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Nacktscanner

Unser Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar hat über „Tabuzone Nacktscanner“ gebloggt. Vielmehr erscheint mir die Frage von zentraler Bedeutung, warum eine Person, die am Flughafenschalter einen teuren One-Way-Flug bucht, diesen bar bezahlt und kein Gepäck aufgibt und sich auch ansonsten „merkwürdig“ verhält, nicht gründlicher untersucht wurde. Wichtig ist mir auch die Aufklärung darüber, warum konkreten Verdachtsmomenten, die…

  • Markus Beckedahl

Unser Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar hat über „Tabuzone Nacktscanner“ gebloggt.

Vielmehr erscheint mir die Frage von zentraler Bedeutung, warum eine Person, die am Flughafenschalter einen teuren One-Way-Flug bucht, diesen bar bezahlt und kein Gepäck aufgibt und sich auch ansonsten „merkwürdig“ verhält, nicht gründlicher untersucht wurde. Wichtig ist mir auch die Aufklärung darüber, warum konkreten Verdachtsmomenten, die den US-Behörden gegen diesen Passagier vorlagen, nicht nachgegangen wurde. Letztlich geht es um die Frage, ob ein Vorgehen angemessen ist, bei dem völlig verdachtsunabhängig Daten von immer mehr Menschen erfasst und in Datenbanken gespeichert werden. Offenbar liegt hier ein „Information Overload“ vor, oder – wie der deutsche Volksmund sagt: „Man sieht den Wald vor Bäumen nicht“.

Welche Konsequenzen ergeben sich hieraus für die Nacktscanner-Debatte? Ich denke, dass statt blinden Aktionismus eine nüchterne, aber rückhaltlose Aufklärung des Vorfalls und eine Fehleranalyse stattfinden muss, die ihren Namen verdient. In dieser Debatte spielen verbesserte technische Detektionsmöglichkeiten für Waffen und andere gefährliche Gegenstände eine Rolle, aber nicht die Entscheidende. Bei jeder einzelnen Maßnahme, aber auch bei der Gesamtheit der Maßnahmen muss abgewogen werden, wie viel mehr Sicherheit sich damit erzielen lässt und was der Preis für diesen Sicherheitsgewinn ist. Eingriffe in die Menschenwürde sind dabei in demokratischen und freiheitlichen Gesellschaften eine Tabuzone, die auch angesichts realer Gefahren nicht betreten werden darf.

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


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16 Kommentare zu „Nacktscanner“


  1. Offenbar liegt hier ein „Information Overload“ vor, oder – wie der deutsche Volksmund sagt: „Man sieht den Wald vor Bäumen nicht“.

    Ichb wusste es, irgendwann mussten die so viel infos sammeln, das die mit dem auswerten nicht mehr hinterherkommen, los schickt den noch viel mehr, bis die zusammenbrechen.


  2. Lustig wird das Daten abschnorcheln aus den Spannerkästen: http://evildaystar.de/2010/01/nacktbilder-aus-nacktscanner-abschnorchel/


  3. tiefenschurfer

    ,

    Man stelle sich das hysterische Gehampel vor, wenn es jemand schaffen sollte aus Urin einen brisanten Sprengstoff zu fertigen.

    … wird dann ständig abgesaugt?

    (außer natürlich bei MdBs – da gilt ja Sonderrecht.)


  4. Gleiches Recht für alle! (OHNE AUSNAHME)

    ,

    Richtig! Sollten die MdBs auch gescannt werden, würden sie dies auch nicht sinnvoll finden.

    Egoismus pur in der deutschen Politik.

    Wie war das noch mal: Alle sind gleich – nur die MdBs sind gleicher.


  5. Sagt mal, gab es den Nackscanner nicht mal bei Kurt Felix?


  6. […] Nacktscanner Januar 6, 2010, 9:37 Gespeichert unter: Uncategorized Auf Netzpolitik gefunden: Ein sehr guter Blogeintrag von unserem Bundesdatenschutzbeauftragen zum Thema […]


  7. Trötotto

    ,

    Warum denkt keiner an den nächsten Schritt der „Terroristen“?

    Mini-plaste-bomben werden geschluckt und bequem per Handy gezündet.

    Wird kein Hautscanner erkennen… müsste man schon Röntgen oder gleich ne MRT anordnen.


  8. Angela

    ,

    Dann setz ich mich eben persönlich dafür ein bäh.

    http://img31.imageshack.us/img31/8025/nacktmerkel.jpg


  9. Über mansche Themen sollte man sich vielleicht besser nicht auslassen. Aber eins steht auf allefälle fest, die Nacktscanner erhöhen den Schutz … aber 100%ig sicher macht es das auch nicht. Generell sollte man mit solch einer Einführung keine Probleme haben aber dann bitte auch die Politiker!!!


  10. Wieso erhöhten Nacktscanner den Schutz? Der Attentäter von Detroit wäre (und ist) trotz Nacktscanner nicht entdeckt worden. Und wenn ich mir solch ein Gerät an den Hals hänge, bin ich auch nicht sicherer ;)
    Außerdem: schon mal was vom Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gehört? Ich zieh mich dann aus, wenn ich es will, wenn nicht, dann nicht.


  11. „Außerdem: schon mal was vom Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gehört?“

    Was hat Ausziehen mit Sexualität zu tun?


  12. […] netzpolitik.org: Nacktscanner […]


  13. Abzocke !
    Hier soll wohl die Wirtschaft angekurbelt werden .
    Oder es wird vorgegaukelt als wenn sich die Volksverräter um das Volk sorgen .
    Sollten die Nacktscanner aufgestellt werden , werden die Kämpfer für Gerechtigkeit einfach ihre Strategie ändern .
    Mich wundert schon lange warum die nicht die Flugzeuge vom Boden aus abschießen .Bestenfalls noch kurz vor der Landung . Der Schaden wäre viel höher .
    Wo ein Wille ist ist auch ein Weg !


  14. […] einführen zu wollen. Dementsprechend ist auch um die berühmten Nacktscanner wieder eine große Debatte entfacht worden: Sicherheitsexperten und Datenschützer streiten sich – die einen sprechen sich […]


  15. Anonymous

    ,

    Es gibt eine Online-Petition gegen den Einsatz der Körperscanner.
    Die Petition hat bisher fast 8.000 Mitzeichner gefunden und kann über die Seiten des Deutschen Bundestages erreicht werden. Ende Mitzeichnungsfrist 23.02.2010

    Wie die niederländische Zeitung „NRC Handelsblad“ enthüllte, arbeiten Spezialisten der Polizei in Rotterdam inzwischen im Auftrag der Regierung an der Entwicklung einer mobilen Version von Körperscannern für den Straßeneinsatz. Die tragbaren Detektoren sollen selbst aus einiger Entfernung durch Kleidung hindurchschauen und Menschen unbemerkt auf versteckte Waffen absuchen können.“


  16. Michael Dehn

    ,

    Nachweislich gibt es in der Geschichte der zivilen Luftfahrtkatastrophen nicht einen Fall, bei dem ein Nacktscanner ein Attentat hätte verhindern können.

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