Datenschutz

UK: 24h CCTV-Überwachung für 20.000 Problemfamilien?

Die bizarre Story, dass in Grossbritanien demnächst CCTV-Videoüberwachung für 20.000 Problemfamilien eingeführt wird, ging die letzten Tage durch deutsche Medien und Blogs. Ich habs nicht thematisiert, weil mir die Story irgendwie komisch vorkam und ich keine Zeit zum recherchieren hatte. Letzteres hat Torsten Kleinz freundlicherweise übernommen. Er ist den Quellen nachgegangen und fand heraus, dass die Story ziemlicher Schwachsinn ist: Big Brother und die Medienkompetenz .


netzpolitik.org - ermöglicht durch Dich.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
8 Kommentare
  1. Ich hab ja das Gefühl, dass die Journalisten, die so einen Unsinn schreiben, genau wissen, dass es Unsinn ist.

    „20k Familien Videoüberwacht“ hört sich einfach sensationell an, und Sensationen locken Leser. Da interessiert scheinbar die Wahrheit nicht mehr. Das ist natürlich langfristig nicht gut fürs Geschäft, aber man will ja seine eigenen momentanen Leserzahlen optimieren und sich bezahlen lassen, was interessieren zukünftige Leserzahlen?

    Und so geht eine Zeitung nach der anderen ins Grab …

  2. Das könnte man im Schulfach „Medienkompetenz“ (kürzlich gelesen, dass bei uns in BaWü sowas etabliert werden soll, weiß leider nicht mehr, wie das Projekt heißen sollte, nur der Preis lag irgendwo um 1-2 Mio. Euro, kann daher nicht nachprüfen… …) übrigens auch thematisieren: Wie unterscheide ich im Internet seriöse von unseriösen Quellen und wie lange sollte ich nachprüfen / wie viele Quellen welcher Art sollten das gleiche schreiben?
    Wie stark verbreiten sich Falschmeldungen? In welchen Milieus?

    Da – das muss ich zugeben – bin ich selbst leider noch etwas ungeübt. In Politik muss man oft die Korrektheit von Texten anhand von Statistiken überprüfen; dabei sollte man natürlich auch die Seriosität der Quelle miteinbeziehen.
    Aber für Internetquellen haben wir soetwas nie gemacht.

  3. Man sollte allerdings erwähnen/hervorheben, dass es tatsächlich ein Überwachungsprogramm in Großbritannien gibt, bei dem Familien mit Kameras in den Privaträumen überwacht werden. Das ist das Pilotprojekt, von dem überall geredet wird. Nur also die Berichterstattung über eine Ausweitung dieses Pilotprojektes wäre demnach fehlerhaft.

    Telepolis berichtete beispielsweise schon vor einem halben Jahr, dass zumindest ein Ehepaar sich vor Gericht gegen die Kameraüberwachung im eigenen Schlafzimmer wehren konnte. Die Kameras wurden daraufhin ausgeschaltet bei allen Aktivitäten, bei denen es nicht um die Betreuung des Kindes ging.

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/119371

    Artikel im Telegraph:

    http://www.telegraph.co.uk/news/newstopics/politics/lawandorder/3507238/Social-services-set-up-CCTV-camera-in-couples-bedroom.html

    1. Solon,

      Du bringst da (Deinem Tonfall nach durchaus mit Absicht oder weil Du eine vorgefasste Meinung hast, zumindest ist das mein Eindruck) zwei Sachen durcheinander.

      Das ist kein Pilotprojekt sondern ein Council der in einem ganz anderen Fall weit ueber das hinausgeschossen ist was gemacht werden darf und soll. Die Presseberichte sind ueber die „Family Intervention Projects“ die nichts (oder wenn dann sehr wenig) mit dem was der Council dort gemacht hat zu tun haben.

      Bei dem Council ging es um _eine_ Familie wo die Eltern wohl Lernschwierigkeiten haben und es Bedenken gab dass diese in der Lage sind ihr Kind zu betreuen. Deswegen wollten die die Familie im Auge behalten, dabei sind sie arg ueber das Ziel hinausgeschossen in den Mitteln die sie verwendet haben.

      Das kann _eventuell_ im Rahmen einen FIPs gemacht worden sein, wahrscheinlicher ist dass dies generell von einem Sozialarbeiter der fuer die Familie zustaendig war eingeleitet wurde.

  4. Ich muss zugeben, ich habe die Story gestern auch geglaubt. Durch die Entwicklung in Groß-Britanien in den letzten Jahren schien es auch irgendwie plausibel zu sein:

    – Massiver Ausbau der Kameraüberwachung im öffentlich Raum
    – Gesetzte gegen Antisoziales verhalten

    Da schien das nur der nächste Schritt und ich fürchte, dass dies auch in den nächsten 10 Jahren passieren könnte.

  5. Die Inselaffen sind doch die übelsten Überwacher überhaupt! Kameras an jeder Ecke, sogar schon mit Lautsprecher, ohne Witz. Da spuck einer mal sein Kaugummi auf den Boden, der bekommt was zu hören. Eine Nation der übelsten Überwachungsfaschisten. Wenn ich dort leben würde, ich wäre bereits ausgewandert. Gruß

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.