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Too big to fail: Verantwortungslose KI-Panik

Seit Jahren warnt die KI-Branche vor den Gefahren der Technik, die sie selbst auf die Welt losgelassen hat. Bis heute hat sich daran kaum etwas verbessert. Das liegt auch daran, dass die Tech-Konzerne den Rahmen der Debatte bestimmen. Es wird Zeit, dass sie echte Verantwortung übernehmen. Ein Kommentar.

  • Tomas Rudl
Ein Bullenlauf im Georgia International Horse Park.
Die KI-Branche treibt demokratische Gesellschaften vor sich her. Das muss ein Ende finden. – Alle Rechte vorbehalten: IMAGO / Depositphotos

Sie dringen eigenständig in Websites von Regierungen ein, hacken fremde Unternehmen oder tragen dazu bei, dass Schulkinder bei Bombenangriffen zerfetzt werden. Selbst den Chefs der großen KI-Anbieter wie OpenAI oder Anthropic sind ihre eigenen Produkte nicht mehr ganz geheuer. Erst letzte Woche warnten sie erneut vor den Gefahren der Technik, diesmal vor dem UN-Sicherheitsrat, und riefen zu internationaler Kooperation auf, um sie einzuhegen.

Wir sollten sie langsam ernst, aber nicht beim Wort nehmen. Ob die KI-Apokalypse wirklich unmittelbar bevorsteht, wie manche von ihnen behaupten, sei dahingestellt. Zum größten anzunehmenden Unfall muss es aber gar nicht kommen, um sich das zerstörerische Potenzial von KI – und vor allem der KI-Unternehmen selbst – klar vor Augen zu führen.

Ohne Rücksicht auf persönliche Daten, Urheberrecht oder die Menschen, die plötzlich neben Rechenzentren leben sollen, haben diese Firmen praktisch das ganze digitalisierte Wissen der Menschheit aufgesaugt. Das verpacken sie in kommerzielle Geschäftsmodelle und verkaufen uns diese „Intelligenz“ wieder zurück. Es sei womöglich der „größte Diebstahl von Arbeitskraft in der Geschichte der Menschheit“, schrieb ein Microsoft-Manager in einem internen Memo, das bei einem Gerichtsverfahren ans Licht kam.

Mit atemberaubender Geschwindigkeit haben sich diese Firmen in wenigen Jahren tief in unsere Gesellschaften eingeschrieben und schreiben munter weiter. Oft genug spornen sie dabei führende Politiker:innen an, vom US-Präsidenten Trump über den britischen Ex-Premier Starmer bis hin zur EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen. Man will ja nicht den Anschluss verpassen, selbst wenn man sich dabei zum Papagei der Tech-Bosse macht.

Eine Wette ohne uns

Es ist eine gigantische Wette auf künftige Märkte, Geschäftsmodelle und Einnahmen, die diese Firmen eingehen. Dabei ist alles andere als gesichert, dass ihre Geschäftsmodelle überhaupt tragen. Allein die geplanten Ausgaben für den Bau von Rechenzentren in den USA würden im Schnitt 3,6 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts entsprechen, schätzt eine aktuelle Studie. Noch nie zuvor sei die US-Wirtschaft so stark vom Ausbau einer einzelnen Branche abhängig gewesen, warnt das Wall Street Journal.

Inzwischen ziehen etwa ehemalige Chefs der US-Notenbank Parallelen zur letzten Finanzkrise. Ungenügend regulierte Banken brachten damals mit hochriskanten Geschäftsmodellen das internationale Finanzsystem an den Rand des Abgrunds. Gerettet wurden sie, die zu groß und zu wichtig geworden waren, schließlich mit Steuergeld. Auf den Kosten ist der Rest der Gesellschaft sitzen geblieben.

Too big to fail: Das scheint zu einem der Mottos zu zählen, mit denen die heutigen Tech-Oligarchen ihre Pfründe sichern wollen. Verantwortung wollen sie indes nicht übernehmen. So stellte etwa jüngst Palantir-Chef Alex Karp in den Raum, dass eine Vergesellschaftung von KI-Firmen der aus seiner Sicht richtige Ansatz wäre.

Angesichts der sich häufenden KI-Schreckensmeldungen bliebe sonst nichts übrig, denn „wenn man sie nicht verstaatlicht, wird jeder einzelne meiner Kunden klagen“, sagte Karp. Dieses Risiko ist offenbar demokratischen Staaten zumutbar, privaten Wirtschaftsunternehmen jedoch nicht. Dass sie ihre Profite derweil für sich behalten wollen, versteht sich von selbst.

