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Bundestrojaner: (K)ein Wort des Jahres

Zum Wort des Jahres hat es der Bundestrojaner leider nicht geschafft. Hier setzte sich die „Klimakatastrophe“ bei der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) durch. Herdprämie, Lustreisen, Raucherkneipe und Dopingbeichte waren auch noch besser bewertet. Aber auf PLatz 8, direkt nach dem „Second Life“ findet sich dann endlich der Bundestrojaner. Das berichtet die Taz: Langweiliger Sieger.…

  • Markus Beckedahl

Zum Wort des Jahres hat es der Bundestrojaner leider nicht geschafft. Hier setzte sich die „Klimakatastrophe“ bei der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) durch. Herdprämie, Lustreisen, Raucherkneipe und Dopingbeichte waren auch noch besser bewertet. Aber auf PLatz 8, direkt nach dem „Second Life“ findet sich dann endlich der Bundestrojaner. Das berichtet die Taz: Langweiliger Sieger.

Platz acht hält der „Bundestrojaner“ – eine weitere interessante Wortschöpfung, für mich hätte dieses Wort sogar Rang eins verdient. Die Ermittler nennen ihre Schnüffelsoftware übrigens „Remote Forensic Software“ (RFS). Wenn „Bundestrojaner“ da kein Gewinn ist. Und im Gegensatz zum wertneutralen Begriff „Online-Durchsuchung“, den die Bundesregierung bevorzugt, hat „Bundestrojaner“ eine eindeutig negative Konnotation, schließlich bezeichnet Trojaner den Krempel, den Virenschutzprogramme für gewöhnlich von der Festplatte halten. Und wir denken ans „Trojanische Pferd“. Ein klassisches Beispiel dafür, wie man mit einem Begriff die öffentliche Meinung steuern kann – was der „Herdprämie“ nicht ganz so erfolgreich gelang.

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


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9 Kommentare zu „Bundestrojaner: (K)ein Wort des Jahres“


  1. „langeweile“ ist das richtige wort-als kommentar zeigt es aber auch, wie w i r bereits abgestumpft sind, wenn uns ein wort, dessen bestandtteil „KATASTROPHE“ ist, keineswegs aufrüttelnd vorkommt.
    schaeubles bezeichnung „onlinedurchsuchung“ passt in das übliche schema „entschärfung durch sprache“-banken verspekulieren sich ja auch nicht und machen mit ihnen nicht gehörendem geld horrende verluste, sie machen bloss „wertberichtigungen“.
    tel aviv (wie der franzose sagt)


  2. Ich hatte ja gedacht, dass sich das Wort Terrorgefahr (oder etwas ähnliches) Wesentlich weiter vorne platziert… baer wahrscheinlich lese ich nur die falschen Blogs ;)


  3. […] Deutschland hat es nicht für Platz eins gereicht, dafür aber in der Alpenrepublik. Das kann auch daran gelegen haben, dass dort die Leute per […]


  4. Klimakatastrophe sind für mich 10.000 Leute, die durch Ihre Bali Reise die CO2 Emission auf die Spitze treiben, da so gut wie nichts bewegendes ausgehandelt wurde.

    Vielleicht sollte man sich das nochmal überlegen und das Wort eher zum Unwort küren – teilweise geht es ja nicht unbedingt um die Rettung der Erde, sondern um höhere Abgaben (so kommt es mir zumindestens gelegentlich vor.…)


  5. […] Zum Wort des Jahres hat es der Bundestrojaner leider nicht geschafft. Hier setzte sich die “Klimakatastrophe” bei der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) durch. Herdprämie, Lustreisen, Raucherkneipe und Dopingbeichte waren auch noch besser bewertet. Aber auf Platz 8, direkt nach dem “Second Life” findet sich dann endlich der Bundestrojaner. Österreich ist besser: “Bundestrojaner” ist Wort des Jahres in Österreich. […]


  6. […] zum WORT DES JAHRES . Die engagierten deutschen Kollegen @ Netzpolitik haben – unter deutschem Leidensdruck – leider ein wenig zu früh gratuliert : Der Begriff hätte sich in beiden Staaten wohl eher als […]


  7. Bundestrojaner, Second Life, oh mann, soweit ist es gekommen … wo ist das Niveau in der verbalen Medienwelt .. traurig aber Realitaet ..


  8. Tja, und wieder so etwas auf den ersten Blick „unspektakuläres“ für 2008: http://www.derwesten.de/nachrichten/2008/12/11/news-97484818/detail.html Finanzkrise! Mich würde jetzt interessieren, wie die Auswahl ausfallen würde, wenn Normalbürger sie träfen, und nicht die Gesellschaft für deutsche Sprache. Dann könnte man sich darüber unterhalten, inwiefern diese Wörter das Befinden der Kultur widerspiegeln.

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