Kultur

Netzneutralität: Wie Kabelfernsehen, nur mit Filter!

Zugegeben, manche Themen hier bei Netzpolitik.org sind furchtbar komplex und eher was für in Nischen plaudernde Experten. Andere Themen sind zwar auch komplex, gehen aber jeden etwas an, der sich im Internet bewegt. „Netzneutralität“ ist so ein Thema. In den USA ist es längst das next big thing, hier in Deutschland dürfte es auch bald soweit sein. Worum es geht, erklärt folgende Grafik vielleicht besser als 1000 Worte:


Netzpolitik.org ist unabhängig, werbefrei und fast vollständig durch unsere Leserinnen und Leser finanziert.

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via Nico, komplett bei Gizmodo.

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21 Kommentare
  1. Wenn sich das durchsetzt, haben „sie“ es endlich geschafft: Die endgültige Zerstörung des Web durch den Kommerz. Dann verzichte ich freiwillig aufs Internet. Was ich so gehört habe, gibts DPI bereits bei einigen UMTS-Abietern hierzulande, da werden zB Grafiken in Webseiten umgebogen usw.
    ( weils ja noch niemand merkt, ausser den paar Nerds)

  2. In einem Kommentar auf gizmodo heisst es hypothetisch sehr treffend:
    „Want to log in to Gmail? Upgrade to Premium!“

    Und darin liegt die grösste Gefahr von allen; Es wird diese Upgrade-Aufforderungen eben nicht nur bei den bereits prominenten Angeboten geben:
    „Wollen Sie diesen ’next big thing‘ Service aufrufen? Buchen Sie Premium plus“
    „Wollen Sie das Original-Dokument lesen, das diese grosse Diskussion in Gang gebracht hat? Buchen Sie Premium extra plus“

    Und dann ist es tot, das Internet.
    Denn woher sollen die Informationen kommen, die etwas zum ’next big thing‘ machen? Wo soll sie stattfinden, die Mundpropaganda für tolle neue Shops o. ä., für die besten Quellen zur Meinungsbildung – und vor allem wie, wenn über kurz oder lang jede Website, die nicht über – vermutlich millionenschwere – Sonderdeals mit den ISPs verfügt, separat gebucht werden muss?
    – Mal eben ’nen Euro verbraten, nur um zu schauen, ob diese Killerapplikation tatsächlich ‚das nächste Twitter/Skype/Facebook/[…]‘ ist?
    – Hab ich nicht gerade erst ein Upgrade bezahlt, um die Techblogs zu lesen, die mir das Ding empfohlen haben?
    – Und wie, um Himmels willen, sollte ich eigentlich in einer so gestrickten Netzlandschaft überhaupt auf diese Techblogs gestossen sein?

    Dann ist es vorbei mit einem Web, in dem die maximale Zugangsbarriere für Hobby und Meinung, für Start-ups wie Grosskonzerne „Hol Dir Webspace“ ist; Vorbei die Meinungsbildungsprozesse um kreative Vorlieben, politische Überzeugungen oder die besten Dienstleistungen, in denen jeder zum Multiplikator wird.

    Die politsch Verantwortlichen sollten dies im ureigensten Interesse verhindern:
    Derzeit sehen zwar grosse Teile der Politik ihr vornehmstes Ziel darin, die Gesellschaft vor sich selbst zu schützen und vor diesem Hintergrund scheint es, wenn schon moralisch mindestens diskutabel und kaum verfassungskonform, doch zumindest nachvollziehbar, wenn sie dem Internet, in dem „jeder Spinner seine Gleichgesinnten“ finden kann, den Wildwuchs austreiben wollen.
    Aber damit auch die Wachstumspotentiale eines Mediums, in dem „jeder Unternehmer seine Kunden“ findet, durch die Errichtung höherer Marktzugangsbarrieren zu vernichten, wäre schlicht verantwortungslos.

    Brüderle, aufwachen!!

  3. Mal ganz ehrlich, nach rund 10 Jahren „all you can eat internet“ mit anfänglicher t-dslitis, dem unzuverlässigem, paketvermitteltem Internet ist es doch erfreulich das die Provider ihren Beitrag zur Haftung im Internet ernst nehmen. Die Amerikaner sind uns da einfach voraus.

    Wer für Dienste berechnet, der haftet auch wenn einer dieser Dienste nicht verfügbar ist – ich sehe da keine Probleme mit der Neutralität, endlich können die Nutzer ihren Provider haftbar machen, wenn das Posting nicht angekommen ist, Hotmail nicht funktioniert, endlich garantierte Bandbreiten, garantierte Verfügbarkeit, keine Fail-Whales mehr bei Twitter, keine Sorgen daraum das GMail sagen könnten „Sorry, deine E-mails sind weg“, denn der ISP haftet wenn er diese Dienstleistung anbietet – ganz einfache Lösung.

