Öffentlichkeit

Jako – Neue Social Media Kampagne

Die Firma Jako ist bisher nicht bewusst in meinem Leben begegnet. Laut Wikipedia ist man der zweitgrößte Hersteller von Teamsportbekleidung in Deutschland. Gerade hat man aber eine Social Media Werbekampagne gestartet und die viralen Effekte klappen genauso, wie man das geplant hat. Andere Firmen kaufen teure PR-Agenturen ein, Jako braucht nur eine Anwältin. Diese mahnte einen Blogger ab, der in einem kaum gelesenen Beitrag wohl das neue Logo von Jako polemisch kritisierte. Der Blogger zahlte und hoffte, seine Ruhe zu haben. Dann zündete der zweite Meilenstein der Kampagne: Der Blogger erhielt eine weitere Abmahnung und soll jetzt noch mehr Geld zahlen, weil sein Artikel ungefragt von einem der unzähligen (und meist parasitären) Newsaggregatoren im Netz gespiegelt wurde.


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Warum sowas jedem passieren kann und was die ganze Story ist, beschreibt Kai Pahl in „Alles ausser Sport“: Wie JAKO anderen Leuten das letzte Trikot auszieht.

Ein Unternehmen wie die JAKO AG, die sich in den Schreiben u.a. auf Augenhöhe mit Adidas in Sachen Trikotsverkauf sieht und mit der Rückhand von einem Jahresumsatz von über 60 Millionen Euro schreibt, kann nicht durch einen nur zirka 400 Leser erreichenden Blogeintrag meßbar geschädigt werden. Das ist schlichtweg irre! Die JAKO AG und Iris Sanguinette müssen sich fragen – ja sogar vorwerfen – lassen, dass ihnen die Maßstäbe bei der Beurteilung des angeblichen Schadens komplett entglitten sind und sie bei der technischen Beurteilung über die Machbarkeit der Entfernung solcher Passagen außerhalb der eigenen Website nicht realitätsnah urteilen. Nimmt man alle Aspekte dieser Auseinandersetzung zusammen, wäre ich mir nicht sicher, ob am Ende das Verhalten der JAKO AG und von Anwältin Iris Sanguinette dem sehr basisnahen Image der JAKO AG nicht stärker schädigen, als ein 400-Leser-Blogeintrag von Mitte April.

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52 Kommentare
  1. Zu Schade, dass ALDI und LIDL keine Öffentlichkeitsarbeit machen. Die könnten ihre Rechtsabteilung doch mal in Gang setzen, wenn ein Hersteller Vergleiche mit ihnen als geschäftsschädigend einstuft.

  2. Also ich bin ja wenn ich sowas lese immer ganz froh, rechtsschutzversichert zu sein. Denn solchen Bluthunden darf man ihr Muskelposing auf keinen Fall durchgehen lassen. Sowas gehört ausgefochten bis zum bitteren Ende, damit da endlich mal schluß ist mit dem rechtsfreien Raum im Kopf mancher sogenannten Rechts“pfleger“.

  3. Wie toll das alles für Jako funktioniert ist im Eintracht Frankfurt Forum unter „Jako – ein Partner auf Augenhöhe…“ nachzulesen. Heute Morgen eingestellt, seitdem über 5000 Aufrufe und über 100 posts. Feunde hat sich Jako bei der Eintracht damit keine gemacht und das werden die im Trikot und Fanverkauf spüren….

  4. Ich dachte, die machen Lebkuchen. ;-)

    Aber das dürfte wohl ne andere Firma sein.

    Gibts eigentlich ne Web 2.0 Seite, die sowas wie einen „Weekly Boykott Award“ vergibt? Wenn nein, macht das mal wer auf?

  5. @Ernst Haft: Sag uns rasch mal die RV, die Unterlassungsansprüche versichert. Alle Blogger werden Dir danken. Oder schau nochmal in den Vertrag.

    Meines Wissens versichert das nämlich keine.

    Abmahnungen dieser Art sind meiner MEinung nach auf lange Sicht der Tod der Presse- und Meinungsfreiheit. Weil sowas jeden ohne Rechtsabteilung und Millionen auf dem Konto in die Knie zwingen wird. Siehe Jans Weinreich gegen Zwanziger.

  6. @5: Wenn mich nicht alles täuscht zahlt eine Rechtsschutzversicherung solche Dinge nicht, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehrt.
    Das Problem an der Sache ist ja, dass man auch wenn man im Recht ist aufgrund des finanziellen Risikos keine Chance hat dies zu erreichen. Zumal man dann in der Regel noch auf den Kosten für den eigenen Anwalt sitzen bleibt, obwohl man ja nichts getan hat. Da ist der
    echtsfreie Raum der dringen mal beackert werden muss, aber wenn es nach vielen Politikern gehen würde, würde das Problem wahrscheinlich noch verschärft werden.

