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Urheberrecht: Die Probleme von heute, beschrieben vor über 25 Jahren

Nerdcore ist gerade über das 1983 erschienene Buch „Electronic Life“ von Michael Crichton gestolpert. Vor allem zwei Seiten zum Thema Zukunft des Urheberrechts sind auch heute noch lesenswert: Crichton beschriebt mit verblüffender Genauigkeit die Probleme, die die Digitalisierung von Medien und das Entstehen von Austauschplattformen mit sich bringen werden.


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Die Schöpfer eines Films, einer Komposition oder eines Computerprogramms werden bald nur noch zwei Existenzphasen ihres Werkes unterscheiden können: absolutes privates Eigentum während der Entwicklung und totales öffentliches Eigentum vom Augenblik der Freigabe an. Die Grenzlinie wird sehr scharf gezogen sein und der Verfasser sein gesamtes Honorar erhalten, sobald er sie überschreitet.

Wie der Autor des Artikels treffend bemerkt, ist es für die Film- und Musikindustrie nicht gerade vorteilhaft, dass schon zu dieser Zeit so konkrete Überlegungen und auch Lösungsansätze durchdacht wurden. Der sinnlose Wettlauf mit dem technischen Fortschritt ist somit nicht nur ein gescheitertes Experiment, vielmehr wurde gegen besseres Wissen ein Machtkampf begonnen, dessen abstruse Auswirkungen wir wohl noch ein paar Jahre ertragen werden müssen.

Wer mehr Beispiele kennt, in denen schon früh auf die Sinnlosigkeit eines restriktiven Medienhandels hingewiesen wird, kann diese gern in den Kommentaren teilen.

2 Kommentare
  1. Mir kommt da in den Sinn:

    Theodor W. Adorno: „Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug“ (1947), ein Kapitel aus der „Dialektik der Aufklärung“

    Da geht es zwar nicht direkt um das Urheberrecht, aber Adorno erkennt meines Erachtens schon sehr früh, wo die Entwicklung der Massenkultur hinführt. Kulturprodukte, geistiges Eigentum, sind nicht mehr auch Ware, sondern nur noch Ware. Und ausschließlich als Ware wird geistiges Eigentum – besser Immaterialgut – dann auch behandelt; politisch, rechtlich aber auch vom Konsumenten, der nicht mehr verweilt, sondern hastig von einem Medienprodukt zum anderen eilt. Es entsteht Breite, die Tiefe geht verloren. Es wird verkürzt, für vertiefende Länge bleibt keine Zeit. Schade eigentlich.

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