Kultur

Einstieg der Musikindustrie in die US-Debatte zur Netzneutralität

In die US-Netzneutralitätsdebatte mischt sich nun – wie schon zu erwarten war – die Musikindustrie mit einem Brief an Google-CEO Eric Schidt ein. Insgesamt 13 Organisationen ermutigen darin

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ISPs und andere Vermittler, abschreckende Maßnahmen gegen illegale Aktivitäten wie Urheberrechtsverletzungen und Kinderpornografie zu ergreifen.

Die gute alte Keule der Kinderpornografie ist gerade in Deutschland altbekannt und inzwischen schon in die Jahre gekommen, nutzt sich aber ebenso wenig ab, wie das Stichwort Terrorismus.

Betont wird:

Wir alle teilen das Ziel eines robusten und gut zugänglichen Internets als sicherer und geborgener Ort für Menschen und Handel. Ein Internet basierend auf Ordnung statt Chaos wird uns helfen, dieses Ziel auch zu erreichen.

Nach Meinung der Autoren ist Musik per se eine treibende Kraft hinter der Expansion von Breitbandzugängen gewesen. Nun aber sei die Möglichkeit, „die Musik der nächsten Generation zu machen“ in besonderem Maße abhängig von klaren Gesetzen und Regelungen für geistiges Eigentum im Internet. Die Unterscheidung von gesetzmäßigen und illegalen Inhalten müsse daher klare Konsequenzen für die Nutzung des Internets bekommen. Momentane Regelungen unterwanderten das Geschäftsmodell der Musikindustrie und zerstörten die Träume und Karrieren von Musikern, Künstlern und Studiobetreibern.

Auf Bemühungen um Blockaden und Drosselungen von Angeboten hat die Verwertungsindustrie schon fast ein ‚Urheberrecht‘, engagiert sie sich in diesem Feld doch schon seit anno dazumals. Insofern ist es also eher verwunderlich, dass die Musikindustrie sich jetzt erst einmischt mit ihrer Forderung nach massiven Eingriffen in die Netzneutralität.

Ein gutes Zeichen ist das wie immer nicht, denn Urheberrechtsprobleme muss man natürlich anders lösen, als durch massive Eingriffe in ein per se inhaltsneutrales Kommunikationsmedium. Demokratisch-freiheitliche Staaten zeichnen sich dadurch aus, dass selbst illegales Verhalten immer prinzipiell möglich bleibt.

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17 Kommentare
  1. jetzt sagt bloss jemand, der herr professor gorny hat sich dazu noch nicht geäussert.

    „wie auch, wir auch“ ist doch das mindeste was ich erwarte. kann aber sein dass er in urlaub ist.

    aber das hab ich bei tomiks artikel auch gedacht und, wie vorausgeahnt, am nächsten tag waren sie da. die herren bosbach, uhl, jansen, ziercke und haben ihren sinnlosen müll abgeladen.

    merke: man soll nie aufgeben.

  2. „Momentane Regelungen unterwanderten das Geschäftsmodell der Musikindustrie und zerstörten die Träume und Karrieren von Musikern, Künstlern und Studiobetreibern.“

    Da würd ich mal über mein Geschäftsmodell nachdenken.

    Es geht wohl mehr um die (feuchten) Träume der Rechteverwerter vom ganz großen Geld…

  3. “Momentane Regelungen unterwanderten das Geschäftsmodell der Musikindustrie und zerstörten meine Träume von der 4. Jacht in mothers vineyard, nachdem ich die geknechteten vertragsmusiker richtig ausgenommen habe, kommt so ein internetpack daher und zerstört mir alle…heul, heul..“

  4. Da Versuchen die Dinosaurier der Musikindustrie wieder Einfluss auf das Medium Internet zu erheischen. Ihre Vormachststellung in den Medien War es doch die über Jahrzehnte gute Gewinne garantiert hat. Das Geben und Nehmen zwischen Musikindustrie und den Klassischen Medien hatte doch beide gut genährt.

