Kultur

Die Hilfstruppe der vierten Gewalt

Jetzt.de berichtet über „Die Hilfstruppe der vierten Gewalt„. Gemeint sind damit Projekte aus dem Bereich „Bürger-Journalismus“ aus den USA, die teilweise Open Source Strategien anwenden, um viel mehr Menschen in Prozesse einzubinden. Dafür entwickeln sich auch neue Begriffe. „Distributed journalism“ nennt dies Jay Rosen, andere sprechen von „Networked Journalism“ oder „Open Source Journalism“.


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Auf jeden Fall gibt es in den USA schon einige nette Beispiele. Das Teil-Projekt „Superdelegate Watch“ von „Off The Bus“, was wiederum bei der Huffington Post angesiedelt ist, hat innerhalb kurzer Zeit die 700 Super-Delegierten der Demokraten kollaborativ porträtiert, die den Präsidentschaftskandidaten mitbestimmen. Das Ergebnis kann man auf einer interaktiven Karte anschauen.

Etwas neidisch kann man auf VideoTheVote sein. Das Prinzip ähnelt unseren Wahlcomputer-Wahlbeobachtern. Aber im Gegensatz zu Deutschland dürfen die in den USA wohl in den Wahllokalen Videos aufzeichnen. Das wurde in Deutschland immer mit Verweis auf die Wahlordnung verboten, wie sich erst zuletzt beim grossen Aktionstag in Hessen zeigte.

Ian Inaba ist von den Zahlen nicht überrascht: „Der Irakkrieg, der Wahlbetrug der Republikaner in Florida im Jahr 2000“, zählt der Gründer von Videothevote routiniert auf: „Die großen Medien haben es versäumt, die Demokratie zu schützen.“ Deshalb gründete Inaba die Hilfstruppe der vierten Gewalt: Videothevote sei „ein Netzwerk aus politisch involvierten Menschen, Demokraten und Republikanern“, die eine Videokamera und ein Mobiltelefon besitzen und sich bereiterklären, an Wahltagen den Prozess der Stimmabgabe zu dokumentieren. Es habe in den USA immer wieder Vorfälle gegeben, erzählt Inaba, bei denen Menschen der Zugang zum Wahllokal erschwert wurde und Wahlmaschinen offensichtlich manipuliert worden waren. Seine Idee: Ein Video kann man nicht übersehen, „die gefilmte Aktion spricht für sich selbst“.

Bei der Vorwahl von Pennsylvania startet Videothevote jetzt den ersten Testlauf für die Präsidentschaftswahl im November. Die Initiative hat eine kostenlose Hotline eingerichtet, bei der Menschen Unregelmäßigkeiten melden können. Inaba sieht Videothevote nicht als Konkurrent der Mainstream-Media, sondern als Ergänzung. „Die Mainstream-Medien haben die Reichweite,“ sagt er, „wir haben die Masse an Mitarbeitern. Ich möchte, dass die Medien vollständige, wahre und wichtige Informationen liefern.“ Klingt gut, scheint allerdings sehr kompliziert zu sein.

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Ein Kommentar
  1. Ein Video kann man nicht übersehen, „die gefilmte Aktion spricht für sich selbst“.

    So gut ich die Einmischung der Bürger in derlei Prozesse und das Engagement finde, so problematisch sehe ich diese Aussage.

    Was hier praktiziert wird, ist den Argumenten der Kontroll- und Überwachungsbefürworter nicht unähnlich.
    Die Videoaufzeichnung schrecke ab (hier: vor Manipulation) oder aber sei geeignet, Vorfälle zu dokumentieren.

    Vor allem aber stößt mir die vermeintliche Objektivität des bewegten Bildes auf.

    Inwiefern spricht dieses für sich selbst? Ohne Erläuterungen und Einordnung, ohne Hintergrund und Zusatzinformation zeigt sich alles mögliche – da eben vieles auch nicht gezeigt wird.

    Ich bin besorgt und überrascht, wie leichtgläubig unsere „Bildschirmgesellschaft“ immer noch gegenüber dem aufgezeichneten Bild ist – als ob dort irgendeine Wahrheit abgebildet würde.

    Insofern: Lob für diese Aktion, aber bitte mit Selbstreflektion.

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