Netzneutralität bei tagesschau.de

Die Debatte rund um die Netzneutralität ist jetzt auch bei tagesschau.de angekommen: Debatte um Zweiklassen-Internet – Schöner, schneller, teurer?.


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Die Kampagne „Save The Internet“ setzt dafür auf Lobbyarbeit in Washington – genau wie ihre Gegner. Die Mautfreunde wollen die Politiker im US-Kongress überzeugen, dass es ohne Zusatzgebühren keine neuen Webdienste gebe. Fachmann Weitzner hält das für Humbug: „Ein neutrales Internet ist möglich, ohne das Wachstum neuer Internet-Dienste und Breitbandstrukturen zu hemmen“. Der Wirtschaftswissenschaftler Trevor Roycroft zieht in einer Untersuchung im Auftrag von Verbraucherverbänden sogar den gegenteiligen Schluss: Gerade die bisherige Neutralität des Netzes habe zu dessen großen Erfolg beigetragen, weil auch kleine Firmen leicht neue Dienste anbieten können: „Die Frage ist jetzt: Sollen wir die Neutralität aufgeben und riskieren, das Internet zu zerstören?“

Spannend ist vor allem das Interview mit Barbara van Schewick von der TU Berlin: „Das ist das Toni-Soprano-Geschäftsmodell“.

tagesschau.de: Wenn das zu teuer wird, legt Google vermutlich ein paar Milliarden Dollar auf den Tisch und errichtet seine eigene Infrastruktur.

Van Schewick: Das ist genau das, was im Moment passiert. Zum Beispiel will Google in San Francisco ein stadtweites drahtloses Internet aufbauen. Auch Microsoft hätte als Anwendungshersteller etwas zu verlieren, wenn es an die Netzbetreiber zahlen müsste, damit seine Videokonferenz-Software vernünftig läuft. Letztlich hilft es aber nicht: Der Witz ist, dass Google, sobald es ein eigenes Netz betreibt, auch gleich ein Interesse daran hat, dass die eigene Suchmaschine schneller lädt als zum Beispiel die von Microsoft.

Wer sich im Gegensatz zu Microsoft und Google nicht wehren kann, sind die kleinen Inhalte-Anbieter und Anwendungsentwickler, die es sich nicht leisten können, eigene Infrastruktur zu betreiben oder sich den Zugang zu fremden Netzen zu erkaufen. Und diejenigen, die in der Geschichte des Internets die großen Erfolge entwickelt haben, waren keine großen Firmen, sondern Leute, die wenig Geld hatten, als sie angefangen haben. Das ist ein wichtiges Argument für die Netzneutralität.

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6 Kommentare
  1. Es hört sich zwar wie Science- oder auch Political-Fiction an, aber es wird „bald“ egal sein, ob es offiziell NN gibt oder nicht.
    Was mit Bits sturzbachartig geht, funktioniert auch mit Rundfunk. Daten springen von einem Funk-Gerät zum anderen. Die empfangen nicht nur, sie senden auch selber und die Nutzer haben sie oft an. Das ist die Freiheit des Spektrums. Nie wieder für Flatrate bezahlen – nur noch für Strom und Geräte. Die Telekoms werden das nicht mögen. Machen sie sich aber durch eine Maut auch noch bei den Informationsservice-Anbietern unbeliebt, auf welche die Device-Hersteller hören, dann…
    Can’t stop the funk!

  2. hallo

    das habe ich mal bei selfHTML gelesen, war ne kleine geschichte zum internet: das netzwerk internet konnte nur entstehen, auf grund der grosszügigkeit der einzelnen teilnehmer anfangs…
    und da ist was wahres dran.
    wenn alles so ne kleinkarierten erbsenzähler wie heute damals schon gegeben hätte, hätten die heute noch über die kosten eines bits verhandelt. was ja gerade geschieht, also das thema.
    das netz wurde von grosszügigen entwicklern die visionen haben gemacht. heute bestimmen exel&co sowie copy&paste statt zeit zum reifen und wirklich schöpferische ideen.

