Die Firma Ipoque gibt nun schon im dritten Jahr eine Traffic-Analyse raus, wo Zahlen präsentiert werden, welche Anteile verschiedene Übertragungsprotokolle am Internet-Traffic haben. Für Deutschland wurde nun die Zahl 53% präsentiert. Soviel soll durch P2P genutzt werden. Nun muss man wissen, dass die Ergebnisse bei weiten nicht repräsentativ sind: Vier Kunden der Firma (3 Unis und ein ISP) stellen ihre Daten zur Verfügung. Und die Firma hat ein Eigeninteresse, weil sie Deep Packet Inspection – Systeme verkauft (Nicht uninteressant in der Netzneutralitäts-Debatte, weil mit der Studie Stimmung gemacht wird).
Einen weiteren Punkt sollte man auch wissen: Die Lobbyisten der Musikindustrie rennen mit den Zahlen zur Politik und verurteilen P2P. Dieter Gorny zieht gerne die Zahl 70% (Ergebnisse der letztjährigen Studie) aus dem Hut, um Politiker vor P2P zu warnen. Das würde ja zuviel Traffic verursachen und natürlich wären das alles nur widerrechtlich kopierte Inhalte. Letzteres kann man gerne zurückweisen, weil der Anteil an legal über P2P kopierte Inhalte rasant ansteigt: Freie Software wird darüber ebenso verteilt, wie Medieninhalte oder Updates von Software.
Bleibt die hohe Zahl, die von Ipoque jährlich in die Debatte geworfen wird und worüber Medien gerne berichten. Aber ist die wirklich so hoch und wie repräsentativ ist diese Zahl? Ich hab mal beim DE-CIX, dem zentralen deutschen Internetknoten in Frankfurt nachgefragt. Und dort erhielt ich eine andere Zahl:
Beim DE-CIX werden bei einem Durchsatz von ca. 600 GBit / Sekunde etwa 35% P2P-Traffic gemessen (+\- 3%). Dabei werden die verschiedene P2P-Protokolle zusammengezählt. Und diese Zahl dürfte wesentlich repräsentativer für den deutschen Internet-Traffic sein.