Kultur

Digitale Entmündigung: Was Dir gehört, gehört Dir nicht

Der Elektrische Reporter thematisiert diese Woche DRM: Digitale Entmündigung: Was Dir gehört, gehört Dir nicht.

Wir finanzieren uns fast vollständig aus Spenden von Leserinnen und Lesern. Unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende oder einem Dauerauftrag.

Elektrischer Reporter – Digitale Entmündigung: Was Dir gehört, gehört Dir nicht

Für Apples iPhone gibt es Unmengen nützlicher Zusatzprogramme, geschrieben von Profi- und Hobby-Programmierern in aller Welt. Aber welche die Kunden letztlich auf ihrem Telefon installieren dürfen, entscheiden nicht sie, sondern Apple. Passt dem Hersteller ein Programm nicht, bekommt es keine Zulassung fürs iPhone. „Für die Sicherheit der Kunden”, argumentiert Apple. „Zur Sicherung von Apples Geschäftsinteressen”, meinen Kritiker, denen solche geschlossenen Systeme ein Dorn im Auge sind.

Das iPhone ist längst nicht das einzige digitale Gerät, bei dem der Hersteller sich Kontrollfunktionen einräumt – auch nach dem Verkauf, auch aus der Ferne. Besitzer von Amazons E-Book-Lesegerät “Kindle” erlebten, wie ihnen die Firma ein elektronisches Buch aus dem Speicher löschte, obwohl sie es ganz legal erworben hatten. Die Nutzer glauben also nur, sie hätten die komplette Verfügungsgewalt über ihre Geräte oder den den darauf laufenden Programmen und gespeicherten Inhalten. In Wirklichkeit bestimmen die Hersteller, was sie damit machen dürfen und was nicht. Kritiker warnen deshalb vor einer digitalen Entmündigung der Verbraucher. Und manche befürchten das verheerende Ende der kreativen Computer-Tüftel-Kultur, wenn Basteleien nur noch mit dem Segen des Herstellers möglich sind.

Hier ist die MP4.

Weitersagen und Unterstützen. Danke!
20 Kommentare
  1. Die Entmündigung geht beim iPhone schon viel früher los. Das Gerät wird offiziell in Deutschland nur via T-Mobile vertrieben und muss vor der Benutzung vom Netzbetreiber aktiviert werden. Selbst nach dieser Aktivierung lässt sich das iPhone bis zum Ende der Mindestvertragslaufzeit nur im T-Mobile-Netz nutzen. T-Mobile bietet keine freie Tarifwahl sondern nur spezielle iPhone-Tarife, die erst auf einem relativ hohen Preisniveau starten. Selbst bei diesen Tarifen lässt sich das Gerät nicht uneingeschränkt nutzen. Wer das iPhone als Modem nutzen will (Tethering) kann dies nicht, da diese Funktion erst vom Netzbetreiber aktiviert werden muss, der dafür einen Aufpreis verlangt – selbst wenn man bereits einen Vertrag mit Datenflatrate hat. Solche Restriktionen von Hardware, die der weitgehenden Kontrolle des Netzbetreibers unterliegt, habe ich noch bei keinem Handy erlebt und nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit werde ich mit Sicherheit den Vertrag nicht bei T-Mobile fortführen. Es gibt zwar (noch) inoffizielle Wege (Jailbreak), diese ganzen Restriktionen zu umgehen, aber eigentlich sollte es Aufgabe des Gesetzgebers sein. zu unterbinden, dass solche Restriktionen von Eigentum überhaupt möglich sind.

  2. Bin gerade beim Stöbern durch die neue ZDF Mediathek auf die aktuelle ER-Folge gestoßen. War ja klar, dass Markus gerade diese Folge sofort verlinkt. ;)

    Was mir nicht klar ist: Ich habe kein iPhone, auch aus Überzeugung. Aber viele Menschen – wie Markus, die vehemente Gegner von DRM und geschlossenen Systemen sind, haben eins. Warum?

    @markus Haben wir (zumindest zum Teil) dir und deinem damaligen Besuch beim ZDF die neue Mediathek zu verdanken? Gab es je eine Rückmeldung / Bestätigung vom ZDF? Sage den ZDF-Leuten doch mal, dass sie die HTML-Version der Mediathek nicht so verstecken sollten. Ich war zuerst total frustriert von dem _noch_ schlechter performenden Flash, bis ich die HTML-Version fand. Wird es neben WMV und Quicktime doch noch offene Formate geben? Weißt du da etwas?

    1. @Tharben: Ich hab ein iPhone, weil es diesen Frühsommer keine ordentliche Konkurrenz auf dem Markt gab. Ganz schön traurig, und ja, ich hab Android ausprobiert. Der Plattform geb ich noch etwas Zeit. Ich möchte auch nicht meine ganze Mobildaten Google noch in den Rachen werfen.

