Kleines How-To: Kontaktiere einen Abgeordneten.

Da wir mitten im Superwahljahr sind und Politiker (wieder)gewählt werden wollen, macht es besonders Sinn, in der Zensursula-Debatte die Bundestagabgeordneten zu kontaktieren. Ich hab mal ein kleines How-To geschrieben, wie man vorgehen kann.

Im Bundestag macht es am meisten Sinn, einen Abgeordneten zu kontaktieren, in dessen Nähe man räumlich wohnt. Im Optimalfall ist das der Wahlkreisabgeordnete. Wer für Dich zuständig ist, erfährst Du z.B. auf Abgeordnetenwatch, indem Du dort Deine PLZ eingibst. Auf der Seite gibt es auch Kontaktmöglichkeiten. Generell gilt: Höflichkeit siegt! Wir wollen die Abgeordneten ja informieren und nicht beleidigen. Hinweise auf die jeweilige Inkompetenz im Thema sind auch nicht angebracht. Argumentiere und überzeuge. Zulabern ist auch keine gute Strategie in der Gesprächsführung.

Abgeordnete haben öfters Bürgersprechstunden im Wahlkreis. Diese werden in der Regel auf der Abgeordneten-Webseite veröffentlicht. Da kann man hingehen und sein Anliegen vorbringen. Aufpassen: Selbstverständlich sollte man gepflegt (geduscht, etc) dort erscheinen und sich gut vorbereitet haben. Das Wiki des AK-Zensur bietet gute Argumentationshilfen. Was ankommen muss: Löschen statt sperren ist die bessere Wahl im Kampf gegen Kinderpornographie!

Abgeordnete kann man auch anrufen. In der Regel gehen die Mitarbeiter des Abgeordneten ans Telefon. Hier kann man nett nach einem Rückruf des Abgeordneten fragen. Viele Abgeordnete werden auf die jeweiligen Experten in der Fraktion verweisen. Lasst Euch davon nicht abhalten, vor allem, wenn der Abgeordnete aus dem eigenen Wahlkreis kommt.

Abgeordnete kann man anschreiben. Dies geht per Mail, aber wirkungsvoller sind Briefe und Faxe. Diese müssen erstmal haptisch in die Hand genommen werden und dafür gibt es keine Spam-Filter.

Die momentan wichtigsten Ausschüsse in der Diskussion im Deutschen Bundestag sind die für Wirtschaft, Medien und Familien. Wer in den jeweiligen Ausschüssen sitzt, sieht man auf den jeweiligen Webseiten. Bei diesen Abgeordneten lohnt es sich auch anzurufen, wenn der/die jeweilige Abgeordnete/r nicht im eigenen Wahlkreis sitzt.

Im Moment sollten wir uns auf die Bundestagabgeordneten in der SPD konzentrieren. Diese ist Teil der Großen Koalition und die SPD-Fraktion eignet sich im Moment am Besten, um gemeinsam Druck auf die Koalition auszuüben.

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18 Kommentare

  1. Erstellt am 24. Mai 2009 um 16:57 | Permanent-Link

    Der Vorschlag, sich an seinen Abgeordneten zu wenden, ist sehr ratsam. Ich habe das letzte Woche auch getan!
    In meinem Blog habe ich das auch beschrieben und war positiv überrascht.

    http://distractingfringe.blogspot.com

    Keine Hochnäsigkeit sondern Interesse und Erklärungsbedarf.

    Daher: Auf zum Bundestagsabgeordneten! Die Idee, den Schwerpunkt auf SPD-Abgeordnete zu setzten, halte ich aber für falsch. Sucht Euch “den/die” raus, “den/die” Ihr bevorzugt.

  2. Erstellt am 24. Mai 2009 um 17:03 | Permanent-Link

    Mein reden… einfach mal kontaktieren… einfach sagen, daß einem etwas nicht gefällt und der Hinweis auf den Abgeordneten aus dem eigenen Wahlkreis ist Gold wert! Sehr wichtig!!!

    Den Verweis auf die SPD finde ich allerdings putzig. Die haben den Gesetzentwurf ja mitbeschlossen. Und wenn sie jetzt so kurz vor der Europawahl eine öffentliche Anhörung durchgesetzt haben, halte ich das für bloßes Wahlkampfgetue. Die ganzen Überwachungsgesetze, die Vorratsdatenspeicherung usw. hat die SPD ja auch mitgetragen. Super Partei, diese SPD!

  3. Memswift
    Erstellt am 24. Mai 2009 um 18:00 | Permanent-Link

    Sinn macht das alles nicht. :) Entweder es ergibt einen Sinn oder es ergibt keinen Sinn. ;-)

  4. Erstellt am 24. Mai 2009 um 18:09 | Permanent-Link

    Statt How Do -lieber eine To do -Liste angehängt für die Abgeordneten, deren Herz man erreichen will! Mit jede Menge Unterpunkte von Wünschen,Vorstellungen usw mit Kästchen für Harkensetzung nach Erledigung der Pflichtaufgabe, in diesem Kontext, halte ich für Sinnvoller!

