Trotz grundlegender Sicherheitsmängel soll die De-Mail in der Kommunikation mit Behörden Rechtskraft erhalten. Das hat der Deutsche Bundestag gestern mit 14 Stimmen von Union und FDP beschlossen. Bedenken vom Chaos Computer Club, dass weder Vertraulichkeit noch Integrität der E‑Mail-Alternative gewährleistet sind, wischte die Regierung beiseite.
Wie wir wiederholt berichtet haben, ist die als „sichere E‑Mail-Alternative“ beworbene De-Mail ein De-Bakel. Durch eine mangelnde Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist eine De-Mail weniger vertrauensvoll als ein Brief, aber per Gesetz soll sie trotzdem als sicher genug für Kommunikation mit Behörden eingestuft werden. Noch dazu wird die Signatur nicht vom Absender, sondern vom De-Mail-Anbieter erstellt, was in etwa bedeutet, dass ein Brief rechtssicher unterschrieben ist, sobald ein Absender und ein Poststempel drauf sind, egal wer den Brief wirklich verfasst hat.
Trotz dieser schwerwiegenden Bedenken hat der Deutsche Bundestag gestern ab 21:30 das Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung beschlossen. Dafür gestimmt haben CDU/CSU und FDP, die Oppositionsfraktionen waren dagegen. Ganze 14 Abgeordnetenstimmen haben ausgereicht, um technische Unsicherheit per Gesetz als sicher zu stempeln. Der FDP-Netzpolitiker Manuel Höferlin dazu:
Wenn wir immer auf die Bedenkenträger Rücksicht nähmen, wären wir heute noch beim analogen Telefon!
Die Debatte im Plenum kann man im Prokoll ab Seite 29294 nachlesen oder in der Mediathek nachschauen, mit den folgenden Reden:
- Dr. Ole Schröder, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister des Innern
- Gerold Reichenbach (SPD)
- Manuel Höferlin (FDP)
- Jan Korte (DIE LINKE)
- Clemens Binninger (CDU/CSU)
- Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Deutsche Telekom hat unterdessen ein paar Journalisten die Server-Räume der De-Mail in Frankfurt gezeigt, wie Detlef Borchers auf heise online berichtet.
https://twitter.com/dborch/status/324912645109075968