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Facebook überwacht trotz Opt-Out – und behauptet das Gegenteil

Die in den USA sehr populäre Social-Networking-Plattform Facebook hat in den letzten Wochen ja einige Prügel bezogen wegen zwei Neuerungen, durch die die Privatsphäre der Nutzer massiv eingeschränkt worden war: „Social Ads“, wo Leute ungefragt in Werbeanzeigen eingeblendet werden, und „Beacon“, wodurch die Kontakte eines Nutzers erfahren, was er sonst überall im Netz so treibt.…

  • Ralf Bendrath

Die in den USA sehr populäre Social-Networking-Plattform Facebook hat in den letzten Wochen ja einige Prügel bezogen wegen zwei Neuerungen, durch die die Privatsphäre der Nutzer massiv eingeschränkt worden war: „Social Ads“, wo Leute ungefragt in Werbeanzeigen eingeblendet werden, und „Beacon“, wodurch die Kontakte eines Nutzers erfahren, was er sonst überall im Netz so treibt. Sogar die Aktivisten-Plattform Moveon.org hatte einen Aufruf dagegen gestartet. Facebook hat daraufhin halbherzig zurückgerudert und eine mühsame Opt-Out-Möglichkeit eingebaut.

Und was kommt jetzt raus? Sie speichern lustig weiter, was ihre User so auf den vielen Partnerseiten machen, nur dass denen das weder verraten noch angezeigt wird. Sie überwachen den User übrigens auch dann noch, wenn er sich bei Facebook ausloggt (deutsche Kurzfassung bei heise).

Ich bin ja mal gespannt, ob das jetzt der Todesstoß war. Cory Doctorow hat kürzlich übrigens sehr schön analysiert, warum solche Plattformen auch dann Probleme kriegen, wenn die Mitglieder nicht weglaufen, sondern wenn sie zuviele Nutzer haben:

Facebook and other social networks have built-in self-destructs: They make it easy for you to be found by the people you’re looking to avoid.

Mehr Infos und Gedanken zum Thema hier, hier und hier, und wer zum Thema Social Networking schlaue Überlegungen lesen will, kommt ohnehin um Fred Stutzmans Blog nicht herum.

Über die Autor:innen

  • Ralf Bendrath

    Ralf ist seit Jahren in Zusammenhängen wie DigiGes, EDRi, AK Vorrat, AK Zensur aktiv. 2011 wurde er in den Beirat von Privacy International berufen. Nach einer soliden Grundausbildung als Nerd am Commodore C-64 und dem Studium der Politikwissenschaft in Bremen und Berlin hat er zehn Jahre lang zu Datenschutz, Internet-Governance und Cyber-Sicherheit geforscht, u.a. in Berlin, Bremen, Washington und New York City. Von 2002 bis 2005 hat er für die Heinrich-Böll-Stiftung den Weltgipfel Informationsgesellschaft begleitet. Im Hauptberuf arbeitet er seit Sommer 2009 für den Abgeordneten Jan Philipp Albrecht im Europäischen Parlament, ebenfalls zu Themen der Internetfreiheit und der digitalen Bürgerrechte. Wenn er Zeit findet, bloggt er hier auf deutsch oder auf englisch auf http://bendrath.blogspot.com. Häufiger twittert er als @bendrath.


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11 Kommentare zu „Facebook überwacht trotz Opt-Out – und behauptet das Gegenteil“


  1. […] hat jetzt einen längeren Artikel dazu. […]


  2. Also zu dem Artikel von Cory Doctorow muss man sagen, wie viele Leute interessieren sich denn wirklich 0,0 für Datenschutz und wissen oftmals nichtmal was im Internet heutzutage möglich ist ? Ich würde behaupten trotz einiger Artikel in den Medien zu dem Thema, interessiert es viele Leute nicht, stört es viele Leute nicht und die machen dann glaube ich den größeren Teil bei den Socialnetworks aus und der Rest schaut halt inwieweit er seine Daten soweit wie möglich anonymisiert, weil man will / muss / soll ja auch irgendwie dabei sein und will wissen was am Wochenende abgeht will gepokt/gegruschelt werden oder was auch immer.


  3. Robo47: Cory argumentiert ja gerade nicht vom Datenschutz her, sondern davon, dass man einfach mit bestimmten Leuten nichts zu tun haben will, unabhängig davon ob StudiVZ oder Facebook einem beim Gruscheln über die Schulter blickt. Ich gehe auch lieber in kleine Läden, wo meine Peers sind, als in eine Mainstream-Kneipe oder Disco, wo sich vielleicht Leute rumtreiben, die ich nicht sehen will, aber die mir peinlicherweise um den Hals fallen könnten:
    Person X: „Kreisch – hey Ralf, wir haben uns ja eeeewig nicht gesehen!“
    Ich: *Und das war auch gut so. Verdammt, wie werde ich diese Dumpfbacke wieder los?*


  4. […] Netzpolitik.org “Facebook überwacht trotz Opt-Out – und behauptet das Gegenteil” […]


  5. […] Vormittag war ich nahe dran, meinen Facebook-Account ein für allemal zu löschen – nachdem ich dies gelesen habe. Ich habe keine Lust, laufend unter Beobachtung zu stehen, und das sogar, wenn ich in […]


  6. Endlich, endlich hat Facebook sich entschuldigt, Beacon zu einem Opt-In-Dienst gemacht, und ein globales Opt-Out eingeführt.

    Es gibt Firmen, die machen sowas gleich von Anfang an. Und es gibt Firmen, die brauchen heftigste Prügel, damit sie es tun. Welche Firma würdet ihr wählen?


  7. erlehmann

    ,

    Ich würde die Firma wählen, die ihren Code als Freie Software (mit einem großem F) veröffentlicht und auch sonst auf offene Standards setzt. Tja, dann muss mein „soziales Netzwerk“ halt aus Jabber und Blogs bestehen.


  8. Es ist leider nicht der Einzige Betreiber, der sowas macht. In den USA (dem ‚freiesten’ Land der Erde) ist es inzw. Gang und Gebe, nebst Zensur usw. Hier nur ein Besipiel: Yuwie

    Am Besten lässt man (ich BESTIMMT!) die Finger von US-Anbietern. Gruß Arturo™


  9. Soziale Netzwerke und ihre Risiken…

    die google-gründer sergei brin und larry page haben vor den gefahren gewarnt, die von sozialen netzwerken wie facebook ausgehen. und zwar völlig zurecht, geben doch tausende nutzer bereitwillig ihre persönlichen daten auf quasi öffentlichen servern…


  10. […] Doctory fasst das Grundproblem dieser Plattformen treffend […]


  11. Das ist mir auch passiert. Ich habe mich mal bei dem Verein angemeldet und auf einmal einen Haufen Einladungen von Bekannten usw. Woher weiß Facebook, wen ich kenne und wem ich geschrieben habe? Sind wir mittlerweile bei Beutewelt gelandet?

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