  5. Erstellt am 24. Mai 2009 um 18:44 | Permanent-Link

    Sollte eigentlich alles selbstverständlich sein, aber da viele das nicht auf die Reihe kriegen, dürfte dieses Howto sehr hilfreich sein …

  6. Thomas Bieri
    Erstellt am 24. Mai 2009 um 19:22 | Permanent-Link

    Du schreibst “Selbstverständlich sollte man gepflegt (geduscht, etc)”

    Das scheint für Netzbürger wohl nicht zum Standard gehören ;) Ich war einmal etwas verschwitzt bei einer Nutte. Sie hatte mir 10 Minuten, in schlechtem Deutsch, einen Vortrag über Hygiene gehalten. Ficken durfte ich aber trotzdem :-)

  7. Erstellt am 24. Mai 2009 um 19:32 | Permanent-Link

    @8: Ohne Worte ! *Kopfschüttel*

  8. Erstellt am 24. Mai 2009 um 21:38 | Permanent-Link

    Ich arbeite für eine SPD-Europaabgeordnete, und ich finde das gut, die Büros direkt anzusprechen/-schreiben. Es spricht sich unter den AbgeordnetenkollegInnen einfach rum, wenn zu einem bestimmten Thema Rückmeldungen von Leuten kommen. Letztlich müssen aber vor allem die zuständigen Abgeordenten in den Ausschüssen überzeugt werden, das ist ein sehr arbeitsteiliges Geschäft.

    Was mir noch fehlt: Über die Jugendorgas, die in diesem Themenfeld oft viel progressiver sind als ihre Mutterparteien, kann man auch gut was erreichen. Die kennen die Abgeordneten persönlich, können etwa ihre Abgeordnete zu einem Treffen einladen, wo dann auch jemand einfach hingehen und mitdiskutieren kann, die/der kein Mitglied dort ist. Und sie können natürlich Anträge für Parteitage schreiben mit bestimmten Forderungen drin.

    Und ich hätte bitte lieber E-Mails als Briefe oder Faxe. Die können wir zwischen den Büros besser hin- und herschicken.

    Viel Erfolg!

  9. Sebastian
    Erstellt am 24. Mai 2009 um 21:44 | Permanent-Link

    hier steht: “Höflichkeit siegt!”

    Hab da mal ne technische Frage: Kann mal jemand höflich bei den Internetausdruckern fragen, ob Internetsuchmaschinen auch Stop-Schilder finden können? Und wenn das so ist, wären dann alle Treffer gewissermaßen staatlich geprüfte Seiten mit kinderpornografischen Inhalt? Und wenn das dann so ist, kann man dann die Seiten mit einem einfachen Workaround wie man es bereits auf youtube sehen kann in IP-Adressen umbasteln? Kann man so nicht mit wenigen Handgriffen aus der geheimen Geheimliste des BKA nicht mit wenigen Griffen eine Link-Liste für kinderpornografische Inhalte herstellen (staatlich geprüft, immer aktuell)?

    Wenn die Fragen dann geklärt sind, dann würd ich aber nochmal gern wissen, wer hier bei der Verbreitung kinderpornografischer Schriften so alles behilflich ist. – Das wär dann sicher nicht mehr so höflich, oder?

  10. Erstellt am 24. Mai 2009 um 21:46 | Permanent-Link

    Und ich hätte bitte lieber E-Mails als Briefe oder Faxe.

    Echt jetzt? Ich dachte, Mails würden weniger ernstgenommen.

    (Habe gerade > 600 Briefe an die MdBs unterschrieben und eingetütet. Weiß jetzt, warum es Unterschriften-, Falz- und Briefumschlagbefüllmaschinen gibt…)

  11. Erstellt am 25. Mai 2009 um 10:11 | Permanent-Link

    Für alle, die noch Inspiration für ein Schreiben benötigen, habe ich meinen Brief an “meine” MdBs veröffentlicht: http://martin-grandrath.de/2009/05/anfrage-an-mdbs-meines-wahlkreises-zum-thema-netzsperren/

  12. Erstellt am 25. Mai 2009 um 18:17 | Permanent-Link

    Ich würde mich ja gerne an meinen Abgeordneten wenden, aber das ist ausgerechnet Michaela Noll. Da ist wohl jede Beratung sinnlos…

  13. Erstellt am 25. Mai 2009 um 21:28 | Permanent-Link

    @Ralf: “Da ist wohl jede Beratung sinnlos…”

    Nö. Probier’s ruhig.

  14. Erstellt am 26. Mai 2009 um 10:14 | Permanent-Link

    Wir haben Anfang des Jahres versucht, als kleines Unternehmen mit “unseren” MdB in Berlin-Mitte in Kontakt zu treten.

    EMails, Faxe – es half alles nichts, siehe:

    http://blog.susuh.de/bundestagabgeordnete-lesen-keine-e-mails-dann-eben-per-fax

    Ein Zustellung per Gerichtsvollzieher fehlt allerdings noch. ;)

  15. Erstellt am 28. Mai 2009 um 21:42 | Permanent-Link

    @Hanno:

    Kommt immer auf die Person drauf an, die am anderen Ende sitzt, wie überall. Deswegen kann ich nur aus meiner Erfahrung sprechen.

