Dieser Artikel ist mehr als 19 Jahre alt.

SPD-Fraktion antwortet auf Urheberrecht-Protestschreiben

Die SPD-Fraktion, bzw. das Bundesjustizministerium hat ein kleines Argumentationsproblem, wenn die Abgeordneten auf Briefe von besorgten Bürgern wegen der Urheberrechtsreform antworten. Der ehemalige Juso-Vorsitzende Nils Annen (Warum hat der eigentlich keine eigene Internetseite?) hat seine Mitarbeiter/Praktikanten beauftragt, dem Dockblog eine Antwort auf das Protestschreiben der Verbraucherzentralen geschickt. In dem Protest-Schreiben wird an die Abgeordnten und…

  • Markus Beckedahl

Die SPD-Fraktion, bzw. das Bundesjustizministerium hat ein kleines Argumentationsproblem, wenn die Abgeordneten auf Briefe von besorgten Bürgern wegen der Urheberrechtsreform antworten. Der ehemalige Juso-Vorsitzende Nils Annen (Warum hat der eigentlich keine eigene Internetseite?) hat seine Mitarbeiter/Praktikanten beauftragt, dem Dockblog eine Antwort auf das Protestschreiben der Verbraucherzentralen geschickt. In dem Protest-Schreiben wird an die Abgeordnten und Minister appeliert, „DRM- und Kopierschutzsysteme zu verbieten, die mit Nachteilen und Risiken für den Nutzer verbunden sind und den Datenschutz aushebeln“.

Und die Antwort darauf sieht dann so aus:

Die Herstellung einer Privatkopie ist aber, weder nach dem geltenden noch nach dem zukünftigen Recht, dann nicht erlaubt, wenn hierfür ein technischer Kopierschutz umgangen werden muss. Das Knacken von Kopierschutz ist also in jedem Fall verboten. In Ihrem Schreiben fordern Sie, DRM- und Kopierschutzsysteme zu verbieten, welche den Datenschutz aushebeln und somit mit Risiken für den Nutzer verboten sind. Die Novelle des Urheberrechts verbietet, wie von Ihnen gewünscht, die Herstellung, den Vertrieb, die Einfuhr und sogar die Bewerbung von Soft- und Hardware, die vornehmlich dazu dient, Kopierschutzmaßnahmen zu umgehen. Der Besitz ist allerdings nur zu gewerblichen Zwecken verboten, nicht aber für Privatpersonen. Wenn Sie also noch alte Software besitzen, welche den Kopierschutz einer CD automatisch umgeht, dann sollten Sie diese Software nur für die private Reproduktion von Audio-CDs verwenden, von denen Sie wissen, dass sie nicht kopiergeschützt sind. Die Hersteller sind verpflichtet, den Kopierschutz auf dem Produkt deutlich zu kennzeichnen.

Da fühlt man sich als Bürger ernst genommen und man nimmt den Politikern auch sofort ab, dass sie verstehen, womit sie sich da beschäftigen. Anders ausgedrückt zeigt diese Mail, dass die keinen blassen Schimmer haben, was sie da beschliessen. Kann mir nicht vorstellen, dass das Büro von Nils Annen, der sich mit Aussenpolitik beschäftigt, diese Antwort selbst verfasst hat. Die kommt entweder von den Fraktionsexperten, die sich mit dem Urheberrecht befassen oder gleich aus dem Bundesjustizministeriums, quasi als Argumentationshilfe.

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


Veröffentlicht

Kategorie

Ergänzungen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge. Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

9 Kommentare zu „SPD-Fraktion antwortet auf Urheberrecht-Protestschreiben“


  1. Janne Grunau

    ,

    Ich bin mir nicht sicher, ob das ein Fraktionsschreiben ist. Das hätte dann doch hoffentlich irgend jemand korrekturgelesen. Der Satz „… und somit mit Risiken für den Nutzer verboten sind.“ sollte auch nicht mit Materie vertrauten Personen zumindest fragwürdig erscheinen. Das gesuchte Verb ist wohl verbunden.
    Andererseits sollte man vielleicht nicht zuviel erwarten. Der gesamte Brief liest sich tatsächlich so, als wäre er nicht von Büro des Herrn Annen geschrieben.


  2. Betonköpfe und Lügner…

    Zumindest ist das mein persönlicher Eindruck, das man gar nicht wissen will, was die Menschen hierzulande wollen. Hauptsache die Industrie wird ruhig gestellt und die Lobbies bedient. Auf den offenen Brief des Bundesverbandes der Verbraucherzentr…


  3. Normal: jede größere Fraktion lässt zu „Massenthemen“ natürlich Stichwortkataloge für Antwortbriefe entwerfen. Komplexe Sachverhalte erfordern sachgerechte Antworten. Auch wenn ein Bürger mal so „schlau“ ist, einen sachfremden MdB anzuschreiben. Arbeitsteilung beginnt nicht zuletzt auch auf cducsu.btg, spd.btg, gruene.btg oder fdp.btg.


  4. Schorsch

    ,

    der gute mann heißt niels annen und hat eine webseite unter http://www.niels-annen.de. (die frage kommt im artikel auf)

    tja, und experte ist er laut homepage wohl eher für außenpolitik.

    zudem wage ich die vermutung, dass die meisten, die dieses protestschreiben versandt haben, auch dieses nicht selbst hätten formulieren können. also massenmail auf massenmail finde ich nun weniger verwerflich.


  5. markus

    ,

    @ Schorsch:

    Die Massenmail an sich habe ich nicht kritisiert, das ist so in allen Fraktionen üblich. Mich wunderte halt nur, dass eine vermutlich zentral geschriebene Antwortmail auf dieses Protestschreiben eklatante Argumentationslücken aufweist, die ich in dem Artikel beschrieben habe.


  6. Markus, ich korrigier dich dann hier mal: im Regelfall werden einzelne Textbausteine und nicht komplette Antwortschreiben für den Hausgebrauch angeboten. Zusammenstellung obliegt dann aber doch noch dem jeweiligen Büro – was hier vermutlich auch der Fall war.
    Ob es auch nur annähernd sinnvoll ist, mit vorgefertigten Massenprotestschreiben irgendwen zu behelligen und damit teilautomatisierte Antwortschreiben zu provozieren, darüber kann man eigentlich nicht mal streiten.


  7. DieterK

    ,

    Erwähnenswert ist, dass diese „Textbausteine“ oder „Argumentationshilfen“, die übrigens auch in Gesetzestexte bzw. ‑begründungen einfliessen, häufig von den jeweils interessierten industriellen Kreisen formuliert werden.


  8. Volksvertreter……

    Die Herstellung einer Privatkopie ist aber, weder nach dem geltenden noch nach dem zukünftigen Recht, dann nicht erlaubt, wenn hierfür ein technischer Kopierschutz umgangen werden muss. Das Knacken von Kopierschutz ist also in jedem Fall verboten. In…


  9. […] Mehr gibts auch bei Heise: Der Bevölkerung gewidmetes Kunstwerk darf nicht auf private Homepage. Unklar ist, ob sich das Bewusstsein der SPD-Fraktion in Sachen Urheberrechtsreform wandelt, wenn ein Mitglied der Fraktion mal alltägliche Probleme im Internet live erleben dürfte. von markus um 18:12 | abgelegt in General, Urheberrecht, Digital Rights, Blogs, Deutschland Trackback URL | Comment RSS Feed Tag at del.icio.us | Incoming links […]

Dieser Artikel ist älter als 19 Jahre, daher sind die Ergänzungen geschlossen.