    schau sich nur einer die loveparade nächste woche an.
    hut ab vor motte, denn der hats angefangen und immer wieder durchgezogen. jetzt ist er draussen und die brauchen 2 millionen euro, um zu starten.
    das gleiche prinzip!
    als kind von berlin (seit93), das wandern musste, von fridrichshain nach mitte, von mitte jetzt nach X, und so wirds wohl auch mit dem virituellen space passieren, bzw. passierts…

  3. @Herr Schmidt
    Internet mit der Love Parade vergleichen ist etwas schwierig, aber ich will’s mal versuchen.
    Man stelle sich vor, man würde für die Loveparade Eintritt bezahlen, weil z.B. die Straße des 17. Juni und der Tiergarten gebaut werden musste und immer wieder repariert werden muss – außerdem musste das Wetter finanziert werden. Um das Wetter zu machen, waren immer noch riesige technische Anlagen notwendig. Der Eintritt wurde nach Platzverbrauch gerechnet – also bezahlte man pro Körper- und Gepäckvolumen. Musik- und Getränkewagen zählen natürlich auch als Gepäck und werden als Volumen abgerechnet. Was die Gäste mit ihrem Volumen anstellten, war den Veranstaltern egal, bis ein paar Gäste richtig reich und die Veranstalter neidisch wurden. Offensichtlich konnte manches Gepäck besser Party machen als anderes. Wer durch bessere Party reicher wird, der soll auch mehr als sein Volumen zahlen, sagten sich die Veranstalter. Und da die Veranstalter nicht absolut ungerecht waren, boten sie den Partykanonen einen Premiumplatz auf dem 17. Juni an. Auf diesem Platz gab es besseres Wetter als sonstwo auf der Strecke. Die Partykanonen lehnten ab, denn sie hatten erfahren, das das Wetter ständig besser wurde, weil es von allen Teilnehmern schon immer bezahlt wurde. Außerdem war es unwahrscheinlich, dass die ganze Partygemeinde zu dem Premiumplatz kommen würde. Und drittens wollten die Kanonen ihren Reichtum in mehr Party investieren, statt ins Wetter. Da wurden die Veranstalter sauer und meinten, es gäbe kein Weg drumrum, es wäre schließlich ihr Fest. Da gingen die Partykanonen zum Senat petzen und verlangten Partyneutralität. Es könne nicht sein, das man nach der Art und Weise der Party bezahlen muss und nicht wie eh und je nach Volumen. Die Veranstalter wiederum meinten, dass das Wetter sonst nicht besser werden könnte. Die Partygemeinde war ratlos. Was ist jetzt wichtiger? Party oder Wetter? Die Veranstalter fanden schnell Politiker, die keine Ahnung von Party hatten. Diese Politiker waren nur gut drauf, wenn gutes Wetter war – ohne Wetter keine Party, meinten sie. Bald fanden sich Partywissenschaftler, die erklärten, dass man mit ausgeklügelten Methoden jede Party im vorhandenen Wetter bestens nutzen konnte und dass sich zudem das Wetter durch immer bessere Wettertechnologie stetig verbesserte. Die Wissenschaftler verwiesen außerdem auf die Gefahr, dass die Veranstalter jetzt Partypolitik machen wollen – dass sie mit verschiedenen Preisen regeln, wer welches Wetter bekommt. Zudem hatten sie Angst, vor den Gepäckkontrollen am Eingang, wer hohes Partypotential dabeihatte, aber nicht die Gebühren bezahlen konnte, würde draußenbleiben müssen. Auch könnten manche Partykanonen sich mit den Veranstaltern gut stellen, welche dann feindliche Partykanonen mit höheren Preisen belegten. Die größte Gefahr aber war, dass die Veranstalter sich nur noch um die Premiumfläche kümmern und nicht mehr um den Rest der Partylandschaft.
    @schomsko:
    später machten die Partykanonen selber Wetter (Google in San Francisco)
    noch später wurden die Wettertechnik so klein und billig, dass jeder sie hatte und überall Party war

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