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Hamburger Erklärung: Google und der Zoodirektor

Malte Welding hat im Blogblick der Netzeitung einen schönen Überblick zur derzeitigen (ziemlich bizarren) Journalismus-/Urheberrechts-Debatte verfasst: Google und der Zoodirektor.


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Verlage gegen Google, Journalisten gegen Blogger, bloggende Journalisten gegen journalistischen Contentdiebstahl – die Lage ist unübersichtlich, aber mit ein wenig Anstrengung entwirrbar. Aber der Reihe nach: Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären Zoodirektor. 50 Prozent Ihrer Besucher kämen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Busunternehmer, Bahn und Taxifahrer bezahlen zwar keinen Cent für die Fütterung der Tiere, verdienen aber sehr ordentlich an den Zoobesuchern. Da ist es doch nur allzu verständlich, dass Sie als Zoodirektor Geld von den Transportunternehmern fordern. «Aber das ist doch Unsinn», sagen Sie, «der Zoodirektor profitiert doch schon von den Verkehrsbetrieben, denn sonst kämen nur Fußgänger.» Aber bedenken Sie doch bitte: Sie sind der Zoodirektor! «Ach so. Ja, dann sollen die bezahlen!» Sehen Sie. So einfach ist das. Und schon haben Sie die Hamburger Erklärung verstanden.

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9 Kommentare
  1. Kurz und knapp erklärt. Was will ich mehr, und dabei noch für die obere Bildungsschicht in Berlin greifbar gemacht, immerhin wollen/sollen sie ja die nächste Generation der Urheberrechtsgesetze voranbringen. ;)

  2. Google sollte mal kurzfristig all die Zeitungen aus dem Index nehmen, die sich jetzt beschweren. Mal sehen wer dann den größeren Schaden hätte.

  3. «Hallo, wir sind vom Welttierkonsortium. Sie sind doch der Direktor von dem Zirkus hier?» «Ja, in der dritten Generation.» «Familie? Wie reizend! Wir wollten Ihnen nur rasch mitteilen, daß wir jetzt Ihre Tiere mitnehmen.» «Pardon?» «Das braucht Sie nicht weiter zu stören. Sie können sie sich jederzeit im Internet angucken.» «Internet?» «Elektronische Werbeplattform. Alles revolutionär. Mit der Zeit gehen, Mann! Broadcast yourself! Digitale Allmende! Sehen Sie, unser Wärter klebt gerade dem Tiger einen Sticker aufs Hinterteil.» «’Kauft Kittekat?’» «Kontextabhängige Werbung!» «Werbung -» «Ja, und eine tolle Werbung für Ihren Zirkus, finden Sie nicht?» «’Kauft Kittekat?’» «Und schauen Sie sich gern auch mal die Tiere aus anderen Zirkussen bei uns an. Open Access!» «Ich bin mir nicht sicher, ob ich das alles will. Ich habe doch hier meinen Zirkus -» «Besitzstandswahrer! Contentmafia! Sie sind wohl auch digital beschränkt?» «Wie bitte?» «Mann, kennen Sie denn überhaupt keine Buzzwords? Wie soll man sich denn mit Ihnen unterhalten?» «Aber ich will doch gar nicht -» «Kein Problem! In wenigen Jahren werden wir eine Tierrechtsregistratur einrichten, und dann können Sie auswählen, ob wir zum Beispiel immer so auf den Arsch mit dem Sticker halten sollen, und der Kopf wird zur Not verpixelt. Solange wir den Sticker im Bild haben, lassen wir das als Fair Use durchgehen.» «Können Sie nicht einfach wieder gehen?» «Sie sind eben noch niemals mit unseren Behörden in Berührung gekommen.» «Sie stehen doch vor mir, und Ihre Kollegen laden gerade die Löwen ein!» «Alle diese Berührungen sind nur scheinbar, Sie aber halten sie infolge Ihrer Unkenntnis der Verhältnisse für wirklich.» «Aber daß Sie mir hier meine Tiere stehlen -» «Wir stehlen nicht. Wissen Sie, wir sind der einzige kommunistische Weltkonzern der Erde. Unser Motto ist: Alles für alle. Wir erheben nur Anspruch auf das, was Sie dann ohnehin haben.» «Hä?» «Auf alles, mein Lieber. Auf alles.» «Ich muß mir das noch einmal in Ruhe durch den Kopf -» «Kein Problem. Schicken Sie jederzeit eine Mail. Hier ist meine Karte.» «Was ist denn dieses a mit dem Kreis drum?» «Wie meinen?» «Da steht, ‚klamm‘, und dann dieses a mit dem Kreis.» «Sie kriegen das schon hin. Fragen Sie doch einfach mal ein bißchen herum! Ihre Seiltänzerin da, die war in den letzten 18 Monaten schon 3457 mal auf einer von unseren Seiten. Ich könnte Ihnen Sachen erzählen… Ah, wir sind komplett. Viel Spaß noch mit Ihrem Zirkus!»

    Witziger Artikel, sonst.

    1. @Oliver Neumann:
      Man kann also über Google vollständige Texte lesen, ohne die Werbung der Urheberseite zu Gesicht zu bekommen?! Google kopiert den Text also und versetzt ihn ausschließlich mit google-eigenen Werbung?!

      Ich denke doch wohl kaum.

      Wenn Nachrichtenseiten wirklich nicht ihre Kontrolle an Google abgeben wollen, müssten diese eine Seite wie nachrichtensuche punkt de oder so als Gegengewicht etablieren. Durch bloßes Indizierungsverhindern (via no robot anweisung) verlieren sie evtl. mittelfristig.

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