Verwässerte EU-Regeln

In ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union wies die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen kürzlich auf die Gefahren selbstlernender KI-Modelle hin, um im gleichen Atemzug die KI-Verordnung (AI Act) als „wichtigen Schritt hin zu einem Sicherheitsnetz“ zu loben. Was sie dabei unter den Tisch fallen ließ: Erst im Mai hat die EU ebenjenes KI-Gesetz verwässert und ausgerechnet Auflagen für hochriskante KI-Anwendungen begrenzt. Ebenfalls nicht erwähnt hat die Kommissionspräsidentin, dass die Kommission im Vorjahr ihren Vorschlag einer eigenen KI-Produkthaftungsrichtlinie zurückgezogen hat.

Der Gesetzentwurf lag seit dem Jahr 2022 auf dem Tisch, konnte sich letztlich jedoch nicht gegen zwei ungefähr zeitgleich verhandelte Vorschläge behaupten: den AI Act sowie eine aktualisierte, allgemeinere Produkthaftungsrichtlinie. Eigentlich sollten die drei Gesetze zusammen wirken und sich gegenseitig ergänzen.

So enthält der AI Act Regeln für KI-Hersteller und ‑Anbieter, die je nach Risiko des geplanten KI-Produkts unterschiedlich streng ausfallen, geschädigten Nutzer:innen jedoch keine Rechtsmittel in die Hand geben. KI-spezifische Haftungsfragen sollte die eigene Richtlinie abdecken, sie ging dann später aber in der allgemeinen EU-Richtlinie auf. Zwar wurde diese unter anderem um durch Software verschuldete Schäden erweitert, enthält aber immer noch Lücken – und harrt obendrein weiterhin ihrer EU-weiten Umsetzung, etwa in Deutschland.

Dass dieser Rahmen nicht ausreicht, um wildgewordene KI-Tools einzufangen oder, besser noch, dafür zu sorgen, dass sie gar nicht erst echten Schaden verursachen, hat nicht zuletzt der IT-Sicherheitsvorfall rund um OpenAI und Hugging Face im Sommer offengelegt: Damals brachen von OpenAI entwickelte KI-Agenten in einer Testphase aus einer unzureichend abgeschotteten Umgebung aus und griffen eigenständig die Infrastruktur des Unternehmens Hugging Face an. Da es sich um kein auf dem Markt verfügbares Produkt handelte, ist bis heute selbst unter Fachleuten umstritten, ob die EU-Regeln solche Vorfälle überhaupt erfasst hätten. Im Zweifel eher nicht.

Haftungsrisiko schafft Vorsicht

Derzeit scheinen sich auf EU-Ebene zwei Antworten auf dieses Problem herauszubilden. Da wären zum einen Vorschläge zu internationaler Kooperation, die sich etwa nach dem Vorbild der Internationalen Atomenergiebehörde institutionalisieren ließe. Dies hatte schon vor Jahren OpenAI-Chef Altman gefordert, auch Digitalminister Wildberger (CDU) und wohl auch seine Parteikollegin von der Leyen wären mit an Bord.

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Zum anderen brodelt es im EU-Parlament. Dort hat sich jüngst eine Gruppe von Abgeordneten gebildet, die die KI-Produkthaftungsrichtlinie wiederbeleben will. Gesetze vorschlagen kann das Parlament zwar nicht, politischen Druck aufbauen indes schon. Ob der ausreichen wird, um den Deregulierungskurs der EU-Kommission zu korrigieren, bleibt vorerst offen.

Beide Ansätze stimmen nicht unbedingt hoffnungsvoll: Es könnten Jahre ins Land ziehen, bis ein Kompromiss gefunden wird, mit dem alle zufrieden sind. Eine Erfolgsgarantie gibt es dabei nicht. Widerstand gegen zu strenge Auflagen dürfte sowohl aus den USA als auch aus China kommen, die sich aus strategischen Gründen kaum reinreden lassen wollen.

Unserer Gesellschaft droht im schlimmsten Fall, gleich zwei Mal überfahren zu werden: Von einer verfrüht ausgerollten Technik, die ohne Leitplanken nichts im Massenmarkt verloren hat. Und von einer wirtschaftsfreundlichen Politik, die es in der Hand hatte, rechtzeitig einzuschreiten. Wenn sie nicht im letzten Moment der Mut verlassen hätte.

Regulierung zu demokratischen Bedingungen

Noch ist es nicht zu spät. Wie die KI-Bosse selbst fordern, müssen sie und ihre Unternehmen endlich Verantwortung übernehmen – allerdings nicht zu ihren Bedingungen. Sie müssen haftbar werden für all die Schäden, die ihre Produkte anrichten, ganz ohne Singularität. Wer erwarten muss, in Grund und Boden verklagt zu werden, wird es sich zwei Mal überlegen, ein halbgares und potenziell gefährliches Produkt auf die Welt loszulassen.