    Endlich ein Ansprechpartner für alle Services, keine Fragmentation wer für welchen Dienst verantwortlich ist, mehr Service für den Kunden.

    Das schafft Minijobs in Callcentern, steigert das Bruttoinlandsprodukt, löst das Kinderpornoproblem und viele andere Probleme von offener und neutraler, allerdings nicht zuverlässger Technolgie.

    Ehrlich ihr wisst noch nicht das ihr das haben möchtet.

    Dieses Neutralitätsding wird überbewertet, das nutzen maximal 5% der Menschen, und das sind Filesharer, die die Dienste so teuer machen, weil die Industrie an kopierten Filem nix verdienen kann, bezahlen es die ehrlichen Menschen mit, die zahlen übrigens alles, wieso dann nicht auch extra für die Dienste?

  4. @4/nicname: Erotik? Sowas gibt es in den USA nicht ,)

    @14/Peter Aladin: Guter Einwand. Bzgl. „Haftung“ sollte man in dieser Diskussion evtl. nochmal differenzieren.

    Und zwar zwischen der Haftung im Sinne staatlicher Medienaufsicht und der Haftung für die Verfügbarkeit von Diensten und mögliche Datenverluste.

    Die Provider dürften weder an dem einen, noch an dem anderen Haftungsaspekt gesteigertes Interesse haben. Gerade auch, weil sich Inhalte Dritter regelmäßig ihrem Einflußbereich entziehen und/oder mit zusätzlichem Aufwand verbunden sind.

    Auch was das Quality-Of-Service-Argument betrifft, dürfte man allenfalls auf eine Priorisierung von Bandbreiten im eigenen Netz hoffen dürfen. Im negativen Sinn haben wir das bereits jetzt durch die Drosselung/Blockade vermeintlicher p2p-Ports.

    Im Grunde geht’s also wieder Richtung Onlinedienst, wo man „Internet“ scheibchenweise hinzubuchen kann.

    Endlich ein Ansprechpartner für alle Services, keine Fragmentation wer für welchen Dienst verantwortlich ist, mehr Service für den Kunden.

    *lächel* Das wird wohl ein Wunschtraum bleiben.

  5. @Jörg-Olaf:

    Darauf wollte ich hinaus, man sollte so differenzieren wie es dem Kunden angeboten wird:

    Bietet der Zugangsprovider wie in der Grafik abgebilded, Dienste an, sollte er dafür haftbar sein, d.h. er erweckt ja damit den Eindruck er biete Premiuminhalt oder eine Kooperation mit dem eigentlichen Anbieter an, deshalb sollte der Kunde ihn auch in die Haftung nehmen können, es ist nicht notwendig da genauer zu differenzieren.

    Es gilt bei der ganzen Neutralitätsdiskussion zwischen mittelbar und nunmittelbar zu unterscheiden, und das die Dienstanbieter, anschliessend auch segmentieren werden, weil andere an ihren Dienstleistungen verdienen, ist naheliegend oder?

    Es kann ja nicht sein, das ich für einen Dienst den Zugangsprovider bezahle, aber mich bei Problemen nicht an ihn wenden darf, d.h. wenn man als Zugangsprovider Dienste abrechenbar machen möchte, muss man ihn auch die Verantwortung für diese Dienste aufbürden.

    Ich kann mir vorstellen, das sowas für viele Verbraucher das Problem das vertrauensvollen Internet lösen, aber eben nur wenn man die Provider in die Pflicht nimmt.

    Wiegesagt, es kann nicht sein das ein Zugangsprovider ein öffentliches, paketvermitteltes Netz segmentiert, genau deshalb ist es ja nur gerecht wenn der Provider in die Verantwortung genommen wird, für das was er abrechnet.

    So kann man sehr gut aufzeigen, wie unnötig diese Diskussion ist, weil kein Provider gewährleisten das ein Dienst verfügbar ist.

    Eine Diskussion ob Verbraucher sowas wie Netzneutralität brauchen, findet erst statt wenn es Verbraucher betrifft, leider.

  6. Nette Visualisierung des Problems.

    Wenn die neue Regierung fleißig ist – und das wird sie in diesem Punkt, dann wird es in den nächsten Jahren so kommen.

    Wer will schon informierte Bürger? (sinngemäß Bundestagspräsident Norbert Lammert, CDU)

    Wir brauchen Wachstum durch Konsum. Wo kämen wir hin, wenn jeder die gleichen Möglichkeiten hätte, zu erfinden und zu produzieren?

  7. Absolut gruselig. :(

    Die Idee, die könnten das umsetzen ist… unakzeptabel. Schlicht und simpel.

    @Tharben:
    „Wer will schon informierte Bürger? (sinngemäß Bundestagspräsident Norbert Lammert, CDU)“

    Nicht diese Regierung, jedenfalls…

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