Analyse & Kritik hat in der aktuellen Ausgabe einen Beitrag zur Überwachung im Betrieb . Auch wenn das die frei flottierenden digitalen Bohemiens nicht mehr interessiert oder sie sogar Wert darauf legen, dass der potenzielle nächste Auftraggeber sie erstmal googelt – für Millionen Menschen ist das immer noch ein riesiges Problem. Und offenbar ist es größer, als einzelne Skandale wie LIDL oder Deutsche Bahn suggerieren:
Die Unternehmen spionieren ihre Lohnabhängigen deutschlandweit aus. (…) Mit immer umfassenderem Zugriff auf das Arbeitsvermögen wird auch die Kontrolle umfassend und das Misstrauen offenbar flächendeckend. Auch dieses Problem besteht natürlich nicht nur in Deutschland (so z.B. auch bei Nokia in Finnland und bei dem Rüstungskonzern Honeywell weltweit). Und es machen alle – die Skandalisierung einzelner Unternehmensverfehlungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, auch wenn genau dieses beabsichtigt ist.
Was in diesem Kontext noch nicht ausreichend diskutiert wurde, ist der gezielte Einsatz von Überwachung auf Leute, die versuchen, den innerbetrieblichen Widerstand der abhängig Beschäftigten zu organisieren:
Weit weniger Aufmerksamkeit erfahren in diesem Überwachungsalltag Maßnahmen, die sich vermeintlich gegen betriebliche Einzelfälle und Störenfriede richten, zumal wenn diese auch innerhalb der Belegschaft keine Solidarität genießen. Dabei wird übersehen, dass es um strukturelles Misstrauen geht, das sich gegen alle richtet, obwohl angeblich nur die vermeintlichen „schwarzen Schafe“ gemeint sind.