Immer mehr pro-russische Trolle überfluten die Kommentarspalten von Online-Medien. Wie seit längerem vermutet wurde, handelt es sich dabei anscheinend nicht um „echte“ empörte Leser sondern um zentral gesteuerte und bezahlte Profi-Trolle. Von Hackern abgefangene E‑Mails sollen nun diesen Verdacht belegen.
Aus einem Strategiepapier der Sankt Petersburger „Agentur zur Analyse des Internets“ geht Berichten von SZ und NZZ zufolge hervor, wie die Wellen von Troll-Kommentaren auf Online-Plattformen funktionieren. Das russische Dokument wurde von einer Gruppe mit dem Namen „Anonymous International“ veröffentlicht.
Die Auftragstrolle erhalten demnach genaue Anweisungen, wie sie sich in Foren zu verhalten haben.
Es geht darum in bester Trollmanier Nachrichtenportale und Social Media Communities mit pro-russischen Argumenten zu fluten. Dabei sollen die Trolle rund um die Ukraine- und Russlandberichterstattung provozieren, aber gleichzeitig die Grenzen der Moderationsrichtlinien nicht überziehen. Außerdem werden klare Zielvorgaben formuliert, wie viele Kommentare und Posts auf welchen Seiten geschrieben werden müssen. Bezahlt wird pro Kommentar. Angeblich lässt sich die Agentur den Kampf um die Meinungshoheit in westlichen Medien bis zu eine Million Dollar pro Monat kosten. Die Strukturen und Seilschaften zwischen der Agentur und dem Kreml haben NZZ und SZ in ihrne Artikeln ausführlich aufgedröselt.
Das die Trolle allesamt unter nicht-russischen IP-Adressen arbeiten, und öfter mehrere Kommentatoren auf die selbe IP registriert sind, war schon vor einigen Monaten aufgefallen. Zuerst trat das Phänomen in Polen auf, wie Jarosław Lipszyc bereits in seinem Vortrag auf der re:publica über den „Information War“ aufzeigte. Zunächst wollten viele westliche Medien nichts davon wissen, aber seit auch große Portale wie Huffingtonpost.com und Politico.com oder auch Barack Obamas Facebookseite zu den Zielobjekten der Troll-Agentur gehören, hat man das Thema auf dem Schirm.
Immer mehr Journalisten sehen die Meinungsfreiheit durch den Einsatz solcher „Troll-Armeen“ gefährdet. Jarosław Lipszycs Vortragsthese dazu war, dass es ohne Medienkompetenz und Medienbildung keine Demokratie geben kann. Sonst könnten die bezahlten Troll vielleicht wirklich erfolgreich Meinung machen.