    Wenn es ne Anfrage an die eine Abgeordnete ist, dann ist ne Mail aus meiner Sicht einfach besser als ein Brief. Die können die Mitarbeiter/innen sich hin- und herschicken, drüber beraten, wer sie bearbeitet (Wahlkreisbüro oder Büro im Parlament), sich ggf. schneller Infos und Argumente von der für das Thema zuständigen Kollegin holen, .. E-Mail halt.

    Wichtiger als die Frage Brief oder Mail ist zumindest für unser Büro die persönliche Ansprache. Wenn klar ist, dass das ne Meinungsäußerung oder Anfrage ist, die parallel an viele Leute geschickt wird (und ja, wir reden mit den KollegInnen in den anderen Büros), dann gibt es einen Musterbrief, den wir anpassen können. Wenn es aber personalisiert ist, dann setzen wir uns damit auch wirklich auseinander, reden, diskutieren, überlegen – das sollte ja das Ziel sein.

    Eine gute Kampagne liefert also Argumente für die Ansprache der Abgeordneten vor Ort, nicht aber den immer gleichen Brief oder die immer gleiche Mail.

    Soweit..

  16. Erstellt am 9. Juni 2009 um 13:19 | Permanent-Link

    [...] Und hier nochmal informativ von netzpolitik.org: Kleines How-To: Kontaktiere eineN AbgeordneteN [...]

  17. Erstellt am 9. Juni 2009 um 13:43 | Permanent-Link

    hm, meinen Abgeordneten kann ich auch über Twitter kontaktieren. Damit erledigt sich die Notwendigkeit fast, der druckt keine Webseiten aus. Glück gehabt (?)

    P.S. die recaptcha sind Kommantarverhinderung :-(

  18. c3p
    Erstellt am 11. August 2010 um 18:56 | Permanent-Link

    @Thomas Bieri: Einer der unpassendsten Kommentare aller Zeiten, danke dafür :D

32 Trackbacks

  1. [...] auf den Aufruf und die ePetition hinzuweisen. Werdet kreativ. * Kontaktiere Bundestagsabgeordnete. Hier ist ein kleines How-To. Um die Kräfte zu bündeln: Im Moment eignet sich die SPD-Fraktion am Besten. abgelegt [...]

  2. [...] netzpolitik.org: Kleines How-To: Kontaktiere einen Abgeordneten. [...]

  3. Von INJELEA am 24. Mai 2009 um 18:10

    Netzsperren: Sprechen Sie mit Ihrem Abgeordneten!…

    Am kommenden Mittwoch ist im Bundestag eine öffentliche Anhörung zur Zensursula-Debatte. Markus ruft zu einem Countdown auf: 100.000 Mitzeicher sollen für die ePetition "Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten" bis da…

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  7. [...] wenden und Eure Ansichten zu den Zensursula-Plänen artikulieren. Hier steht, wie das geht: Kleines How-To: Kontaktiere einen Abgeordneten. abgelegt in: Campaigning, Deutschland, Digital Rights, Zensurgetaggt mit: deutsche_kinderhilfe > [...]

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  11. Von High Tech Lowlife am 25. Mai 2009 um 21:20

    Zensursula-Countdown läuft…

    Ich jedenfalls werde versuchen, die Ergebnisse dieser Anhörung in meine Argumentation einfließen zu lassen, wenn ich mich nächste Woche per Brief oder auch telefonisch an meinen Wahlkreisabgeordneten wende. Wie man das am besten macht, gibt’s auch …

  12. [...] Kleines How-To: Kontaktiere einen Abgeordneten. : netzpolitik.org Netzpolitik.org ermuntert wieder mal zum Lobbying. Und zwar außerhalb des Netzes: Telefon, Fax, Sprechstunden.. (tags: netzsperren politik lobby abgeordnete) [...]

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  15. Von nachgehakt am 26. Mai 2009 um 11:24

    Blogger gegen Internetzensur…

    [...] Ziel ist es, mindestens 100.000 Unterschriften bis zur morgigen Anhörung im Bundestag zu sammeln, um dem Vorhaben bzw. dem Protest somit noch mehr Ausdruck zu verleihen. [...]…

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  17. Von übermüdet - das Väterblog am 9. Juni 2009 um 12:44

    Ruf im Bundestag an!…

    Die zweite und dritte Lesung rund um das Zensur-Gesetz kommen. Bereitet euch vor und kämpft für euer Recht. Ruft Sie an, erklärt Ihnen warum dieses Gesetz falsch ist, wie die Alternativen aussehen und warum ihr gegen dieses Gesetz seit. Wie imm…

  18. [...] jetzt nicht so wirklich weiss, was er da sagen soll – bei Netzpolitik gibt es ein kleines How-To und eine kommentierte Linkliste. Beim AK-Zensur findet man ebenfalls [...]

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