Letztes Mal Polylux

Ein letztes Mal meldet sich das Kommando Tito von Hardenberg mit einer Pressemitteilung zu Wort, bevor es sich dann heute Abend nach der Polylux-Sendung auflösen wird: Fragwürdige Recherchemethoden waren Ausgangspunkt der Polylux-Aktion.

„Sinn und Zweck der Aktion war es, am Beispiel Polylux auf fragwürdige Recherchemethoden in der Medienlandschaft hinzuweisen.“ Eine einfache Google-Suche hat ergeben: Polylux sucht oft mittels Anfragen in Internetforen nach Protagonisten für Beiträge. Egal ob Speed-User, Sektenaussteiger, überforderte Studenten oder Menschen ohne Beziehungserfahrung – stets kommt das „Frischfleisch“ für die nächste Sendung aus der „lieben Community“ im Internet. Ob es es sich bei dieser Art der Protagonnisten-Akquise überhaupt um Recherche handelt, ist fraglich.

„Die Methode, mit einer offenen Anfrage in Web-Communities nach Protagonisten zu suchen“ so Ingrid Hüpenbecker weiter, „birgt die Gefahr, schnell an falsche Gesprächspartner zu geraten. Eine qualitative Recherche nutzt persönliche Kontakte im jeweiligen Umfeld, um an glaubwürdige Interviewpartner zu gelangen, und bietet nicht jedem, der gerade will, die Möglichkeit, irgendetwas in eine Kamera zu sprechen.“
Ingrid Hüpenbecker erklärt: „Das Kommando Tito von Hardenberg löst sich hiermit feierlich auf und freut sich bald andere Medienguerilleros im Fernsehen wegzappen zu dürfen. Wir wünschen Polylux für die Zukunft alles Gute. Bleiben Sie stark.“

Auf der Seite finden sich eine Vielzahl von Beispielen. Aber es ist nicht nur Polylux. Man kann einfach mal nach vielen Sendungen suchen, die ein ähnliches Schema verfolgen wie Polylux und man findet bei vielen Stichproben ähnliche Beispiele.

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4 Ergänzungen

  1. Was ein Blödsinn. Ein Journalist, der nur über „persönliche Kontakte“ Recherche betreiben will, kann genau so oft Schiffbruch erleiden – oder sucht sich im Zweifel die Gesprächspartner demnach aus, damit sie seiner vorgefassten Meinung am besten entsprechen.

    Die Hedonisten hatten ihren Spaß – als Botschafter des Qualitätsjournalismus taugen sie jedoch wenig.

  2. Man darf gespannt sein, ob die Polylux-Sendung kritischer mit der eigenen Recherche-Leistung und dem grundsätzlichen Vorgehen Stories zu finden umgehen wird, als das in dem von Dir zitierten Statement der Fall war.
    Das Statement klang für mich, als wäre das Problem nicht erkannt und der Buhmann woanders gesucht worden.
    Ich bin gespannt, ob es Antworten darauf gibt, wie man der Story aufsitzen konnte, ob sie gegengeprüft wurde, wie viele Quellen geprüft wurden etc..

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