      Zum ZDF kann ich nur sagen, dass die schon mit den Plänen für die neue Mediathek gestartet sind, als ich dort war. Mehr Infos hab ich gerade auch nicht, aber die HTML-Version gefällt mir.

  3. ich finde diese drm sache auch scheiße. trotzdem finde ich es logisch und richtig dass jeder mensch vertraege eingehen darf die seinen wuenschen entsprechen. natuerlich auch hersteller. wenn man nicht einverstanden mit drm angeboten ist, sollte man diese hersteller einfach boykottieren. der markt sorgt dann schon dafür dass es wettbewerber gibt die drm freie sachen anbieten. bei musik hat sich doch inzwischen durchgesetzt dass sie meist ohne drm verkauft wird. und zum iphone gibt es ja auch eine vielzahl an konkurrenz. ist vielleicht nicht so cool, es ist aber halt einfach abzuwaegen was einem wichtiger ist, totale freiheit oder coolness. ich wuerde mich eventuell auch fuers iphone entscheiden, mir ist es aber einfach zu teuer.

  4. Einfach mal anhören und über den Untergang von Atari nachdenken http://chaosradio.ccc.de/cre089.html . Es gibt gute Gründe Systeme wie das iPhone geschlossen zu halten. Ich hör schon das Gejammer – wäh ich hab doch nur 20 Hintergrundprogramme laufen und der Akku ist schon nach 10 Minuten leer. Das System App Store ist schon völlig in Ordnung, was nicht in Ordnung ist: der undurchsichtige Zulassungsprozeß.

  5. Ich wollte lange auch so ein iPhöne. War mir aber zu doof und auch zu teuer. Nun habe icgh ein Android-HTC Magic, die hälfte bezahlt und bisher noch nichts vermisst.

  6. Diese I-Phone Diskussion ist ja mehr als nur bekannt und schon uralt.
    Prinzipiell verstehe ich ja warum Hersteller kontrollieren was sie auf ihren Seiten verkaufen und habe auch nichts dagegen. Was mich nervt ist das ich gezwungen werde bei denen einzukaufen und mich nicht auf anderen Websites (Stores) bedienen kann.
    Jedoch muss man ebenfalls sagen das niemand gezwungen wird ein I-Phone zu kaufen, es gibt genug andere Geräte mit den gleichen Funktionen bei anderen Herstellern und zu anderen Konditionen. Von daher verstehe ich die Kritik an T-Mobile nicht wirklich denn sie zwingen ja niemanden bei ihnen einzukaufen. So ein Handy ist ja immer noch ein Luxusprodukt und von daher muss es auch nicht für jeden erschwinglich sein.
    Die Amazon Sache ist fast noch schlimmer wird da immerhin mein bezahlter Inhalt gelöscht und das ohne Warnung und Rückerstattung. Ich denke aber das Amazon aus diesem Fehler lernt, denn man darf nicht vergessen das diese ganze Industrie noch sehr jung ist und die Infrastruktur sich noch stark verändert. Man kann nicht erwarten das man in kurzer Zeit sämtliche Probleme löst. Dafür ist viel Zeit erforderlich.
    Zum Schluss lässt sich sagen das immer noch der Verbraucher den Markt bestimmt, wenn er das Produkt nicht kauft wird dieses ziemlich schnell vom Markt verschwinden. Und das gilt für jedes Produkt ob nun Handy, DVD oder sonst etwas. Jeder muss für sich selbst entscheiden welche Einschränkungen er für sein Wunschprodukt in Kauf nehmen will von daher denke und hoffe ich das sich der Markt selbst regulieren wird. Wenn nicht muss ich halt akzeptieren das meine Meinung nicht Welt-entscheidend ist und Kompromisse eingehen, aber so ist das Leben.

  7. Hier sprechen permanent alle von Einschränkungen des iPhones…Was stört euch eigentlich? Die reine Tatsache nur woanders nicht einkaufen zu können – ohne diese Option vielleicht zu benötigen?

    Ich habe noch keine Lied nicht im iTunes-Store gefunden und für jede Anforderung, die eine App erfüllen kann, gibt es zig verschiedene gute und schlechte Apps zur Auswahl.

    Ich BRAUCHE faktisch keine anderen Plattformen.

    Das hat nichts mit Bequemlichkeit zu tun, da ich die für mich maximale Schnittmenge von Freiheit und Sicherheit in Höhe von 100% habe.

    Deshalb ist auch der DDR-Vergleich nicht treffend: dort haben Menschen Einschränkungen von Freiheit hingenommen zum Zwecke der Sicherheit. Ich fühle mich aber nicht beschränkt, also wäge ich nicht ab, ob mir das eine oder andere mehr Wert ist.

    Allein die Tatsache, dass Apple ein System geschaffen hat, das für die größtmögliche Anzahl von Menschen den größtmöglichen Nutzen bietet, heißt noch nicht, dass es schlecht ist oder bekämpft werden muss.

