Generell

Urheberrechtsexpertin im ARD-Morgenmagazin

Am letzten Montag hatte das ARD-Morgenmagazin als Expertin für Tauschbörsen, Urheberrecht und Download-Plattformen die „Expertin“ Christine Tantschinez von der Fachzeitschrift Audio im Studio. Ich habs nicht gesehen, aber von sehr vertrauenswürdiger Quelle einen Bericht per Mail erhalten, inkl. dem Expertenchat nach der Sendung. Dieser Expertenschat ist nicht im Netz zu finden, schade eigentlich – und warum eigentlich nicht?. Normalerweise blogge ich sowas nicht ohne öffentlich einsehbare Quelle, allerdings vertraue ich meiner Quelle (die sogar von anderer vertrauenswürdiger Quelle per Jabber bestätigt wurde – ging wohl über IRC in bestimmten Kreisen) und in dem Transcript gibt es einfach einige Dinge, die man mal besprechen sollte – für ein vertrauenswürdiges Medium, wie die ARD eins ist.

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bambi89baer: Ist es erlaubt musikstücke aus Tauschbörsen runterzuladen wenn man selbst keine Dateien freigibt. Es hieß mal nur das reinstellen wäre illegal aber nicht das runterladen wenn man keine Dateien freigibt. ist das richig

Ch. Tantschinez: Nein, auch der Download ist illegal. Denn man kann davon ausgehen, dass diese Datei unrechtmäßig online gestellt wurde (es sei denn, es steht explizit dabei, dass alle Rechte gewährleistet werden). Und eine unrechtmäßige Kopie zu erwerben ist eben illegal.

Dies ist inkorrekt – und dafür gibt es den „zweiten Korb“ – um dies zu konkretisieren. Nach derzeitigem Stand verklagt die IFPI beispielsweise nur Uploader, weil die Downloader gute Chancen hätten, vor Gericht zu gewinnen. Die Aussage ist also falsch – es ist nicht illegal, etwas zu downloaden!

harry: Bei musicload und anderen Anbietern bekomme ich ausschließlich DRM-Dateien, die ich unter Linux nicht abspielen kann. Wo bekomme ich legal DRM-freie Songs?

Ch. Tantschinez: DRM ist die Grundlage aller Downloadshops. Ohne DRM würden die Plattenfirmen nicht mitmachen. Deswegen setzte ich auch einen „Windows PC“ vorraus, um diese DRM-Daten abzuspielen.

Dies ist auch falsch. Madonna & Co bekommt man nur bei den kommerziellen Downloadportalen. Als Linux-Nutzer habe ich gar keine Chance, Musik online zu erhalten, was eine Frechheit ist und unverschämt! Aber ganz viel Musik bekommt man trotzdem legal bei Portalen wie emusic.com und finetunes.de.

Also Aussage falsch und federführend.

mauszwerg: Was macht ein Download-Portal legal? Das es is Deutschalnd ist, daß man etwas bezahlt für Songs oder ….? Wie erkenne ich legale Anbieter?

Ch. Tantschinez: Legale Anbieter haben Verträge mit Plattenfirmen und nutzen DRM, um die Rechte der Plattenfirmen zu wahren. Das ist das einfachste Erkennungsmerkmal.

Siehe oben: Falsch und irreführend: Frau Tantschinez, auch wenn Sie es vielleicht nicht wahr haben wollen – es gibt auch Labels und Künstler, die nicht bei dem Top4-Oligopol unter Vertrag sind. Eine riesige Menge sogar – wenn auch nicht Madonna!

Leider gibt es auf der Seite leider nur einen Teil des Gespräches mit der „Expertin“ als Interview. Anscheinend ging es noch länger (was ich hörte) und die „Expertin“ versteifte sich sogar zu der Aussage, dass die Nutzung von Tauschbörsen die eMule illegal sind. Auch hier wieder der Hinweis für Frau Tantschinez: Es gibt auch legale Quellen in Tauschbörsen, ich selbst stelle diese beispielsweise dort ein und mit mir viele Künstler und Aktive, die freien und/oder offenen Content schaffen wollen.

Ich poste jetzt nicht das Ganze mir zugeschickte Transcript, es würde einfach nur peinlich werden…. Hallo ARD – ich hab bisher dem Öffentlich-rechtlichen Fernsehen vertraut, wenn es um verlässliche Informationen ging…

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17 Kommentare
  1. Ich habs gesehen und mich gleich gewundert was die Frau fuer nen Bloedsinn erzaehlt. Zumindest hat sie etwas zu stark pauschalisiert – schade. Hat mich gleich an RTL oder Sat.1 Planetopia erinnert.

    Wenn ich nicht zur Arbeit haette gemusst, haett ich liebend gern im Chat gesessen.

