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EU-Open-Source-Strategie featuring Microsoft

Die EU entwickelt gerade ihre Open Source Strategie. Bei Wikileaks findet sich ein Dokument, was ein interner Draft sein soll, inklusiver dem Input von Jonathan Zuck, dem Präsidenten der „Association for Competitive Technology“, einer Microsoft-nahen Lobby-Organisation. Es ist ganz interessant, sich das Dokument anzuschauen. Man sieht die Edits, wie überall die Microsoft-Linie in den Text eingefügt wird.

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Unklar ist, inwiefern diese Draft-Version die aktuell diskutierte Version in der EU-Debatte ist. Aber für alle, die sich mit Freier Software und Lobbying beschäftigen, bietet das Dokument einen guten Überblick über verwendete Sprache von Microsoft-Lobbyisten, um die Open Source Strategien von Regierungen zu durchwässern und das eigene Monopol zu schützen.

This file is an edited version of the EU OSS Strategy draft with the input of Jonathan Zuck, President of the Association for Competitive Technology, an organisation that has strong ties with Microsoft[1]

The file is a draft for an expert panel formed by the European Commission. This panel is divided into workgroup (IPR, Open Source, digital life, etc.) ACT and Comptia have been infiltrating every workgroup, even the one on Open Source (WG 7). They are doing the best they can to drown any initiative that would not only promote OSS in Europe but also that could help Europe create a sucessful European software sector.

The audience for this document could be journalists who would be interested in getting to know more how lobbies of all kind influence the European institutions. Here it is perhaps even more stringent as ACT is clearly an US organization with ties to Microsoft. Verifications might not be easy as this is an internal draft. The best contact might be commission personnel: Lars.PEDERSEN@ec.europa.eu ; Michel.Lacroix@ec.europa.eu

It has been leaked as it is important to have the public know how actual policy making is being influenced by lobbies that are precisely under the legal scrutiny of the European Commission. The urgency of the publication of this document is real in the sense that outside pressure would foce the Commission to „clean the committees“ or at least give a lesser credit to the work of this workgroup.

Beschäftigt Euch mit dem Papier, verteilt es weiter und schreibt Euren Politikern und der EU-Kommission mit konstruktiver Kritik und bittet letztere um eine Stellungnahme.

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8 Kommentare
  1. Hallo Markus,

    das ist eine Ente. Ich bin in der gleichen Expert Group und moderiere Standardization, IPR and Interoperability. Ich nehme an, Zuck ist bloss der Moderator/Editor in der Arbeitsgruppe zu Open Source. Aber geheime Strategie von Microsoft klingt natürlich wesentlich spannender als eine langweilige Expertengruppe in Brüssel :)

    Gruss

    Rigo

  2. Ich finde es sehr interessant, die Sprache zu sehen, die bei den Änderungen verwendet wird. Ist sehr aufschlussreich. Und etwas Aufmerksamkeit kann dem Prozess sicherlich nicht schaden.

    Worum gehts denn in Deiner Arbeitsgruppe genau?

  3. What?: „Therefore, there is no clear distinction between [O]pen [S]ource and closed source anymore.“

    Pardon?: „Open Source Software (OSS), also known as Free Software, [..]“

    Bullsh**?: „Such practices, like tenders preferring or mandating OSS or narrowly defined open standards, can be in conflict with European public procurement legislation neutrality and transparency requirements and should be examined more closely.“

    My oh my.

  4. Hallo Markus,

    die Kommission entwickelt nicht ihre Strategie zu Open Source. Sie will ein Whitepaper schreiben. Insofern wäre eine Anpassung Deines Eintrags an die Realität sehr nett. Alle Dokumente sind nur input. Die Kommission muss diesen input nicht nehmen und ist auch nicht auf ihn beschränkt. Nach meiner Einschätzung wissen sie, was sie tun. Die Dokumente sind mithin keine Position der Kommission und werden auch selbst keine Position ergeben, sondern nur den Meinungsstand wiedergeben. Ausserdem sind sie derzeit in einem Entwurfzustand, der jede Schlussfolgerung zur reinen Spekulation werden lässt. Um eine Idee zu bekommen, was ich mache, siehe http://www.ictstandardisation.eu/ Aber wie gesagt, es ist noch zu früh, irgendwas zu sagen. Zu gegebenem Zeitpunkt kann man die Kommission ja fragen, ob sie die input Dokumente auf ihren server stellt und Kommentare erlaubt. Jetzt ist der Zeitpunkt noch nicht gekommen und der hype damit auch nicht hilfreich. Die Arbeitsgruppen sind inzwischen geschlossen, damit eine Arbeit überhaupt möglich wird. Es sind allerdings Vertreter aller möglichen Positionen am Tisch. Ich sehe daher keinen Grund für Aufregung und würde freie Kapazitäten lieber in die Debatte um Netzsperren in Deutschland lenken.

  5. Warum lässt man denn die erklärten Gegner von Open Source ausgerechnet ein gemeinsames Strategiepapier schreiben? Bisschen komisch ist die Kommission aber schon. Jonathan Zuck ist ja nicht einmal Europäer und sein Pseudoverband nimmt keiner ernst. Warum mischen sich denn diese Konzerne aus Übersee überhaupt bei uns in der EU ein? Irgendwo fehlt es doch da oben. Die würde ich achtkant rausschmeissen. Europa wird doch wohl noch seine strategischen Entscheidungen unbeeinflusst von amerikanischen Softwarekonzernen treffen? Immer wenn eine europäische Regierung Open Source machen will, dann steht Microsoft auf der Matte. Diese Penetranz ist einfach unerträglich. Unsere Regierung soll für die Interessen unserer Bürger arbeiten und nicht Softwarekonzernen Geld hinterher werfen. Was haben die Regierungen getan in den letzten 10 Jahren um Abhängigkeiten zu reduzieren? Was haben sie getan für offene Standards? Wenn man schaut wie sich das entwickelt hat, dann sind die Regierungen 10 Jahre hinterher. Wie beim Klimawandel. Wieso erzählt Microsoft immer noch den Politikern, dass offene Standards mit Softwarepatenten kompatibel seien und Patentrechte irgendwas in der Informationstechnik verloren haben. Wie kann man diese Digitale Interessensphäre zurückerobern und unsere Volkswirtschaft vor Erpressung schützen?

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