Technologie

Interview: Kooperation von OpenStreetMap und Wikipedia

Die beiden freien Projekte Wikipedia und OpenStreetMap wollen enger zusammen arbeiten und haben vergangene Woche eine Kooperation vorgestellt. Mit Jochen Topf vom OpenStreetMap-Projekt hab ich ein Interview dazu gemacht.


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netzpolitik.org: Was ist das OpenStreetMap-Projekt?

Jochen Topf: OpenStreetMap (OSM) ist ein Community-Projekt, dass es sich zum Ziel gesetzt hat eine freie Weltkarte zu erschaffen. Ähnlich wie bei der Wikipedia kann jeder mitmachen und das Ergebnis ist unter einer freien Lizenz erhältlich. Freiwillige in der ganzen Welt laufen mit GPS-Geräten herum und erheben Geodaten. Die werden dann in einer zentralen Datenbank gesammelt. Jeder kann diese Daten nun herunterladen und daraus Karten berechnen. Er kann dabei selbst entscheiden, welche Dinge auf der Karte in welcher Form dargestellt werden sollen. Und natürlich stellt auch schon das Projekt einige Beispielkarten zur Verfügung. Weitere Infos gibts auf www.openstreetmap.de.

netzpolitik.org: Was verbindet die beiden Projekte Wikipedia und OpenStreetMap miteinander?

Jochen Topf: Beide sind aus der Idee entstanden, dass Wissen offen und für jedermann nutzbar sein soll. Die Wikipedia sammelt enzyklopädisches Wissen, OpenStreetMap alles, was man für eine Karte braucht. Sie ergänzen sich hervorragend, weil man einerseits für eine Enzyklopädie auch Karten braucht und weil man andererseits häufig zu Objekten auf einer Karte ergänzende Informationen haben will. Viele Informationen dieser Welt haben einen Ortsbezug; Wikipedia und OpenStreetMap haben jeweils Teile dieser Informationen. Zusammen gibt es mehr und bessere Möglichkeiten, diese Informationen zu finden und darzustellen.

netzpolitik.org: Jetzt wurde eine Kooperation vorgestellt. Wie sieht diese konkret aus?

Jochen Topf: Die Wikipedia will, wie viele andere auch, die OpenStreetMap-Karten und -Daten nutzen. Der Wikimedia e.V. hat Gelder für Rechner-Hardware bereitgestellt um erstmal in einer Experimentalphase zu ermitteln, wie man OpenStreetMap-Daten am besten bei der Wikipedia einbinden kann. Schritt für Schritt können dann die Teile, die sich bewährt haben, in den Regelbetrieb übergehen. Als ersten Schritt werden die OpenStreetMap-Daten in eine Datenbank auf einem Wikipedia-Rechner gespiegelt und damit Karten berechnet, die dann in Wikipedia-Artikel als statische und dynamische Karten eingebunden werden. Ein weiterer Rechner ist als Entwickler-Rechner (Map Tool Server) vorgesehen. Mitglieder der Wikipedia und/oder OSM-Community können einen Zugang bekommen, wenn Sie eine Idee haben, wie sie OSM und Wikipedia weiter zusammen bringen wollen.

netzpolitik.org: Gibt es schon Visionen, die über die jetzt vorgestellte Kooperation hinausgehen?

Jochen Topf: Es gibt eine Menge Ideen, wie OpenStreetMap und Wikipedia noch weitergehend gegenseitig voneinander profitieren können. Konkrete Planung gibt es aber nicht. Was es in Zukunft geben wird hängt vorallem davon ab, was die Mitglieder der beiden Communities für Ideen haben und was sie draus machen. Ein Anfang ist auf jeden Fall gemacht und der Map Tool Server erlaubt es auch Leuten ohne große eigene Rechnerresourcen dabei mitzumachen.

netzpolitik.org: Wie kann man bei der Kooperation mitmachen? (Auf Seiten von OpenStreetMap oder auf Seiten der Wikipedia-Community)

Jochen Topf: Wir freuen uns über alle, die Ideen haben und bei der Entwicklung mithelfen wollen. Vorallem Leute, die Erfahrung mit Datenbanken, dem Rendering von Karten oder der Mediawiki-Software haben, sind gesucht. Auf http://meta.wikimedia.org/wiki/OpenStreetMap/de gibt es weitere Infos und den Link zu einer Mailingliste.

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