    Es ist noch nimandem gelungen die Zeit zurück zu drehen und so wird es auch hier sein – da viel neue musik nicht mehr über GVL sondern per creative commens lizensiert werden wird dauerhaft die Auflage des Musikverlags durch die Künstler selbst abgewickelt – Dern Großhandel Plattenfirma wird man nicht mehr brauchen und das geld kommt dahin wo es verdient wird zu der Bands und Künstlern.

  5. Ich hatte es schon in einem alten Beitrag gesagt, aber zur Sicherheit hier nochmal:

    Jetzt gibt’s auch eine Petition auf dem offiziellen Bundestags-Petitions-Server:

    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=13511

    @Topic:

    Da zitiere ich doch immer wieder gerne Robert A. Heinlein:

    There has grown in the minds of certain groups in this country the idea that just because a man or corporation has made a profit out of the public for a number of years, the government and the courts are charged with guaranteeing such a profit in the future, even in the face of changing circumstances and contrary to public interest. This strange doctrine is supported by neither statute or common law. Neither corporations or individuals have the right to come into court and ask that the clock of history be stopped, or turned back.

  6. ‚Aha!‘, dachte der Router, ‚Da erkenne ich Kinderporno, da will ich mal die Geschindigkeit drosseln, damit die Bilder von vergewaltigten Kindern nicht ganz so schnell beim Nutzer ankommen!‘

    Was zum Henker haben Kipos in dieser Diskussion zu suchen?

  7. Was die Kipos da zu suchen haben?

    Sie sind Mittel zum Zweck, werden als emotionale Verstärkung benutzt, dienen als argumentative Stütze und letztlich der Durchsetzung der Interessen der Verwertungsgesellschaften.

    Ich verabscheue Menschen, Firmen und Gesellschaften, die es wagen, die Abartigkeit des gefilmten Kindesmissbrauches und vor allem das dahintersteckende Leid der Kinder für ihre rein kommerziellen Zwecke einzusetzen. Ein deutliches Beispiel, wie der Wachstumskapitalismus zum schleichenden Verschwinden der Ethik führt.

    Die sollen sich was schämen.

  8. nein.

    die sich am meisten schämen müsste und eigentlich politisch für immer verstummen müsste, gibt heutzutage bildungsgutscheine für hartz4 kinder aus. die sarah palin der deutschen politik.

    aber die wird noch kanzlerin, jede wette.

  9. ausserdem geht es nicht um kipo und missbracuhte kidner etc….es geht um die installierung der netzzensur koste es was es wolle.

    zur not instrumentiert man die geschändeten wesen eben ein zweites mal.

    und diese bosbachs, uhls, jansens und ziercke grinsen noch dazu, wenn sie weiterhin sperren fordern. irgenwann ist das mass aber voll…..

  10. Hat mich nachdenklich gemacht, dieser Satz:

    „Demokratisch-freiheitliche Staaten zeichnen sich dadurch aus, dass selbst illegales Verhalten immer prinzipiell _möglich_ bleibt.“

    Gut und böse. Gibt es das Gute ohne das Böse? Ohne Licht gibt es nichts, was man als „Schatten“ bezeichnen kann. Freier Wille versus Prädeterminiertheit. Was ist ein Freier Wille, den wir ja buchstäblich als gottgegeben ansehen, in einer Welt ohne Wahlmöglichkeit noch wert? Oder klerikal umgemünzt: Kann man überhaupt ein frommes Leben in einer Welt ohne Sünde führen?

    See ya
    Pedro

  11. die sarah palin der deutschen politik.
    aber die wird noch kanzlerin, jede wette.

    Eine Frau, sie zu knechten, und zu überziehen das Land mit Lügen, Zensur und Sperrwahn.

    Ich hoffe, du irrst dich. Ich wüsste nicht, wie ich darauf reagieren würde.

