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Urheberrecht auf der Popkomm

Stefan Krempl berichtet auf Heise über Diskussionen auf der Popkomm zum Urheberrecht und der Zukunft der Musikwirtschaft: Musikwirtschaft will Zugangsanbieter zur Kasse bitten.

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Hier nur mal ein paar Zitate:

„Wir müssen die Internetzugangsanbieter davon abhalten, unsere Inhalte weiter zu entwerten“ – Shira Perlmutter vom internationalen Branchenverband der Musikindustrie IFPI.

Bleibt die Frage, wie die IFPI sich das vorstellt. Sollen die Provider zukünftig Ports sperren oder ihren Kunden den Zugang kündigen, wenn diese Tauschbörsen nutzen? Wa sist mit legalen Nutzungen von Tauschbörsen wie dem Download der neuesten Knoppix-DVD oder CC-lizenzierten Materialien?

„Wir brauchen Geschäftsvereinbarungen mit Providern und Telcos“, forderte die Vertreterin von Indie-Labels. Die Zugangsanbieter könnten sich nicht länger darauf zurückziehen, nur „dumme Leitungen“ zur Verfügung zu stellen. Vielmehr müssten sie die Tatsache anerkennen, dass ihre Backbones mit Hochgeschwindigkeit geschützte und für die Nutzer attraktive Inhalte liefern würden. „Dafür wollen wir beispielsweise 50 Euro verlangen“, erläuterte Wenham ihr Erlösmodell. Dies sei letztlich im Interesse aller Beteiligten. Es gehe dabei schlicht um die Anerkennung des Werts digitaler Unterhaltungsinhalte.

Wie auch Stefan Krempl schon anschliessend schreibt, ist das Modell nicht weit weg von der Idee eienr Content-Flatrate. Bleibt die Frage, wie sich denn die Indie-Labels die 50 Euro vorstellen. Sollen Internetzugänge zukünftig 50 Euro teurer werden, damit Filesharing vielleicht legalisiert / tolleriert wird? Ich zahle im Moment weniger als 50 Euro für 6 MBit Flatrate inkl. ISDN für quasi alles – 50 Euro mehr dafür finde ich ein wenig arg unrealistisch und fantasiert. Aber vielleicht ist das ja die bewährte politische Strategie, erstmal mit Wunschvorstellungen in eine Debatte zu gehen, um beim Poker eine gute Ausgangsbasis zu haben? Im Interesse aller Beteiligten ist das in dieser Form sicher nicht. Ich bin mal auf ein Papier dazu gespannt, wo mehr Infos enthalten sind.

Politiker gabs auch dort, u.a. Herr Otto von der FDP:

Der FDP-Medienpolitiker Hans-Joachim Otto gab dennoch die Losung aus, DRM-Systeme weiter zu fördern und durchzusetzen, damit Pauschalabgaben möglichst überflüssig werden. „Soviel DRM und individuelle Vergütung wie möglich“, gab er als Ziel aus.

Wieder mal ein grandioses Beispiel für Anschein und Wirklichkeit der „Bürgerrechtspartei FDP“. Ich hatte ja mal letztes Jahr zur Cebit das ungemein erfreuliche Vergnügen, in einem Bus auf der Rückfahrt von der Cebit im Rahmen einer von der Telekom gesponsorten Politiker-Butterfahrt (Mach ich nie wieder) auf dem Platz hinter zwei Mitarbeitern von Herrn Otto zu sitzen, die sich stundenlang (viel Stau) über alles Mögliche unterhielten. War grausam und interessant zugleich. U.a. sprachen sie auch über DRM und ihren Gesprächen mit dem Bitkom. Soviel politische / technische Naivität hatte ich nicht für Möglich gehalten, die glaub(t)en anscheinend alles ungefragt, was die Lobbyisten denen erzählten. Unfassbar.

Vorher in dem Artikel nochmal der Hinweis von unerwarteter Seite, die der „Datenschutzpartei“ FDP doch mal zu Denken geben sollte:

Dagmar Sikorski-Großmann vom Deutschen Musikverleger-Verband befand ebenfalls, dass „es noch kein wirksames DRM gibt“. Ein perfektes Inhaltekontrollsystem stoße zudem „an Grenzen des Datenschutzes“.

Update: Über dpa/OTS lief noch eine eingekaufte Zusammenfassung der Diskussion von der Rechtsanwaltskanzlei, die den Moderator stellte. Daher hier als Ergänzung nochmal die „progressive“ Linkspartei, die bei Heise nicht vorkam:

Für einen besseren Schutz der Kreativen plädierte auch die Journalistin und Bundestagsabgeordnete Dr. Luc Jochimsen (Linkspartei.PDS): „Es ist falsch anzunehmen, dass der Zugang zu kreativen Werken wie Musik stets umsonst sein muss. Auf ein Musikkonzert kann ich mit einer Eintrittskarte ja auch nicht sieben Freunde mitnehmen.“

Hilfe, kann der Frau nicht mal einer erklären, dass das Recht auf Privatkopie mit den bis zu sieben Kopien ein Verbraucherrecht ist und sie die falschen Analogien zieht? Solche Statements hört man normalerweise von Dr Krings von der CDU, aber von der Linkspartei? Da läuft irgendwas schief!

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2 Kommentare
  1. Mit einer Kultur/Content-Flatrate hat diese Forderung der Musikindustrie nur sehr oberflächlich betrachtet etwas zu tun.
    Tatsächlich geht es darum, die Verantwortung für (angeblich) illegale Aktivitäten auf die Zugangsprovider zu verlagern.
    Dies wäre eine totale Umkehr der bisher gültigen Prinzipien (hier spielen auch die Diskussionen um die „Net-Neutrality“ hinein). Im nächsten Schritt wäre es dann relativ einfach möglich, die Interessen der Musikindustrie durchzusetzen … und dann wird ganz sicher nicht mehr von einer Flatrate die Rede sein.

    Zur Diskussion über DRM-Systeme hat der kanadische Copyrightexperte Michael Geist sehr wichtige Forderungen zur gesetzlichen Verankerung der Rechte der Verbraucher vorgelegt, die ganz genau so für Deutschland / Europa gelten.
    Vor allem muss sichergestellt werden, dass durch DRM-Systeme, dem Umgehungsverbot von DRM-Systemen und durch die Nutzungsbedingungen / Lizenzvereinbarungen nicht völlig legale Nutzungen (so lange diese noch im Urheberrecht enthalten sind) verhindert werden.
    http://www.michaelgeist.ca/daysofdrm

    Zu Politikern:
    Seltsam (oder auch nicht) ist, dass deren „poltisch / technische Naivität“ in der Regel zu Entscheidungen führt, die genau im industriellen Interesse liegen.

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