Will Grossbritanien die Netzneutralität aufheben?

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet mit Verweis auf die Financial Times über Pläne in Grossbritanien, mal eben einen wichtigen Aspekt der Netzneutralitätsdebatte beiseite zu wischen und Providern zu erlauben, dass bestimmte Inhalteanbieter und ihre Inhalte priorisiert / bevorzugt (= z.B. gegen Geldzahlungen) durch Netze geleitet werden können: U.K. Government to Snub BBC, Google Over Web Access, FT Reports.


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U.K. Communications Minister Ed Vaizey will say today that Internet service providers should be free to favor traffic from one content provider over another, provided customers are informed, the Financial Times reported. In a speech at a London telecommunications conference organized by the newspaper, the minister will say the market should decide the extent to which service providers can charge for preferential content delivery and slow down other traffic.

Mit anderen Worten die Idee erklärt: Wer das meiste Geld bezahlt, wird auch am schnellsten durchgeleitet. Wer nichts zahlt, wird über Trampelpfade ausgeliefert.

(Danke an kosmopolit)

Die Financial Times liegt leider hinter einer Paywall. Falls jemand da Zugang hat würde ich mich über eine Kopie der Originalmeldung freuen. (Hab schon gefunden, der Google-Bot Trick funktioniert).

Hier erklärt der Minister in der Financial Times nochmal, wie toll das doch alles sei: Internet blow for Google and BBC.

“A lightly regulated internet is good for business, good for the economy and good for people,” Mr Vaizey will say. “Consumers should have the ability to access any legal content or service. Content and service providers should have the ability to innovate and, most importantly, to reach users.” The UK’s broadband market is sufficiently competitive that ISPs should be allowed “flexibility in business models”, he will add and the coalition is “no fan of regulation”.

Vor allem ist das toll für die profitierenden Telekommunikationsunternehmen.

Update: Beim Guardian gibt es noch das Transcript der Minister-Rede.

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14 Kommentare
  1. Naja, der Kernpunkt wurde angesprochen:
    “ “Consumers should have the ability to access any legal content or service.[…]“
    Komsumenten. Das jemand anders als milliardenschwere Konzerne etwas produzieren und genauso einfach an die Leute bringen darf, ist hier offensichtlich keine Option.

  2. „Die Financial Times liegt leider hinter einer Paywall. Falls jemand da Zugang hat würde ich mich über eine Kopie der Originalmeldung freuen.“

    Gabs da nicht gerade eine Grundsatzentscheidung zu Deep Linking über technische Maßnahmen? Vorsicht..

  3. Meine erste Frage lautet an dieser Stelle: „Was bedeutet ‚provided customers are informed‘?“

    Ein kleiner Hinweis im Kleingedruckten wird nicht das geringste helfen.
    Aber ein dicker Warn-Sticker auf der Startseite des jeweiligen Anbieters könnte sämtliche Diskussionen zur Netzneutralität sehr schnell abkürzen, wenn die Anbieter bemerken, wie viele ihrer Kunden zu Anbietern abwandern, die bei dieser Art der kapitalistischen Zensur nicht mitmachen.

    Natürlich ist es dabei ein wenig zu optimistisch gedacht, daß sich „genug“ Kunden dafür interessieren und entsprechend handeln.

    Selbstregulierung freier Märkte könnte funktionieren – aber leider ist dies nur theoretisch, da der überwiegende Teil der Kunden darauf scheißt und frisst, was ihnen vorgesetzt wird…

  4. @Hendrik

    Aehm, aus dem Zitat ist so ungefähr gar nichts offensichtlich was du da behauptest. Da steht nur dass Konsumenten auf jeden legalen Inhalt oder Service zugreifen können sollen. Da steht rein gar nichts davon wer den produziert.

  5. Künstliche Verknappung aller übelster Sorte; das sind die reinsten Luftbuchungen, die den Telekommunikationsunternehmen mit dem Fall der Netzneutralität vor den feuchten Augen schweben.

  6. …oder als Menschen. Viele davon sogar mit mehr sozialer Kompetenz als Du, nämlich nicht gleich pauschal alle Bewohner eines Landes zu beleidigen.

    Wenn der IQ bei KrChrisTroll auf Außentemperatur ansteigt, kommt vielleicht sogar die Tage noch eine sinnvolle Äußerung.

  7. „(…) wenn die Anbieter bemerken, wie viele ihrer Kunden zu Anbietern abwandern, die bei dieser Art der kapitalistischen Zensur nicht mitmachen.“

    Ich bin mal pessimistisch genug, dass auch in 15 Jahren noch mehrheitlich Leute existieren, für die „AOL“ das Internet und „Alice“ gleich DSL ist.

    Wenn man denen die bunteste Startseite der Welt verspricht, die das schnellste Facebook und das schnellste Youtube (wahlweise auch youporn) integriert hat. Das ganze noch billiger als bei der Konkurrenz, weil ja die „Partner“ für die exklusive Durchleitung zahlen, dann _reicht_ den Leuten das.

    Wir leben nicht in der Welt von basisdemokratischer, aufgeklärter Diskussion über transparent nachvollziehbare Gesellschafts- und Lebensentscheidungen.
    Sondern in der Welt von BILD, ALDI, METRO, Deutscher Bank, Mario Barth und FDP.
    Was zählt ist: schnell, günstig, modisch und gut zu verdauen.
    Egal ob es um Technik, Vorbilder, Witze, politische Entscheidungen, Gesundheit oder Geld geht.
    Leider.
    Und den Briten geht es (nochmals: leider) nicht anders. Bei denen heißt das Tesco, Sun, British Rail, Liberal Party usw. …

    Netzneutralität interessiert den Großteil aller Menschen und den Großteil aller Nutzer nicht die Bohne. Weil sie es nie bemerken würden, dass es Inhalte gibt, die langsamer verfügbar sind, als „ihre Startseite, ihre Mails, ihr Google und ihr Facebook“.

    Und sollten sie es doch bemerken, klicken Sie die Seite genervt weg, „weil der Server so lange braucht“.

    Bin ich pessimistisch? Ja! *aus Erfahrung*

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