Dieser Artikel ist mehr als 16 Jahre alt.

Überwachung im Betrieb: Nicht einzelne Skandale, sondern allgemeines Muster

Analyse & Kritik hat in der aktuellen Ausgabe einen Beitrag zur Überwachung im Betrieb . Auch wenn das die frei flottierenden digitalen Bohemiens nicht mehr interessiert oder sie sogar Wert darauf legen, dass der potenzielle nächste Auftraggeber sie erstmal googelt – für Millionen Menschen ist das immer noch ein riesiges Problem. Und offenbar ist es…

  • Ralf Bendrath

Analyse & Kritik hat in der aktuellen Ausgabe einen Beitrag zur Überwachung im Betrieb . Auch wenn das die frei flottierenden digitalen Bohemiens nicht mehr interessiert oder sie sogar Wert darauf legen, dass der potenzielle nächste Auftraggeber sie erstmal googelt – für Millionen Menschen ist das immer noch ein riesiges Problem. Und offenbar ist es größer, als einzelne Skandale wie LIDL oder Deutsche Bahn suggerieren:

Die Unternehmen spionieren ihre Lohnabhängigen deutschlandweit aus. (…) Mit immer umfassenderem Zugriff auf das Arbeitsvermögen wird auch die Kontrolle umfassend und das Misstrauen offenbar flächendeckend. Auch dieses Problem besteht natürlich nicht nur in Deutschland (so z.B. auch bei Nokia in Finnland und bei dem Rüstungskonzern Honeywell weltweit). Und es machen alle – die Skandalisierung einzelner Unternehmensverfehlungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, auch wenn genau dieses beabsichtigt ist.

Was in diesem Kontext noch nicht ausreichend diskutiert wurde, ist der gezielte Einsatz von Überwachung auf Leute, die versuchen, den innerbetrieblichen Widerstand der abhängig Beschäftigten zu organisieren:

Weit weniger Aufmerksamkeit erfahren in diesem Überwachungsalltag Maßnahmen, die sich vermeintlich gegen betriebliche Einzelfälle und Störenfriede richten, zumal wenn diese auch innerhalb der Belegschaft keine Solidarität genießen. Dabei wird übersehen, dass es um strukturelles Misstrauen geht, das sich gegen alle richtet, obwohl angeblich nur die vermeintlichen „schwarzen Schafe“ gemeint sind.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


Veröffentlicht

Kategorie

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

4 Kommentare zu „Überwachung im Betrieb: Nicht einzelne Skandale, sondern allgemeines Muster“


  1. Die etablierten Betriebsräte sind meist bestochen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.Überwacht werden vor allem Leute, die einen neuen ehrlichen Betriebsrat wollen, um sie entweder rauszuschmeißen oder ins Bestechungssystem einzubinden. Selbst ein unangepaßter Betriebsrat wie ich hat dann zur Stablilisierung beigetragen, weil die Belegschaft dann glaubte, es werde ehrliche Politik gemacht. Das war aber gegen die bestochenen Kollegen praktisch nie möglich.In diesem System werde ich mich nie wieder engagieren.


  2. Pikant ist ja, wie weit diese Überachungen gehen, sie gehen ja weit über eine rein betrieblice Überwachung hinaus. Warum geht z. B. niemand der Frage nach, wie Lidl an die Krankendaten und die Bahn an die Kontodaten ihrer Zulieferer bzw. Mitarbeiter kommen? Und warum wird – ich kann mir nicht vorstellen, dass die Sache bei Lidl gesetzeskonform war – niemand dort strafrechtlich verfolgt?


  3. […] Netzpolitik.org hat was Interessantes zum Thema “Überwachung im Betrieb” – Zitat einer Studie: “Die Unternehmen spionieren ihre Lohnabhängigen deutschlandweit aus.” […]


  4. […] Überwachung im Betrieb: Nicht einzelne Skandale, sondern allgemeines Muster. […]

Dieser Artikel ist älter als 16 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.