Alexander Lehmann: Lobbyismus für Dummies

Alexander Lehmann hat wieder eine neue Animation veröffentlicht: Lobbyismus für Dummies.


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Die Animation steht unter der CC-BY-NC-ND-Lizenz.

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25 Kommentare
  1. Ganz nett, aber leider auch etwas zu stark vereinfacht und mir persönlich nicht neutral genug. Es ist mehr eine Abrechnung mit der jetzigen Regierung.

    Zu einer Lobbyismus für Dummies Geschichte gehört für mich noch diese Erkenntnis:

    Lobbyarbeit machen wir ja alle und es gehört zu Demokratie, auch wenn man es meist so nie nennt (Watch your words).

    Das „Ungerechte“ am kommerziellen vs. dem ideologischen Lobbyismus aber ist, dass die gut bezahlten und gut verbundenen Lobbyisten dadurch „gleicher sind“ als die normalen Bürger-Lobbyisten-Gruppen (sie haben einfach mehr Ressourcen – PR/Kanzleien/Personal/Zeit/Geld) und können sich damit meist geschickt jeglicher Transparenz entziehen können.

    Der Vorteil durch das Internet: Die „normalen“ Lobbygruppen können jetzt auch relativ Ressourcen günstig ihre Sicht der Dinge darstellen. Daher sollte man auf das Internet gut aufpassen.

  2. @schomsko: Nö, es gehört alles zusammen.

    Wie ist Deine Definition? Nur nö sagen ist nicht sehr konstruktiv.

    Hier meine Definition: Lobbyisten sind Leute die versuchen Entscheidungsträger zu beeinflussen.

    PR ist eine Methode dazu, es gibt aber auch noch eine Menge andere. Wobei das meiste heute unter PR subsumiert und abgerechnet wird, was früher anders genannt worden wäre („Expertisen“, „Beratung“, Support, Bestechung).

  3. Angebot:

    Lobbyisten sind [bezahlte] Vertreter von Interessengruppen, die [zum Teil schmutzige] PR-Methoden einsetzen um Entscheidungsträger zu beeinflussen und Ihre Interessen oder die Ihrer Auftragegeber durchzusetzen.

    Worüber man streiten kann ist welche „Nähe“ zu den Entscheidungsvertretern und die Wahl der Methoden und Bezahlung/Korruption die Definition verändert.

  4. @icke
    „Lobbyarbeit machen wir ja alle und es gehört zu Demokratie, auch wenn man es meist so nie nennt (Watch your words).“

    Das ist so nicht richtig: Man kann zwischen Lobbyarbeit und dem was der Bürger tut einen unterschied aufmachen:
    Der Bürger kümmert sich um Rechte und Interessen des Einzelnen Menschen. Lobbyarbeit hingegen geht belangen von juristischen Personen/Konzernen nach.

    Zweiter Unterschied:
    Bürger kümmern sich meist im weitesten Sinne um Freiheitsrechte.
    Lobbys sind hier deutlich opportuner – die machen was gerade gebraucht wird und ihnen hilft.

    Wenn ich auf der Freiheit statt Angst bin, würde ich also sehr ungerne wissen, dass es Leute gibt, die das ernsthaft als Lobbyarbeit beschreiben.

  5. @mayleen: Ich glaube das Problem sind die Worte. Evtl. kann ja mal eine gemeinsame Definition finden.

    Wenn Du demonstrierst, machst Du aus meiner Sicht eher PR-Arbeit. Denn die Entfernung zu den Entscheidungsträger ist dabei vermutlich recht groß, es sein denn, Du sprichst direkt mit Politikern, die zufällig auch auf der Demo sind.

    Würdest Du aber zu einem Meeting mit Entscheidungsträgern gehen und dort dem Podium sehr kritische Frage stellen, so das Du damit auch Entscheidungsträger in Deine Richtung beeinflussen könntest, würde ich Dich dann schon eher zu den Lobbyisten zählen.

    Ich glaube Du willst nur bezahlte Leute mit unredlichen Firmeninteressen und manipulativen Techniken zu den Lobbyisten zählen, ich finde das zu wenig und es hängt damit sehr von eigenem Standpunkt ab.

    Hier mein Versuch:

    Lobbyisten sind Vertreter von Interessengruppen, die verschiedene Methoden einsetzen um Entscheidungsträger gezielt zu beeinflussen.

    Je nach Art der Vertretung und der eingesetzten Methoden kann man von sachorientierter, demokratischer Bürger Beteiligung bis zur gezielten, vorbereiteten Bestechung von Entscheidungsträgern durch Profis verschiedene Arten von Lobbyarbeit unterscheiden.