  7. Sehr geehrte Jako AG,

    ich bin durch verschiedene Blog Einträge mal wieder auf Ihre Firma aufmerksam geworden.

    unter anderem hier
    http://www.allesaussersport.de/archiv/2009/09/01/wie-jako-anderen-leuten-das-letzte-trikot-auszieht/

    und hier:
    http://netzpolitik.org/2009/jako-neue-social-media-kampagne/

    Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, mir fällt nun zumindest die Entscheidung leichter, wessen Produkte wir für unsere nächste Spielbekleidung nicht in Erwägung ziehen werden.

    Hochachtungsvoll

  8. Kurze Korrektur: Er hat noch nicht gezahlt.

    Das erste Schreiben von JAKO war (laut Spiegel online) eine Abmahnung. Ich nehme an, dass dort eine Vertragsstrafe für weitere Fälle drin stand. Die hat der Blogger so akzeptiert um Ärger aus dem Weg zu gehen. Und als JAKO dann die tschech. Webseite gefunden hat, sind sie darauf zurückgekommen (was mehr als fraglich ist…).

    Aber soweit ich weiss hat er bis jetzt noch nichts gezahlt. Hoffen wir, dass es so bleibt…

    Aber

  9. @Ernst Haft
    Die Gesellschaft interessiert mich auch.

    Spätestens in zwei bis drei Tagen wird sich das alles legen und wenn JAKO halbwegs richtig auftritt, gibt es ein großes Bedauern und der Schaden, der erst in den letzten Tagen entstanden ist, wird abgemildert. Ich werde das Gefühl aber nicht los, das der Schaden der letzten Tage weitaus größer ist als der,den Trainer Baade nur durch seinen Artikel verursachen hätte können.

  10. #22 Marc: Ich habe nicht gesagt, daß meine RV Abmahnkosten bezahlt. Ich würde jedoch auch niemals eine Unterlassungserklärung unterschreiben, schon aus Prinzip nicht, weil diese Abmahnmèrde nämlich ausgerottet gehört. Ich würde so eine Kiste in jedem Fall ausfechten, und DAFÜR habe ich Rechtsschutz. Und das ist auch gut so. Denn auch im rechtsfreien Raum[tm] gilt kein anderes Recht als offline.

  11. @Ernst Haft: Du hast eine Rechtschutzversicherung, die bei einer Abmahnung die Kosten deiner Rechtsberatung übernimmt? Ganz sicher?

    Schau besser nochmal nach: http://www.internetrecht-rostock.de/faq-abmahnung.htm#33

    33. Ich bin unberechtigt abgemahnt worden und habe dadurch Anwaltskosten. Was kann ich tun?

    Die Erstattung von Anwaltskosten bei unberechtigten Abmahnfällen ist nur in Ausnahmefällen möglich. Die Durchsetzung entsprechender Erstattungsansprüche ist schwierig.

    34. Trägt eine Rechtsschutzversicherung die Kosten für eine Abmahnung oder einen Rechtsstreit?

    Nein. Rechtsanwaltskosten auf Grund eines Wettbewerbsverstoßes oder einer Schutzrechtsverletzung lassen sich nicht versichern.

    Und ohne hier rechtsberatend tätig werden zu wollen (darf/will ich nicht), nicht zumindest eine „modifizierte Unterlassungserklärung“ abzugeben, ist verfahrenstaktisch in der Regel verdammt unklug, Prinzipien hin oder her.

  12. #43: Ja moment! Der Rechtsweg geht meines Wissens so: Ich werde abgemahnt. Wenn ich reagiere, kommt natürlich ein Vertrag zustande. Dann muß ich löhnen: Klar. Reagiere ich nicht, liegt das Prozeßrisiko bei der abmahnenden Seite. Denn einfach mal losgehen und durch Abmahnungenverschicken Schuldverhältnisse schaffen, das geht zum Glück noch nicht in diesem Land. Nächster Schritt aus deren Sicht wäre entweder erst mal ein Mahnbescheid. Dem kann ich widersprechen. Und dann müssen sie klagen. Und wenn mich jemand verklagt, habe ich natürlich Rechtsschutz, warum sollte ich nicht: Dafür ist so eine Versicherung ja da.

    Daß man nicht einfach nach Belieben abmahnen kann um Fakten zu schaffen, sagt mir zum einen mein „gesundes Rechtsempfinden[tm]“, vor allem aber auch mein Anwalt, den ich leider selbst schon mal losschicken mußte, um abzumahnen (wenn auch nicht wegen Blogbeiträgen oder dergleichen ;-)): „Wenn der Abgemahnte das in die Rundablage verschiebt, ist das erst mal unser Pech.“

    Und letzteres klingt für mich eigentlich ganz einleuchtend. Falls sowohl ich als auch mein Anwalt hier natürlich ne Rechtsgrundlage übersehen, bin ich für Aufklärung dankbar – aber wenn das wirklich so wäre, daß da nach Belieben gewuchert werden könnte, dann wären wir ja nun echt schon in einer Bananenrepublik…

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