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Deutsche Bibliotheken online nutzen

Wie heise zu entnehmen ist, starten schon ganze vier Bibliotheken in Deutschland das Portal Bibliothek Digital, über das sich Werke auch online ausleihen lassen. Dazu muss man einen Bibliotheksausweis von einer der teilnehmenden Bibilotheken (Hamburg, Köln, München und Würzburg, sieben weitere sind derzeit geplant) besitzen und sich online registrieren.

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Ein zusammen mit der Firma DiViBib entwickeltes DRM-System für PDFs und Windows Media Files soll dafür sorgen, dass man nach der „Onleihe“ das Buch auch nicht mehr zurückbringen braucht (Zitat: „Eine Rückgabe ist somit nicht nötig und es fallen keine Mahngebühren an.“). Das Wiesbadener Unternehmen verhandelte mit verschiedenen Verlagen über die Rechte, als Ergebnis steht wohl ein Wildwuchs von Druck- und Kopierrechten innerhalb des DRM-Systems, welche Werk-spezifisch erteilt werden oder eben nicht.

Sind wem noch andere Angebote deutscher Bibliotheken bekannt, die eine Onlineausleihe ermöglichen?

Im Wuerzblog berichtet der Betatester Ralf über technische und organisatorische Erfahrungen aus der Testphase. Die Würzburger Bibliotheken bieten lediglich 10 000 Medien an. Ein ausgeliehenes Wert kann man nicht zurückgeben, wenn man sie nur kurze Zeit benötigt. Es ist immer für sieben Tage ausgeliehen und damit in der Zeit nicht wieder entleihbar.

10 Kommentare
  1. Allein das DRM-System disqualifiziert die digitale Ausleihe für mich als Linux-Nutzer – schade das zwar viel über „offene Systeme“ geredet wird, aber sehr wenig gehandelt wird.

    Auch mir ist bewusst das sich die Verlage quer stellen, aber dann soll man doch bitte direkt verkünden dass das System (mal wieder) nur Nutzern von Windows möglich ist und man am Copyright gescheitert ist.

    MfG

  2. Die Idee an sich finde ich super. Die Umsetzung allerdings ist nicht so toll (WMV, WMA, DRM)
    Außerdem ist DRM ungeeignet, Werke zu schützen.

  3. Ich halte die Idee aus drei Gruenden fuer eine Totgeburt.

    1. DRM ist gefaehrlich!

    2. Die Information, die ich haben will bekomme ich auch ohne eine Online Bibliothek und das ohne DRM und ohne einen Bibliotheksdailer… Allenfalls zum Bestaetigen von Informationen wuerde das was Taugen.

    3. Buecher: Wenn ich mir in einer Bibliothek ein Buch ausleihe, dann weil ich einen Buch lesen will und nicht PDF/WMV/WMA. Das hat schon beim Ebook nicht geklappt…

  4. Die Bibliothek der Uni Hamburg bietet auch schon
    seit einiger Zeit DRM-geschütze PDF-Dateien zum
    Download an. Unter Linux lassen sie sich leider nicht
    nutzen. Ich finde es schade, dass für Linux keine
    DRM-Lösung für PDF-Dateien auf den Markt ist, da ich
    so ausgesperrt bleibe.

    @ kobald: Ob DRM ungeeignet ist, Werke zu schützen,
    ist eine Frage des Standpunktes. Immerhin verhindert
    es, dass ich die PDF-Datei unter Umgehung des
    DRM-Systems nutzen kann. Sicher, irgendwann wird es
    einen Hack geben, aber dann werden die Anbieter halt
    einfach auf eine Version des DRM-Systems upgraden.

  5. Laut der Website ist die „Onleihe“ in München ebenfalls erst geplant und noch nicht eröffnet.

    Naja, wegen DRM wird das sowieso nichts.

  6. ich bin gerade zu faul das bei divibib nachzusehen, aber kann man eigentlich, mit pdf2ps oder pdftk, die drm-pdfs aus der „onleihe“ in drm-freie formate konvertieren? oder hat der hersteller das bedacht?

  7. niwi: “ irgendwann wird es einen Hack geben“

    Den wird es geben, doch so kompliziert muß man es gar nicht machen, denn wenn es Bücher oder Zeitschriften sind, reichen Screenshots.Die kann man ausdrucken und mittels Schrifterkennungssoftware wieder in „normale“ Dateien zurückverwandeln. Das ist natürlich unfein und unfair der Bibliothek gegenüber und dem, der sowas macht und damit die Bibliothek schädigt, gehört auf die Finger gehauen.

    Die Kosten die durch DRM erzeugt werden, stehen in einem ungünstigen Verhältnis zum Nutzen.
    Doch davon abgesehen, halte ich ein Buch lieber in Händen, als es am Bildschirm zu lesen. So ein Buch kann ich nämlich ins Bett und in die Wanne mitnehmen, bei meinem Rechner wäre das ziemlich umständlich. ;-)

    Grundsätzlich gilt: Sobald sich eine Datei auf meinem Rechner befindet, kann niemand mehr kontrollieren, was ich damit anstelle (vorausgesetzt, ich habe die nötigen Fähigkeiten.)

  8. Ich finde es reichlich abstrus, dass ein digitales Buch nur von einer Person ausgeliehen werden kann. Da wäre doch gerade im Gegensatz zur materiellen Gütern die nicht-rivale Nutzung möglich. Was ist die Idee dahinter? Ist es bei Bibliotheken so, dass man bei nur wenigen materiellen Exemplaren von Büchern darauf spekuliert, dass derjenige, der das Buch gerade nicht ausleihen kann, weil es schon verliehen ist, dass Buch dann kauft? Solange man digitale Versionen von Büchern so behandelt als seien sie materiell ist nicht viel gewonnen. Für wissenschaftliche Zwecke ist so eine Online-Ausleihe aber generell sehr praktisch. Da will man nicht unbedingt ein Buch in der Hand haben, dass man auch zum schmökern mit ins Bett nehmen kann. Mit diesem DRM-Zeugs kann ich es aber nicht nutzen.

    Die Standard Security-Features von PDFs, die zum Beispiel das Drucken verhinden, kann mit pdf2ps und ps2pdf meiner Erfahrung nach gut umgehen. Aber so Klick-Software à la Elcomsoft für Windows macht das komfortabler. Aber keine Ahnung wie dieses DRM von den Bibliotheken funktioniert. Das muss dann wohl noch außerhalb des PDFs als solchem sein aber dennoch irgendwie damit verkettet (soweit meine naiv technische Vorstellung)

  9. Achso, das ist dann das äquivlent zu den Anschaffungskosten für ein weiteres physisches Buchexemplar. Was wären die alternativen Wirtschaftsmodelle? Einfach „skip the intermediaries“ oder ist da auch was mit Verlagen denkbar? Das mit dem „skip the intermediaries“ funktioniert schon bei Open-Access aus Reputationsgründen und Collective-Action-Problemen in der Praxis zumindest in der Sozialwissenschaft nach meiner Wahrnehmung mehr schlecht als recht.

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