    Macht dies Sinn? Ich habe noch keine gute Definition im Netz gefunden – auch nicht auf den lobbykritischen Seiten.

  6. @mayleen (8): Scharf trennen kann man „Lobbyarbeit“ von dem, was „der Bürger tut“ nicht. Wenn „der Bürger“ sich einer Initiative anschließt/eine Bürgerinitiative gründet, betreibt er auch Lobbyarbeit; Nur in die andere Richtung. Er versucht dennoch, Politik und öffentliche Meinung in eine gewisse Richtung zu beeinflussen. Sobald die Bürgerinitiative eine gewisse Relevanz erreicht hat, macht sie damit nichts anderes als Lobbyarbeit.

    In einem gewissen Umfang ist das auch legitim – jeder hat das Recht zu versuchen, seine Anliegen zu artikulieren. Das gilt für Bürger und für Unternehmen. Anrüchig wird es dann, wenn plötzlich Mitarbeiter aus einer bestimmten Lobby in die Ministerien gesandt werden und dort an Gesetzesvorhaben mitschreiben oder wenn Politiker mit Lobbyisten irgendetwas aushandeln, was dann vom Bundestag durchgewunken wird.

    Zugegeben: Diese „illegitimen“, anrüchigen Verhaltensweisen sind das, was viele instinktiv auf Anhieb mit dem Begriff Lobbyismus verbinden; Aber damit greift man zu kurz, der Begriff umfasst wesentlich mehr.

  7. Das Dilemma sehe ich nicht unbedingt in der Unterscheidung zwischen tut den Konzernen gut und tut dem einzelnen Bürger gut.

    Das, was die absurdesten „Bankenrettungen“ und die verrücktesten Erleichterungen und Bevorzugungen von Konzernen zur Folge hat, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Arbeitsplätze.

    Unser System ist darauf ausgelegt, dass (ausreichendes) Einkommen an Jobs gekoppelt ist. Und weil zu wenig Arbeitsplätze existieren, kann man den größten Unsinn von der Politik erhalten, wenn man ein paar potenzielle Arbeitsplätze in Aussicht stellt.

    Hinzu kommt, dass sich Vermögen immer mehr auf wenige Reiche konzentriert, die dadurch so unfassbar reich werden, dass sie sich jegliche Einflussnahme einfach kaufen können und somit mit einer ungeheuren Machtfülle ausgestattet sind, die sie dazu nutzen, noch reicher zu werden – und im Gegensatz dazu alle anderen ärmer.

    Aber das ist ja auch das Ziel unseres Systems: Irgendwann sind die wenigen gottgleichen Gewinner dermaßen einflussreich, dass Parlament, Bürgerwille etc. keinerlei Bedeutung mehr hat.

    Insofern trifft es der neue Clip von Alexander Lehmann ziemlich gut.

  8. Der Clip mag dem Einen oder Anderen zu einseitig sein. Meine Auffassung unserer Situation in diesem Land, entspricht er zu 100%.

    Für mich ist nach wie vor das Schlimmste daran, wie Politiker nachweislich „falsche“, weil „faktisch widerlegbare“ Behauptungen aufstellen, ohne sich dafür zur Verantwortung ziehen lassen zu müssen. Nicht schlimm genug, ein Teil der Presse hinterlegt diese Aussagen auch noch mit weiteren unwahren Floskeln. Ich fühle mich also nicht nur vom Politiker in die Irre geführt, sondern zusätzlich von der Presse auch noch manipuliert. Was darf man noch glauben, wenn die Presse nicht mehr Unabhängigkeit an den Tag legt?
    Hat die inoffizielle 4. Gewalt im Staate aufgehört zu existieren?
    Es scheint wirklich so, als ob das Bundesverfassungsgericht (Judikative) wohl nur mehr die letzte „Gewalt“ im Staate darstellt, die Ihre Aufgabe erfüllt. Oder bin ich im Irrtum? …

  9. @Lukas Fledermaus: Ich wollte nur darstellen das es mit neutralen Standpunkten oder den Standpunkt über den Dingen auch bei Lobbyarbeit immer etwas schwierig ist – ohne hier jetzt die üble Lobbygruppen mit ernsthaft bemühten Personengruppen gleichsetzen zu wollen – dies ist ja gerade auch ein Trick der fieseren Lobbygruppen.

    Sicht gut zu informieren und sauber unterscheiden zu können braucht Zeit – und diese haben vielen Entscheidungsträgern heute nicht mehr; nur höheren Gerichte können sich hier manchmal etwas mehr freihalten.

