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Erdbeben im Linux-Markt?

Dr. Oliver Diedrich scheibt bei Heise-Open über Oracle, Microsoft, Novell – und die Folgen: Analyse: Erdbeben im Linux-Markt. Und sicher haben auch politische Überlegungen eine Rolle gespielt: Durch das Versprechen, Projekte wie Samba nicht mit Patentklagen zu verfolgen, kommt man den Forderungen der EU nach mehr Wettbewerb im Servermarkt entgegen. Novell dürfte aufhören, die EU-Kommission…

  • Markus Beckedahl

Dr. Oliver Diedrich scheibt bei Heise-Open über Oracle, Microsoft, Novell – und die Folgen: Analyse: Erdbeben im Linux-Markt.

Und sicher haben auch politische Überlegungen eine Rolle gespielt: Durch das Versprechen, Projekte wie Samba nicht mit Patentklagen zu verfolgen, kommt man den Forderungen der EU nach mehr Wettbewerb im Servermarkt entgegen. Novell dürfte aufhören, die EU-Kommission mit Material gegen den neuen Partner zu versorgen und zukünftig auf eigene Verfahren wegen Wettberwerbsbehinderung verzichten.

Und, nicht zu vergessen: Mit dem Patentabkommen hat Novell als erster großer Linux-Anbieter Microsofts Vorstellungen vom Umgang mit geistigem Eigentum akzeptiert – jetzt, wo SCOs Feldzug gegen Linux kurz vor dem Scheitern steht. Firmen wie Palamida und Black Duck, die sich auf das Klären von Fragen des geistigen Eigentums bei Open Source und proprietärer Software spezialisiert haben, wittern bereits Morgenluft.

Microsofts aggressive Reaktionen gegen Linux in der Vergangenheit waren nicht zuletzt darin begündet, dass Open Source dem Microsoftschen Businessmodell – Geld mit Software-Lizenzen verdienen – ganz fundamental entgegensteht. Nun zahlt Novell einen prozentualen Anteil seines Umsatzes mit Open-Source-Software als Lizenzgebühr an Microsoft. (Details hierzu wollen die Unternehmen allerdings erst in den nächsten Wochen in Börsenmitteilungen offenlegen.) Ist das das Ende der großen Open-Source-Freiheit?

Über die Autor:innen

  • Markus Beckedahl
    Darja Preuss

    Markus Beckedahl hat schon 2003 in der Ur-Form von netzpolitik.org gebloggt und hat zwischen 2004 bis 2022 die Plattform als Chefredakteur entwickelt. Seit 2024 ist er nicht mehr Teil der Redaktion und schreibt einen Newsletter auf digitalpolitik.de. Kontakt: Mail: markus (ett) netzpolitik.org, Presseanfragen: +49-177-7503541 Er ist auch auf Mastodon, Facebook, Twitter und Instagram zu finden.


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5 Kommentare zu „Erdbeben im Linux-Markt?“


  1. Beim üblichen „Microsoft Bashing“ wird übersehen, dass die wesentliche Leistung von Microsoft für die IT Welt nicht in der Produktion von Betriebssystemen oder Anwendungprogrammen liegt, sondern in der Standardisierung der PC Hardware und Software. Es ist kein Zufall, dass man heute ein Gerät oder PC Zubehör kaufen und ohne Probleme an den eigenen PC anschließen kann. Microsoft hat hierfür ein geniales System zur Verwaltung und Qualitätssicherung von PC Komponenten aufgebaut. Nur allzu gerne greift die LINUX Gemeinde auf diese Infrastruktur von Hardware und Treibern zurück. Es gibt nicht einmal Ansätze eine eigenständige Linux Hardware Architektur und zertifizierte Infrastruktur aufzubauen. Auch Apple hat inzwischen die Eigenentwicklung von Hardware naher Software aufgegeben.
    Die LINUX Gemeinde wird also wohl auf lange Zeit von Microsoft abhängig sein. Ob mehr oder weniger spielt da wohl keine so große Rolle mehr.


  2. Das ist eine sehr interessante These, die ich bisher noch nie so gehört habe. Kannst Du diese mal etwas mehr konkretisieren und vielleicht noch ein paar Links zur Untermalung der Argumentation beifügen? Das würde mich mal sehr interessieren, denn so habe ich das noch nie gesehen.


  3. Ein kurzer Blick auf die Windows Logo Program Requirements zeigt bereits deutlich welche Komplexität hinter der Definition und dem Test von kompatibler Hardware steckt. Dazu gehört nicht nur die Definition der Architektur neuer Devices z.B. Media und deren Schnittstellen sondern auch die Garantie, dass ältere PCs auch mit neuer Software problemlos laufen.