  2. "ich hab bisher dem Öffentlich-rechtlichen Fernsehen vertraut, wenn es um verlässliche Informationen ging…"

    Das scheint zumindest in diesen Bereichen nicht mehr möglich zu sein. Äußerst bizarr das Ganze. Zeigt auch wie gut die interne Qualitätskontrolle funktioniert. Sowohl bei ARD als auch bei dieser Fachzeitschrift

  3. Ohja, ich habe den Auftritt im Morgenmagazin für ein paar kurze Augenblicke erlebt, schon halb auf dem Weg zur Arbeit. Allein die Erkenntnis, daß der Betrieb von P2P-Software per se illegal ist, hat mich dazu bewogen, den Mist lieber auszuschalten… Andererseits, was will man erwarten, die öffentlich-rechtlichen Morgenmagazine befinden sich bezüglich Inhalt und Kompetenz seit einiger Zeit quasi im freien Fall (wenn die Moderatorin, die in der Sendung mit Mrs.Tantschinez gesprochen hat, über politische Themen zu berichten beginnt, spüre ich jedes Mal aufs Neue einen gewissen Würgereiz). Zuschauer-Post hilft leider nur bedingt…

  4. Das schockiert oder überrascht mich nicht wirklich, nachdem ich die ganze Debatte und das ganze Durcheinander um DADVSI gesehen habe.

    Man kann nunmal nicht erwarten, daß die Schlipsträger der oberen Etagen etwas davon verstehen, und dann kann da jeder ankommen und so tun, als wäre er ein "Experte".

    "Experte" ist nicht umsonst inzwischen ein Schimpfwort.

  5. Da greift der Lobyismus der Musikindustrie.
    Auch wenn irgendwann einmal die illegalen Downloads aus der Welt geschafft sind,wird sich die MI nicht über bessergehende Geschäfte freuen können.
    Das Problem ist hausgemacht.

    Einerseits will man jedem Erdbürger das I-net zugänglich machen,andererseits
    ist jeder dann auch ein potenzieller Raubkopierer.

    Das Problem wird also von Politikern,der MI,und den Lobbyisten "gelöst".
    Der normale Bürger und I-Net nutzer hat nichts zu melden.

  6. Sorry, aber ich bekomme den Eindruck, ihr wollt partout nicht wahrhaben, dass viele Musikangebote per Internet schlicht illegal sind.
    Das Urheberrecht ist da eigentlich doch ganz simpel und auch logisch: Die Verwendung der Musik bedarf der Zustimmung des Eigentümers. Und das ist nicht der Konsument, der Hörer. Auch wenn er es gerne glaubt, weil er ja die Platte oder CD liebt und "besitzt". Nee, der Eigentümer ist immer noch der Macher dieser Musik, also die Komponisten, Interpreten, Produzenten. Wie beim Patent.
    Es gibt kleine Ausnahmen. Wie gesagt: Ausnahmen(!), die von Euch, die ihr die Musik einfach nur kostenlos haben wollt, immer wieder in den Vordergrund gerückt werden, als gäbe es ein Grundrecht auf Musikdiebstahl.
    Wie würde ein Befürworter wohl schimpfen, wenn ich mir einfach sein Auto mal ausleihe, denn es steht ja einladen auf der Straße rum, und mir gefällt Farbe und Typ und ich fahr so gern Auto.
    Danke fürs Zuhören.

  7. @Blanche
    Knapp am Thema vorbei. Geht eher um falsche Informationen in der ARD. Zum anderen gibt es so etwas wie Verbraucherschutz. Der sollte verhindern dass etwas wie DRM verwendet wird. Die einzigen Leute die geschädigt werden, sind die Dummköpfe, die sich tatsächlich den DRM-Mist kaufen. Die Kopierer juckt DRM doch nicht wirklich…

    Und wenn Du bei blöden Autovergleichen bist, dann stell Dir vor Du hast ein Auto, wo Du jeden einzelnen Strassentyp einzeln aktivieren musst. Und um nach München zu fahren, musst Du München erst freischalten. Zudem gibt es Fahrzeuge die nur auf den Strassen von Birne AG betrieben werden können und andere Fahrzeuge, die nur über Strassen von Riesengroß LTD fahren können. Fahrräder und andere subversive Verkehrsmittel, womit man beide Strasse benutzen könnte, werden kurzerhand als illegal erklärt.

  8. Blanche: Es geht nicht um Verschenken oder nicht. Es geht ganz einfach darum, dass korrekt informiert wird.

    a) Tauschbörsen sind legal.
    b) Wenn Du Madonna-Lieder hochlädst, ist es illegal – egal ob Tauschbörse, public FTP oder Weblog.
    c) Ob DRM oder nicht benutzt wird, sagt nicht besonders viel über die Legalität aus. Klar sind die größten deutschen legalen Musikportale mit DRM versehen. Aber nichts hält illegale Angebote von DRM ab oder zwingt legale Angebote zu DRM.

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