    Zeitungen haben das gleich Problem und sind aus Zeit/Geldmangel auch noch empfänglicher für PR geworden; die lokalen Tageszeitungen sterben gerade; bald wird der Bürger sich wieder mehr politisch engagieren müssen, wenn er lokal etwas mitbekommen will. Dies könnte auch Vorteile haben – wenn die Leute die Zeit dafür aufwenden.

    Wir als Verbraucher und Konsument mit unseren Eingeninteressen, die auch oft gegen die Interessen der Gemeinschaft stehen, sind leider genauso gut korrumpierbar – oftmals mit viel weniger Einsatz.

    (So, ich steige hier jetzt mal aus – es geht ja eigentlich um das Video.)

  10. @icke: Mein Beitrag war keine Kritik speziell an deinen Darlegungen. Ich stelle nur fest, dass auch eine rein „sachliche“ Debatte nicht wirklich zielführend ist.
    Bei einigen Gesetzen wird nicht mal den Bedenken langjährig zuverlässiger Sachverständiger Rechnung getragen wie ich nun schon einige Male erleben durfte. Nicht das Politik unbedingt etwas mit klaren wissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun haben muss, aber zumindest sollte man auf solcherlei Bedenken auch transparent in den Medien eingehen. Ich gewinne immer mehr den Eindruck, dass Politik und Medien sich für Lobbyismus mühelos gleichschalten lassen. Einzig das Internet mit den vielfältigen Blogs, Meinungen von einfachen Menschen und fundierten mit Sachverstand erörterten Berichten lässt mich hoffen, dass in Zukunft der „Lügner“ ertappt wird. Die „Bürgerlobby“ jedenfalls bietet keine attraktiven Angebote an die Politik, sondern eher die Auseinandersetzung mit demokratischen aber auch sozialen Interessen. Man gewinnt oft nichts wenn man es 60% Recht macht, sondern verliert eher bei 40% im Ansehen. Bei der „Wirtschaftslobby“ gewinnt man als Politiker(egoistisches Eigeninteresse an Machterhalt) immer.

  11. Meine Definition geht vom Begriff der Korruption aus (und nur das halte ich im Lichte der Entwicklung des Begriffs und Habitus für korrekt). Mir erscheint eine weite Definition sinnlos aus dem einfachen Grund, dass ich irgendwann jede Meinugsäußerung, die der Beeinflussung oder Überzeugung von anderen dient erfasse.
    Lobbyismus umfasst meiner Auffassung nach einen kleinen Teil des Begriffs. Nämlich den legalisierten.

    Lobbyismus ist demnach jedes Verhalten, dass (1) jedenfalls mittelbar wirtschaftlich motiviert ist und (3) möglichst intransparent und wenig öffentlichkeitswirksam (2) in Gesetzgebungs- oder Behördenvorgänge einzugreifen.

    @icke
    „Würdest Du aber zu einem Meeting mit Entscheidungsträgern gehen und dort dem Podium sehr kritische Frage stellen, so das Du damit auch Entscheidungsträger in Deine Richtung beeinflussen könntest, würde ich Dich dann schon eher zu den Lobbyisten zählen.“

    Daher ist gerade dieses Beispiel kein Lobbyismus. Denn wenn du es konsequent umsetzt, wäre schon eine solche Diskussion wie wir sie hier führen, wäre nur ein Entscheidungsträger dabei Lobbyismus.

    „Ich glaube Du willst nur bezahlte Leute mit unredlichen Firmeninteressen und manipulativen Techniken zu den Lobbyisten zählen,“
    Ganz genau das halte ich für einzig überzeugend.

    „ich finde das zu wenig“
    Warum?

    „Lobbyisten sind Vertreter von Interessengruppen, die verschiedene Methoden einsetzen um Entscheidungsträger gezielt zu beeinflussen.“

    Aus oben genannten Gründen finde ich diese viel zu weitgehend.
    Meinugsäußerung gegenüber Entscheidungsträgern mit der Zielsetzung diese zu beeinflussen != Lobbyismus.

    @Karpatenhund

    „Scharf trennen kann man “Lobbyarbeit” von dem, was “der Bürger tut” nicht. Wenn “der Bürger” sich einer Initiative anschließt/eine Bürgerinitiative gründet, betreibt er auch Lobbyarbeit; Nur in die andere Richtung. Er versucht dennoch, Politik und öffentliche Meinung in eine gewisse Richtung zu beeinflussen. Sobald die Bürgerinitiative eine gewisse Relevanz erreicht hat, macht sie damit nichts anderes als Lobbyarbeit.“

    Scharfe Trennung mittels des Kriteriums des „mittelbaren wirtschaftlichen Interesses“. Siehe oben. Damit ist eine solche Trennung zwischen dem was der Bürger und der Wirtschaftsvertreter tut durchaus möglich.