    Nur ein Beispiel. Ich habe selbst vor etwa 8 Jahren bei IBM die sogenannte PC/SC Architektur zum Anschluss von Smartcards an PCs zusammen mit Microsoft, Siemens und anderen Firmen standardisiert. Das war ziemlich kompliziert, da man die Logik (das findest du heute als Crypto Service Provider in Windows, den Smartcard Leser (mit Plug& Play) als auch die Funktion der Smartcard definieren musste. Anschließend haben verschiedene Firmen spezielle Smartcards und Programme zum Testen des gesamten Stacks entwickelt. Diese Architektur wurde dann von Microsoft über die ganze Zeit stabil gehalten. Die IBM Digitale Signatur Anwendung, die Billy Gates vor 8 Jahren zum ersten Mal sah, läuft unverändert heute auch mit Internet Explorer 7.0 und allen anderen Anwendungen, die eine digitale Signatur zur Authentisierung oder zum Unterschreiben oder Verschlüsseln von Dokumenten verwenden. Voraussetzung ist allerdings, dass Anwendungen diese PC/SC Architektur auch benutzen. Was passiert, wenn man diese Architektur nicht verwendet, sieht man am Chaos bei deutschen Projekten wie Bankenkarte für Homebanking, Deutsche Signatur oder Gesundheitskarte. (An diesem deutschen Unwesen wird die Welt nicht genesen!)

    Für fast alle Bereiche der I/O Hardware kann man ähnliche Entwicklungen verfolgen. Apple hat dies erkannt und ist von seiner exzellenten proprietären Hardware Architektur komplett auf INTEL und die Microsoft Hardware Landschaft umgestiegen. In der LINUX Welt gibt es nicht einmal Ansätze für eine Organisation, die eine solche Hardware Standardisierung durchführt. Die Hersteller von Hardware wären auch nicht daran interessiert für einen relativ kleinen Anteil des Marktes aufwändige Alternativen zu entwicklen. Es ist nur fair wenn sich Microsoft den Aufwand vergüten lässt.


  4. […] Deutsche Behörden sind typisch nicht gerade führend bei der Einführung und Nutzung der IT. Dies wird üblicherweise mit dem Mangel an Geld begründet was nicht verwundert, wenn jede Gemeinde, jedes Land und jede Bundesbehörde eine unterschiedliche IT Infrastruktur und Anwendungslandschaft unterhält. Die Einführung von LINUX als Betriebssystem macht eventuell bei Servern Sinn wird aber auch dort das eigentliche Problem der mangelnden Kooperation und Koordination der Behörden nicht lösen. Versucht man jedoch, auch Clients auf LINUX zu betreiben, gerät man von der “großen” Abhängigkeit von Microsoft in die vielen “kleinen” Abhängigkeiten kleiner lokaler Service Firmen. Politisch ist das eventuell sogar gewollt. Es werden ja damit viele (unnötige) Arbeitsplätze in den Regionen geschaffen! Man sollte aber zunächt einmal darauf achten die Verwaltung möglichst effizient zu machen – der Ansatz viele (unnötige) Leute in der Verwaltung zu beschäftigen (siehe Berlin!) ist wohl nicht nachhaltig. Einen kleinen Eindruck, welche Probleme nur beim Anschluss eines Plug&Play Gerätes an einen LINUX PC auftreten, kann man in diesem Beitrag erhalten.  Man sollte sich bei den deutschen Behörden recht schnell erkennen, dass man auch bei LINUX von US Firmen (Novell .. ) abhängig ist und die Ersparnisse bei Lizenzkosten sehr schnell durch erhöhten Wartungsaufwand aufgefressen werden. Eine gute Strategie wäre sicher, sich die IT Landschaft in der deutschen Industrie anzusehen und den dort erfolgreich etablierten “Best Practices” zu folgen. Damit kann man sicherstellen, dass man mit einer speziellen Lösung nach einigen Jahren von den Herstellern im Regen stehen gelassen wird. Es ist auch völlig offen, ob die Individualisten in der LINUX Entwicklung weiter so begeistert ohne Entgelt mtmachen wenn sie erkennen, dass sie letzendlich umsonst für Novell & Co. arbeiten. […]


  5. […] am Markt auch interessante Produkte und günstige Preise garantieren. In der Monopolwelt von Microsoft und Intel sind die Preise in der Vergangenheit teilweise dramatisch gefallen, während z.B. auf dem […]

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