re:view der re:publica´09

Seit der re:publica´09 sind einige Tage vergangenen und ich konnte mich etwas ausruhen und mir all das Feedback durchlesen, was wir bekommen haben. Kurz gesagt: Ich fands toll, inspirierend und freute mich, soviel nette und interessante Menschen zusammen gebracht zu haben. Auch wenn man sich als Veranstalter etwas ärgert, dass man selbst kaum Zeit und Entspannung hat, sich auch mit allen ausführlich auszutauschen, mit denen man das möchte. Immer gibt es irgendwas zu organisieren, das ist ja wie auf der eigenen Party, wo man in der Regel auch erst zum Schluß entspannt wird.

Die re:publica ist seit der ersten Veranstaltung 2007 massiv gewachsen. Was als Blogger-Konferenz begann, wo sich die meisten kannten, ist auf 1600 Menschen angewachsen. Und auch das Themenspektrum ist grösser geworden. Wir sind nicht mehr die „Blogger-Konferenz“, sondern versuchen soviele Facetten der Digitalen gesellschaft abzudecken, wie das zeitlich und räumlich in drei Tagen möglich ist. Insofern kamen 180 Referenten in 100 Veranstaltungen zusammen, um zu reflektieren und Wissen zu teilen. Das ist im großen und ganzen prima gelungen. Ich hätte gewünscht, mehr Zeit in den Vorträgen und Workshops verbracht haben zu können. So blieb es bei vielleicht fünf bis zehn, aber die waren großartig. Wann hat man schonmal die Möglichkeit, Cory Doctorow mit einem fulminanten Plädoyer für digitale Bürgerrechte und Zukunft auf seiner eigenen Konferenz sprechen zu hören oder Lawrence Lessig in einem seiner vielleicht letzten Vorträge über Urheberrecht in Europa (Der mich vorher noch fragte, wie ich ihn denn bekommen hätte und mir nur einfliel, dass ich doch eine nette Mail geschrieben habe und argumentierte, dass wir ihn hier brauchen, um mehr Bewusstsein für die Probleme mit dem Urheberrecht zu schaffen.) Auch wenn Jimbo Wales mehr die Wikipedia erklärte und weniger über Open-Government sprach, wie ich mir das gewünscht hatte – so hat sein Vortrag doch vielen was gebracht,d ie noch nicht so in dem Thema drin sind.

Schön wäre es gewesen, wenn das WLAN geklappt hätte. Wir hatten das genau geplant und mit derselben Crew die beiden letzten re:publicas perfekt durchgezogen. Dieses Jahr hatten wir alles an Hardware eingekauft, was auf der Wunschliste stand. Und wir wussten auch, dass ein Tag Aufbau für die komplexe Konferenzsituation mit drei Veranstaltungsorten, Richtfunk und mit dem Friedrichstadtpalast eine Herausforderung ist. Dass es in zwei Orten erst am Donnerstag Abend klappte, war schone ine Enttäuschung, die uns als Organisatoren das Leben schwer machte. Wie kommt man schnell an die Kontaktdaten eines Sprechers heran, wenn alles im Netz abgespeichert ist? Im Endeffekt war das fehlende WLAN eine Verkettung von unglücklichen Zufällen, wobei eine fehlerhafte Firmware in einem Teil der neuen Router die zentrale Fehlerquelle war. Dazu kamen dann menschliche Fehler in Folge von Übermüdung und anderer Dinge. Wobei das Netz an einem Konferenzort, dem Mediacenter seit Anfang an klappte. Dort tagte der Privacy Open Space, aber dortd as Netz funktionierte, bekam ich auch erst am Donnerstag mit. Shit happens. Wenigstens hatten wir Plan B zur Verfügung und konnten die Sonne anknipsen, damit die Teilnehmer abgelenkt waren und sich draussen sonnten und miteinander unterhielten.

Und das war grossartig. Wir planen die re:publica als Konferenz seit drei jahren, um einen Kommunikationsraum zu schaffen. Einen Raum, wo man viele Menschen einmal im Jahr face-to-face treffen kann, die man den Rest des Jahres vielleicht nur auf Twitter, in den Blogs oder den anderen sozialen Räumen im Netz begegnet. Und das klappt und das macht uns auch etwas Stolz und motiviert. Natürlich kann man es nicht allen Recht machen. Den einen ist es zu kommerziell, den anderen zu unkommerziell. Die einen fanden den Friedrichstadtpalast besser, die anderen die Kalkscheune. Man glaubt ja als Aussenstehender gar nicht, wie schwierig es ist, bezahlbare Veranstaltungsräume in Berlin für diese Anzahl von Menschen zu finden, wo man selbst das Gefühl hat, dass man sich dort auch wohlfühlt. Und das mit einem Blogger-Ticket von 40 Euro im Vorverkauf für drei Tage Konferenzprogramm auch refinanzieren kann.

Den einen war das Programm zu politisch, den anderen ist es zu unpolitisch. Übrigens fand ich den Vorwurf ziemlich lustig, das diesjährige Konferenzprogramm sei total unpolitisch. Hatte ich mir doch vorher Sorgen gemacht, dass es als zu politisch angesehen werden konnte, weil viel mehr politische Veranstaltungen in dem Programm zu finden waren, als auf einem Chaos Communicaton Congress zu finden sind. Und trotzdem lebt die re:publica davon, nicht nur politische Themen zu bringen, denn es ist eine Konferenz für die gesellschaftlichen und kulturellen Fragestellungen der Digitalisierung. Und damit einzigartig im deutschsprachigen Raum. Dazu gehört auch Design, dazu gehören Spassveranstaltungen und man muss gleichzeitig Neueinsteiger in die Themen einführen als auch diejenigen beglücken, die wie ich schon seit Jahren in den ganzen Themen tief drin sind. Dieser Spagat ist nie ganz einfach, aber nichts ist perfekt. Und die re:publica bietet viele Mitmachmöglichkeiten an.

Jetzt haben ich mir mittlerweile die meisten Blog-Postings und Artikel durchgelesen und freue mich über das überwältigend positive Feedback. Dazu nehmen wir die Dinge auf, die wir beim nächsten Mal noch besser machen können. Hier freuen uns Hinweise sehr und auch in unserem Konferenzprogramm kann man einzelne Beiträge bewerten und uns helfen, alles zu evaluieren. Kleiner Hinweis, ich versuche die ganze Zeit dem CSS-Verantwortlichen in den Hintern zu treten, dass der Link unter „Feedback“ weiß auf weiß ist. Daher mit der Maus kurz drunter klicken. Man sieht schon, dass dort ein Link ist.

Bei Spreeblick gibt es auch eine Nachlese: re:view – Meine re:publica-Nachlese

Dazu haben wir viele Fotos auf Flickr gestellt. Und die Mitschnitte der Livestreams gibt es bei Make.tv. (Dummerweise hingen die Live-Streams am Netz und das gabs erst ab Donnersta Vormittag. Aber zum Glück sind die meisten Höhepunkte am Donnerstag und Freitag gewesen.)

Danke fürs mitmachen, danke fürs helfen, danke für eine entspannte Konferenz und danke für die schönen Parties am Wochenende.

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