    „Zugegeben: Diese “illegitimen”, anrüchigen Verhaltensweisen sind das, was viele instinktiv auf Anhieb mit dem Begriff Lobbyismus verbinden; Aber damit greift man zu kurz, der Begriff umfasst wesentlich mehr.“

    Warum greift man damit zu kurz?
    Der Begriff hat sich genau in diesem Bereich entwickelt. Wieso sollte er denn mehr umfassen?

  12. Ergänzung der Definition

    Lobbyismus ist jedes Verhalten, dass (1) jedenfalls mittelbar wirtschaftlich motiviert ist und (2) möglichst intransparent und wenig öffentlichkeitswirksam (3) in Gesetzgebungs- oder Behördenvorgänge einzugreifen (4) mit dem Ziel die eigene (wirtschaftliche) Position zu Lasten anderer zu verbessern.

    Noch enger in der Tat :) Aber wie gesagt: Imho eng mit gutem Grund.

  13. \Du bist Terrorist\ war ohne Zweifel ein sehr schöner Film, aber das hier ist nur noch parteipolitische Propaganda ohne echten Informationswert, und höchstens geeignet für Leute, die sich ihre eigenen Vorurteile bestätigen lassen wollen. So gibt es zum Beispiel bei der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke überhaupt keinen Geheimvertrag – wohl aber gab es einen zwischen der damaligen rot-grünen Regierung und TollCollect. Ebenso fehlt in allen Beispielen ausgerechnet der ökologisch-industrielle Komplex, also Solarworld, Scheer, Deutsche Umwelthilfe & Co. – obwohl die nachweislich zu den allergrößten Regulierungs- und Subventionsprofiteuren zählen. Lediglich die Banken haben noch mehr abkassiert, nur die kommen in dem Film irgendwie ja auch nicht vor. Man kann sich da schon fragen, ob das daran liegt, dass das Thema zu komplex für die simplen Botschaften oder ihren Autor ist, oder ob da nur die SPD geschont werden soll (Bankenrettung war ja vor schwarz-gelb).

    Alles in allem genau so überladen und deshalb peinlich wie \Konferenz der Tiere\…

  14. @drchaos
    „ökologisch-industrielle Komplex, also Solarworld, Scheer, Deutsche Umwelthilfe & Co“

    Hast du bitte mehr Info dazu? Insbesondere, was der Name Scheer (redest du von dem kürzlich verstorbenen SPD Politiker?) damit zu tun hat?

    Genauso zur Bankenrettung vor Schwarz Gelb – ich kann mich da an nichts vergleichbar großes oder grundlegendes erinnern?

  15. Hallo, ich will mich jetzt nicht mehr beteiligen, da wir sonst zu weit vom Thema abweichen, aber ich empfehle folgendes Feature welches momentan im DLF läuft:

    Analogkäse schmeckt besser!

    Wie sich Public Relations als fünfte Gewalt etablieren
    Von Jörg Wagner
    Regie: Wolfgang Rindfleisch
    RBB/DLF 2010

    Der Link lässt sich vermutlich bald schnell finden.

  16. @18, 19 (mayleen):

    Ein handfestes wirtschaftliches Interesse haben zum Beispiel bei Stuttgart21 auch die Anwohner. Die werden jahrelang von Bauarbeiten betroffen sein, mitunter kann die neue Streckenführung auch den Wert von Eigentumswohnungen/Häusern massiv beeinträchtigen. Leisten die Anwohner deswegen nach deiner Definition Lobbyarbeit?

    Selbst wenn man Intransparenz als Unterscheidungskriterium hinzunimmt, greift die Definition meiner Meinung nach nicht. Denn damit würden auch die Konzerne aus dem Raster fallen, sobald sie Politiker öffentlich beeinflussen, also beispielsweise große Werbekampagnen starten, denen im Extremfall sogar falsche Informationen zu Grunde liegen.

  17. @Karpatenhund

    Den S21 Gegnern fehlt aber
    „(2) möglichst intransparent und wenig öffentlichkeitswirksam“
    :D

    Mach dein Konzernbeispiel mal etwas deutlicher. Ein Fall indem das Kriterium (2) nicht erfüllt ist, kenne ich nicht.

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