  8. Natürlich ist es erst mal das gute Recht von Apple und seinen Partnern Knebelverträge anzubieten um ihren Profit zu maximieren. Der Glaube an den Markt halte ich hier aber für hahnebüchen, denn es gibt keine vergleichbare Konkurrenz im Moment (gut so allmählich kommt Droid). Apple konnte da schön sein Monopol ausnutzen, bei MS gibt das Strafen durch die EU…
    Zweites Problem: Was wenn das jeder macht? Dann ändert sich generelle Besitzverständnis radikal. „Hier du kriegst das geilste Auto, musst aber deine Reifen bei uns kaufen… und die Musik die du darin abspielen willst … und fremde GPS Empfänger werden auch gestört damit du unser eigenes Routenplanersystem benutzt…und verleihen geht nur an Leute die bei uns Kunde sind oder entsprechende Gebühren pro Nutzung zahlen“ …
    Die Frage ist eben wollen wir das? Und wenn nicht, mit welchen Mitteln verhindern wir als Gesellschaft das?
    Für Konzerne mit Rundumversorgung in einem Bereich, bieten sich solche Zwangsmodelle doch geradezu an. Wenn die also den Markt dominieren, dann ist da Essig mit Selbstreinigung des Marktes. Man macht nicht so schnell mal aus dem Stand nen konkurrenzfähigen Sportwagen/Handy usw., weil da viel Entwicklungszeit (Finanzierung…) drinsteckt und man die Patente des „Gegners“ umschiffen oder kaufen muss…

    Kurzum, es treffen hier 2 Welten aufeinander. Einmal das persönliche, was bietet mir der Markt und was davon will ich – mit all seinen Vor- und Nachteilen. Und halte ich gewisse Angebote für gesellschaftlich tragfähig; will ich dass sie die Gesellschaft defacto in ihre Richtung verändern, akzeptiere ich diese Umdefinition von Besitz?

    @cor: Wenn ich mich recht erinnere hat Amazon schon den Kaufpreis rückerstattet (hab das jetzt nicht recherchiert, aber ich meine es gab jeweils ne Gutschrift im Amazon Shop). Bleibt natürlich dennoch bescheuert.

  9. Nochwas zur Selbstreinigung des Marktes: Die DRM-freien Sachen gibt es jetzt aber auch nur so schnell, weil Konkurrenz da ist. Illegale Konkurrenz, Tauschbörsen usw., die eine bessere Qualität liefern, aber außerhalb(!) des Marktes. Gäbe es nicht den gesellschaftlichen Willen, der dem Ergebnis des Marktes zuwider läuft und sich hier über gesetzliche Regelungen hinwegsetzt (was eben nicht in allen Bereichen möglich ist), dann gäbe es imho auch kein (so schnelles) Einlenken des Marktes. Irgendwo muss man seine Musik ja herbekommen und wenn es keine freie Alternative gibt, wird die Mehrheit eben bei der Industrie einkaufen – nur gibt es diese Alternative in diesem Bereich zum Glück.

  10. Selbt schuld, wer sich Produkte von Apple kauft!

    …sehn gut aus und funktionieren. Für alle die sonst keine Ansprüche haben und in sämtlichen Einschränkungen kein Problem sehen sicher ne super Sache.

    Irgendwann kommt der Tag an dem ich kein Geld mehr für irgendwelche Gadgets ausgeben kann, weil es keine mehr gibt, welche meinen Ansprüchen genügen. DANKE APPLE!!!

  11. @Hoffmann aus Stuttgart: Die Menschen aus der DDR haben es eben nicht einfach so hingenommen. Sie wurden unterdrückt und waren an einigen Stellen unzufrieden. Abgesehen davon hinkt der Vergleich zwischen DDR und Apple.
    Jedenfalls finde ich es es scheiße vom Hersteller eines Produktes entmündigt zu werden. Das stinkt stark nach Medienkontrolle. Deshalb auch ein richtiges Buch statt Reader und ein einfacher MP3-Player statt iPhone

  12. Ich finde DRM auch scheisse, aber solange es doofe Kunden gibt die es kaufen (Es wird natürlich generell sehr gut informiert und höchst kompetent beraten und natürlich von jedem Fachverkäufer auf die DRM-Risiken hingewiesen, ebenso auf die Einschränkungen beim iPhone) wird sich nix ändern. :(

  13. Es existiert eine alternative zum iPhone, nämlich das HTC HD2. Meiner Meinung nach ist es sogar besser, wenn man mal auf die specs schaut.
    (Soviel zum Glaubenskrieg)

    Die Geschichte vom Amazon reader hab ich garnicht mitbekommen. Ist ja der Hammer!
    Die Prozeduren des App-Store sind mir nicht bekannt aber ich hab schon von vielen gehört es sei nicht Transparent.
    Ich zumindest begrüße diese Ausgabe des digitalen Reporters sehr. Manchmal muss ein Gegenpol halt auch mal polarisieren um ein ausgewogenes Mittel wiederherzustellen.

    Gruß
    Alex

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.