Wissen

Linz will Open-Commons-Region werden

Linz in Österreich ist eine Stadt und Region, die viel mit digitaler Kultur experimentiert. Das liegt u.a. daran, dass die Ars Electronica dort jährlich im Herbst stattfindet und mit dem Ars Electronica Center auch ein Zukunfts- und Technologiemuseum auf 3000 qm dort zu finden ist. Bereits vor einigen Jahren präsentierten verschiedene junge Linzer mit dem Buch „Freie Netze, Freies Wissen“ konkrete Projektvorschläge zur Umsetzung auf lokaler Ebene als Beitrag für das Europäische Kulturhauptstadtjahr Linz 2009. Das findet sich als PDF unter einer CC-Lizenz online. Im Herbst 2008 fasste der Gemeinderat Linz den Beschluß, eine Potentialanalyse mit Umsetzungskonzept in Auftrag zu geben, wie der Großraum Linz zur Open Source Region werden kann. Open-Source-Regionen gibt es bereits in Deutschland. Die Open-Source-Region Stuttgart ist seit Jahren ind er Wirtschaftsförderung angesiedelt und bastelt dort an einem „Open-Source-Cluster“. Dazu gehören u.a. Ansiedlungsleistungen für Unternehmen, die dort hingehen wollen. Berlin sieht sich auch als Open-Source-Region, was es eigentlich auch ist, aber hier sind die Bemühungen etwas kleiner und auch nur auf rein wirtschaftliche Vernetzung und z.B. Unterstützung bei gemeinsamen Messeständen ausgelegt. Eine umfassende Open-Source-Region gibt es daher noch nicht in Deutschland.


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Das will Linz jetzt werden. Das Ergebnis der Untersuchungen ist nun als Studie „Open-Commons-Region Linz – Fakten, Perspektiven, Maßnahmen“ (PDF) der Öffentlichkeit präsentiert worden.

Im Vorwort der Studie heißt es:

Die vernetzte Informationsgesellschaft braucht freie Software, freie Daten, freies Wissen und freie Kulturgüter um Werke schaffen zu können, die dem Gemeinwohl dienen und ohne ökonomische und rechtliche Barrieren für alle nutzbar sind. Die Verfasser nennen die Gesamtheit freier Werke „Open Commons“ und verwenden damit bewusst einen Begriff, der alle Arten und Aspekte von immateriellen Gemeingütern umfasst.

Bei der Untersuchung (PDF) wurden sieben wesentliche Merkmale identifiziert, die eine OS-Region mindestens aufweisen sollte, um als solche gelten zu können:

1. Förderung und aktive Vorantreibung des Einsatzes von OS-Software in der Region durch die öffentliche Hand oder einer mit ihr verbundenen oder von ihr beauftragten Organisation.
2. Regelmäßige Veranstaltungen zu OS, mindestens jedoch einmal jährlich. Das dabei verfolgte Ziel sollte Wissenstransfer und Informationsvermittlung an spezielle Zielgruppen aber auch an ein breites Publikum sein.
3. Beteiligung von örtlichen Unternehmen und Communities bei solchen Veranstaltungen zu OS sei es durch eine inhaltliche Mitgestaltung oder durch finanzielle Unterstützung.
4. Ausbildungsstätten (Universitäten, Fachhochschulen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Schulen) beschäftigen sich auf institutioneller Basis mit OS und setzen OS-Software ein.
5. Aktive Unterstützung der Entwicklung und Verbreitung von OS-Artefakten durch Unternehmen und Communities der Region.
6. Nutzung von OS (hauptsächlich OS-Software) durch Unternehmen, öffentliche Institutionen und andere Organisationen der Region. Anmerkung: Die Entscheidung ob und in welchem Ausmaß eine Nutzung wirtschaftlich und zweckmäßig ist obliegt den einzelnen Organisationen und ist abhängig von den einzelnen Anwendungen. Diesbezügliche Überlegungen wurden bei der Merkmalserhebung nicht berücksichtigt.
7. Mitgliedschaft von Unternehmen und Institutionen der Region bei Organisationen, die den OS-Gedanken fördern oder die Kooperation von Unternehmen mit solchen Organisationen.

Alle, die sich für Netzpolitik in der Kommunal- und Landespolitik interessieren, sollten sich die Studie und ihre Handlungsempfehlungen durchlesen. Die Pläne sind wegweisend und ich bin gespannt auf die konkrete Umsetzung.

Konkrete Maßnahmenempfehlungen zur Etablierung einer Open Commons-Region Linz sind in drei Handlungsfelder gegliedert, die Empfehlungen enthalten, in deren Zentrum strategische Aspekte stehen. Die Maßnahmenempfehlungen enthalten zudem kurze Begründungen und Hinweise zur Umsetzung. Das sind die folgenden Punkte:

Für das Handlungsfeld „Verankerung des OC-Gedankens in der Region Linz“ (siehe 4.1)

1. Planung und Durchführung von informationspolitischen Maßnahmen
2. Herstellung eines Konsenses für eine OC-Region Linz
3. Entwicklung einer Marke für die OC-Region Linz
4. Erteilung eines klaren Auftrags der Politik an die öffentliche Hand
5. Inangriffnahme und rasche Umsetzung von Initialprojekten

Für das Handlungsfeld „Organisation, Koordination und Förderung von OC-Aktivitäten“ (siehe 4.2)

1. Schaffung von Einrichtungen zur Unterstützung und Koordination von OC-Aktivitäten
2. Förderung von OC-Aktivitäten unter Berücksichtigung von Erfolgsfaktoren Etablierung eines Ausbildungsangebots für OC/OS-Themen
3. Etablierung eines Ausbildungsangebots für OC/OS-Themen
4. Freigabe von Daten und Medien der öffentlichen Hand zur allgemeinen Nutzung
5. Berücksichtigung von Projektvorschlägen aus „Freie Netze. Freies Wissen.“6
6. Einsatz des entwickelten Kriterienkatalogs für die Durchführung von OC-Potentialanalysen und die Auswahl von OS-Software

Für das Handlungsfeld „Vernetzung mit anderen OC/OS-Regionen“ (siehe 4.3)

1. Initiierung und Etablierung nationaler und internationale Kooperationen
2. Initiierung, Ausrichtung und Etablierung einer OC-Messe und OC-Konferenz

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6 Kommentare
  1. Eine umfassende Open-Source-Region gibt es daher noch nicht in Deutschland.Das will Linz jetzt werden.
    Uups… Linz in Deutschland?

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