Iran geht gegen konservative Webseiten vor

Die Zensurwelle im Iran erreicht nun auch konservative Nachrichtenseiten. Die Reporter ohne Grenzen berichten über die vom Teheraner Generalstaatsanwaltes Abbas Dschafari Dolatabadi vor zwei Tagen angekündigte Schließung zweier prominenter Angebote, die eigentlich dem Regierungslager von Präsident Ahmadinejad nahestehen.

Die Seite Alef News wird von Ahmed Tavakoli betrieben, einer der führenden Persönlichkeiten der konservativen Fraktion, aus der es immer wieder Kritik an Ahmadinejad gab. Die führte unter anderem dazu, dass der Innenminister Ali Kordan letztes Jahr zurücktreten musste, weil er sich mit einem falschen Doktortitel schmückte. Im Oktober machte Alef News die verbalen Angriffe Ahmadinejads aus seinen Kontrahenten Moussavi für die Ausschreitungen nach der Wahl im Sommer verantwortlich.

Auch der Betreiber von Jahannews, Aliresa Sakani, galt bis zu diesen Ereignissen als Unterstützer des Präsidenten. Zuletzt hatte er sich wie immer mehr Vertreter konservativer Gruppierungen von der brutalen Niederschlagung der Demonstrationen durch die Regierung distanziert. Eine weitere Seite, Ayandenews, wurde bereits wegen der „Beleidigung von Regierungsbeamten“ geschlossen. Die Reporter ohne Grenzen schreiben:

In den vergangenen Monaten hat die Regierung ihre repressive Strategie kontinuierlich weiter entwickelt: Immer mehr unabhängige und oppositionelle Medien sowie Websites wurden zensiert, geschlossen oder gesperrt. Nun beginnt das Regime mit der Säuberung innerhalb von Gruppierungen, die jahrelang als Unterstützer des Präsidenten galten.

Laut den Reportern ohne Grenzen wurden seit der Präsidentschaftswahl am 12. Juni mehr als 100 Medienschaffende im Iran festgenommen. Noch immer säßen 28 Journalisten und Blogger im Gefängnis. Mohammed Pour Abdullah, Autor des Blogs Pishro, wurde am 14. Dezember zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er war am 12. Januar 2009 festgenommen worden, nachdem er über Haftbedingungen im Iran und über Verhörmethoden von Geheimdienstagenten berichtet hatte.

Die Reporter ohne Grenzen berichten zudem, es seien noch nie so viele Journalisten aus dem Iran geflüchtet. Der Organisation seien mehr als 50 Medienschaffende bekannt, die das Land verlassen mussten, um der Verfolgung zu entgehen. Um sie zu unterstützen, haben die Reporter ohne Grenzen eine Visa-Kampagne in Europa gestartet und bitten dafür um Spenden.

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