  12. ja, ich hoffe innigst, dass ich mich irre.

    alleine mit t-shirt-druck „not my chancellor“ wie bei dem BP-gerücht ist es aber dann nicht getan, das schwöre ich.

    aber wenn will man denn noch vertrauen schenken, meckerbeck von der SPD rüstet sein weinland grade auf zum grössten „verbrecherjagdverein“ deutschlands…trotz urteil des BVerfG….

    hat schon mal jemand eine antwort aus der parteiführung darauf?

  13. sollte „wem“ heissenm nicht „wenn“…naja, noch füh am morgen und der wein war gut gestern, ausgerechnet ein riesling aus der pfalz…..

  14. „Demokratisch-freiheitliche Staaten zeichnen sich dadurch aus, dass selbst illegales Verhalten immer prinzipiell möglich bleibt.“

    So ein Blödsinn. Der Satz mag zwar richtig sein, aber hat doch an dieser Stelle nichts zu suchen. Das ist doch nicht das Argument gegen die Ansprüche der Musikindustrie. Das Argument ist, dass im digitalen Zeitalter sowieso mehr Musik kopiert wird als früher (man kann per USB Stick mal eben eine ganze Plattensammlung rüberziehen). Das lässt sich gar nicht verhindern und durch eine verstärkte versuchte Kriminalisierung (erst moralisch, dann rechtlich) wird das Unrechtsbwusstsein in der Bevölkerung durcheinandergebracht. Wenn Dinge kriminalisiert werden, die nicht wirklich als Unrecht empfunden werden, hat doch bald gar keiner mehr Respekt vor Gesetzen. Daher finde ich es hier falsch, zu argumentieren, illegales Verhalten muss möglich bleiben. Das ist das Argument bezüglich Zensur und Überwachung. Bezüglich Netzneutralität und Ansprüchen der Musikindustrie auf irgendwelche staatlich zugesicherten Geldströme muss man anders argumentieren.

  15. @musikdieb (zielführendes Pseudonym in dieser Debatte übrigens)

    Three strikes and you’re out, Löschen oder Sperren entsprechender Angebote, etc. -> alles keine Überwachung oder Zensur? Das geht doch an der Stelle mit der Netzneutralitätsdebatte einher, wenn sich die Musikindustrie meldet.

    Thema ist hier Netzneutralität, nicht Urheberrecht. Genau DAFÜR wird in dem Artikel auch argumentiert! Nämlich dass (deine) Debatte an anderer Stelle stattfinden muss.

    Lies zum Beispeil mal das verlinkte Dokument, aus dem zitiert wird, dann wird es dir bestimmt klarer.

  16. @#14: Warum muss man anders argumentieren, wenn die Forderungen (nicht: Ansprüche) der Musikindustrie bedeuten, ein inhaltlich komplett reguliertes und überwachtes Netz zu schaffen?

    Und natürlich stimmt es, dass in einer demokratischen und offenen Gesellschaft deviantes Verhalten prinzipiell möglich bleibt – das ist doch geradezu ein Wesensmerkmal einer solchen Gesellschaft. Was die Musikindustrie hier verlangt, ist eine Sicherung des Fortbestands ihres veralteten Geschäftsmodells zu Lasten allgemeiner Freiheiten. Mit demselben Argument könnten auch zB Geldinstitute fordern, automatisierte Telefonüberwachungen einzurichten, weil man das Telefon dazu benutzen kann, um sich für einen Bankraub zu verabreden. Die beiden Dinge (Forderungen und Freiheit) haben mE also schon was miteinander zu tun.

    Im Übrigen find ich das Nebeneinander von Urheberrechtsverletzungen und KiPo irgendwas zwischen lustig und grotesk. Klingt wie Mundraub und Menschenhandel.

  17. die haben noch vergesse das „das Internet kein Rechtsfreier Raum“ .. und so bla bla bla

    @BMI @RIAA

    danke auf eure „Ordnung“ verzichte ich gern !

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