Generell

D: 4,9% der Viertklässler in einer rechten Kameradschaft?

Gestern haben Wolfgang Schäuble und Prof. Dr. Christian Pfeiffer (Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V. (KFN)) eine „eStudie“ über „Jugendliche in Deutschland als Täter und Opfer von Gewalt“ vorgestellt.

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Laut BMI-PM sind in diesem Forschungsprojekt in „61 zufällig ausgewählten Landkreisen und kreisfreien Städten rund 53.000 Schülerinnen und Schüler der vierten und neunten Jahrgangsstufen befragt worden“.

Etwas verwundert bin ich über das Ergebnis der Studie:

Mit großer Sorge sieht Prof. Dr. Pfeiffer die von den deutschen Jugendlichen berichteten ausländerfeindlichen Einstellungen und Verhaltensweisen. So seien rund 14,4 Prozent der befragten Jugendlichen als „sehr ausländerfeindlich“ einzustufen (19 Prozent der Jungen, 9,6 Prozent der Mädchen). Von den befragten Jungen und Mädchen gaben zudem 4,9 Prozent bzw. 2,6 Prozent an, Mitglieder einer rechtsextremen Gruppe oder Kameradschaft zu sein. Auf antisemitische Einstellungen lassen die Antworten von 6,4 Prozent der Jungen und 2,1 Prozent der Mädchen schließen.

Ich glaube schon, dass es unter jungen Menschen viel ausländerfeindlichkeit gibt und das wir da ein großes gesellschaftliches Problem haben. Aber ich frage mich, ob die Zahlen überhaupt stimmen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass 4,9% der Jungen und 2,6 % der Mädchen in einer rechten Kameradschaft Mitglied sind. Zumal Viert- und Neuntklässler interviewt wurden. Die sind im Durchschnitt 10 oder 15 Jahre alt.

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14 Kommentare
  1. Ich kann mir auch vieles vorstellen. Aber dieses Ergebnis repräsentativ sein soll… leider nicht.

    Es gibt sicherlich eine gewisse Offenheit und Toleranz bei Kindern und Jugendlichen, auch für „sonderbare“ Orientierungen. Gleichsam aber ist besonders Toleranz und Offenheit gegenüber Fremden Menschen und auch fremden Kulturen zu finden. Vorurteile, Ressentiments und Einschränkungen durch „enge Regeln“ – wie sie ja besonders in den angeführten Gruppierungen vorgelebt werden – treffen da auf wenig Gegenliebe.

    Fest steht aber, dass Subkulturen – egal welcher Couleur – schon immer eine besondere Anziehungskraft auf Teenager hatten und vermutlich auch weiterhin haben werden. Hier liegt es nun an der Gesellschaft, den Kindern und Jugendlichen zu beweisen, welche Weltanschauung und welches System und Gesellschaftsform am besten menschlich, tolerant, offen und ehrlich sein kann. Dazu muss sie aber auf die Bedürfnisse eingehen und sie nicht nur einfach mit Erwartungen konfrontieren.

  2. Ich habe die Studie nur mal kurz überfolgen insbesondere den Bereich „Durchführung der Befragung“ Seite 29ff und ich muss sagen das ich dort einige Methodische Schwächen sehe. Wenn man Kindern und Jugendlichen Fragebögen von bis zu 43 Seiten gibt die sie in der Schule über einen Zeitraum von bis zu 4 Stunden ausfüllen müssen, dies ist deutlich länger und umfangreicher als Klassenarbeiten, muss man gerade in dieser Altersgruppe mit starken Abwehrreaktionen rechnen. Wenn dann nur eindeutig nicht oder sehr Falsch ausgefüllte Fragebögen ausgefiltert werden und das Fragebogen Design nicht bekannt ist und insbesondere hier der Einsatz von Kontrollfragen muss man schon Zweifel an der Aussagekraft dieser Studie bekommen.
    Insbesondere bei Themen bei denen sich Kinder darstellen können, wie Computerspiele und Gewalt, muss hier besondere Vorsicht herrschen.

  3. Sollte dem so sein, hat die Schule versagt. Zumindest was den Geschichtsunterricht angeht. Und die Eltern haben auch versagt, weil sie ihre Sprößlinge nicht aufklärten.

    Wahrscheinlich läßt sich das Problem durch Internetsperren und Schülerdatenbanken lösen. Hat die Blondine sich schon geäußert?

  4. Ich finde es ja imemr ganz nett, dass die solche Studien in einem Bundesland machen und dann als repräsentativ für ganz Deutschland hinstellen. Wenn ich in Berlin die Menschen mit Migrationshintergrund zähle und dann sage, dass in ganz Deutschland x Menschen mit Migrationshintergrund leben, würde mir das auch keiner abnehmen.

  5. Laut SZ beziehen sich diese 4,9 Prozent auf die Neuntklässler. Die meisten Viertklässler sind doch noch total unpolitisch (naja Neuntklässler meistens auch). Aber der Vergleich, dass die rechten Organisationen genauso viele Mitglieder hätten, wie demokratische Jugendverbände, das möchte ich doch eher bezweifeln und wenn es wirklich so ist, muß sich daran schnell etwas ändern.

  6. Schon bemerkenswert, daß ihr das nur normativ und gar nicht inhaltlich behandelt. Die Kinder sind nur nicht ausreichend mit demokratischer Propaganda bestrahlt worden? Ist ja wie früher…

  7. Traue keine Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!
    Viertklässler in einer rechten Kameradschaft!
    Die wissen noch nicht mal was das ist!
    „Mutti ich geh mal mit meinen Kumpels ein paar Linke verkloppen.“ „Ist gut Schatz, um 18:00 Uhr bist du aber wieder zuhause.“

  8. Heute in der Taz z.B. dies:

    „Mit 13 Jahren kam ich in die Szene, über meinen damaligen Freund, könnte ich jetzt irgendwie entschuldigend erzählen. Dass ich in einem Heim groß wurde, keinen tollen Schulabschluss machte, wohl auch. Aber so einfach will ich es mir jetzt auch nicht machen. Ich war eine Rechtsextremistin, ich war nicht bloß eine Mitläuferin, ich wusste genau, was ich tat.“

    http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/schwerer-ausstieg/

  9. In meinen Augen ist das Ergebnis der Studie nicht wirklich verwunderlich, da die Bundesregierung schon seit Jahren die Mittel zur Prävention gegen rechtsextremes Gedankengut drastisch kürzt. Wer weniger Geld zur Bekämpfung von rechtem Gedankengut ausgibt, der muss sich über solcje Folgen auch nicht wundern.

    In den Schulen muss eindeutig mehr Aufklärungsunterricht stattfinden und die Mittel zur Bekämpfung gegen rechtsextremes Gedankengut müssen endlich wieder erhöht werden. Auch sollte man mal darüber nachdenken die Strafen für das Verteilen von „Schulhof-CDs“ und anderem Material, mit dem die rechtsextreme Szene die Schulen überschwemmt, zu erhöhen und konsequent umzusetzen.

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