernel unfreie Software, dann hätte AVM schon längst seine Produkte vom Markt nehmen müssen oder aber im Gegenzug saftige Zahlungen leisten müssen.

    1. Vorweg: Nicht nur mit der Software von Cybits, auch mit der Firmware von AVM kann man schon Filterregeln einrichten.

      Es kommt immer darauf an, wofür man Software verwendet. Eine Firewall ist auch Filter-Software und ich bin froh, dass ich eine Firewall habe. Es ist ein Unterschied, ob Du selbstbestimmt Filterregeln einrichten kannst, oder ob Dich andere Leute mit Filterregeln zensieren.

      Ein anderes Beispiel: Ich habe den Portscanner nmap auf meinem Mobiltelefon installiert und finde es sehr hilfreich. Ich habe damit noch nie etwas illegales getan. Andere Leute sind aber der Ansicht, dass man solche „Hackertools“ verbieten sollte.

      Software ist ein Werkzeug, das kannst Du für gute aber leider auch für schlechte Sachen verwenden. Wichtig ist, dass wir dieses Werkzeug selbstbestimmt benutzen können. Deshalb ist es so wichtig, dass niemand uns die Freiheiten wegnimmt, die Software für jeden Zweck verwenden, verstehen, verbreiten und verbessern zu können.

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