Dafür muss die EU eine schärfere Regulierung auf den Weg bringen, die das auch leisten kann. Der gegenwärtige Zustand, der vor Hiobsbotschaften und Warnungen vor Hiobsbotschaften überquillt, während Teile der Politik immer noch naiv einem fragwürdigen Innovationsversprechen hinterherrennen, muss ein Ende finden. Es braucht klare Kante und echte Regeln, damit die Milliardenkonzerne in Haftung genommen werden – und nicht später die Gesellschaft auf dem Scherbenhaufen sitzen bleibt. Denn das ist verantwortungslos.

Über die Autor:innen

  • Tomas Rudl

    Tomas ist in Wien aufgewachsen, hat dort für diverse Provider gearbeitet und daneben Politikwissenschaft studiert. Seine journalistische Ausbildung erhielt er im Heise-Verlag, wo er für die Mac & i, c't und Heise Online schrieb.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Bluesky

    Foto: Darja Preuss


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11 Kommentare zu „Verantwortungslose KI-Panik“


  1. Sinopos

    ,

    > dass Schulkinder bei Bombenangriffen zerfetzt werden

    [citation needed]

    Falls hier der US-Angriff vom Jahresanfang auf die Mädchenschule im Iran gemeint sein sollte, dann war dies nicht, wie anfangs groß behauptet, mit einem LLM von Anthropic ausgewählt, sondern Entscheidungen unter Zeitdruck unterstützt mit „gutem alten“ Machine Learning, u.a. von Palantir. Dass hier ein LLM schuld sei, befeuert genau das Narrativ der großen AI-Unternehmen.

    > Damals brachen von OpenAI entwickelte KI-Agenten in einer Testphase aus einer unzureichend abgeschotteten Umgebung aus und griffen eigenständig die Infrastruktur des Unternehmens Hugging Face an.

    Dies übernimmt ebenfalls das Narrativ einer „Superintelligenz“ und stellt nicht heraus, dass OpenAI nicht in der Lage ist ihre eigene Software entsprechend zu sandboxen. Wenn in einem Zoo ein Löwe aus dem Käfig ausbricht und sich an Besucher_innen bedient, lobpreisen auch nicht alle den Löwen, sondern sehen die Schuld beim Zoo, welcher nicht in der Lage ist einen Zaun zu bauen.

    Die Prämisse des Artikels, nicht einfach das Framing der AI-Unternehmen zu übernehmen, ging im Detail dann doch deutlich nach hinten los. Schade, da es sonst doch ein schöner Artikel war.


    1. Tomas Rudl

      ,

      > Falls hier der US-Angriff vom Jahresanfang auf die Mädchenschule im Iran gemeint sein sollte, dann war dies nicht, wie anfangs groß behauptet, mit einem LLM von Anthropic ausgewählt, sondern Entscheidungen unter Zeitdruck unterstützt mit „gutem alten“ Machine Learning, u.a. von Palantir. Dass hier ein LLM schuld sei, befeuert genau das Narrativ der großen AI-Unternehmen.

      Es ist fast unerheblich, ob ich Iran als Beispiel genommen hätte, oder den beinahe-Angriff auf ein chinesisches Schiff – den auch nur in letzter Sekunde ein Mensch verhindert hat – oder vielleicht sogar die Boko-Haram-Gruppen, die mit ChatGPT Bomben basteln. Es ist auch unerheblich, auf welcher genauen ML-Technik das aufsetzt, und ob die von OpenAI, Palantir oder sonstwem stammt. Die Tools sind draußen und im Einsatz. Mit echten Konsequenzen, nur nicht für die Hersteller. Die wollen sich lieber die kommende Regulierung maßschneidern.

      > Dies übernimmt ebenfalls das Narrativ einer „Superintelligenz“ und stellt nicht heraus, dass OpenAI nicht in der Lage ist ihre eigene Software entsprechend zu sandboxen. Wenn in einem Zoo ein Löwe aus dem Käfig ausbricht und sich an Besucher_innen bedient, lobpreisen auch nicht alle den Löwen, sondern sehen die Schuld beim Zoo, welcher nicht in der Lage ist einen Zaun zu bauen.

      Die Verantwortung für die „unzureichend abgeschotteten Umgebung“ liegt selbstverständlich bei OpenAI, das war ja der Punkt des ganzen Absatzes. Mir scheint, die Branche hat insgesamt kaum etwas im Griff, da braucht es gar keine „Superintelligenz“.

      > Die Prämisse des Artikels, nicht einfach das Framing der AI-Unternehmen zu übernehmen, ging im Detail dann doch deutlich nach hinten los. Schade, da es sonst doch ein schöner Artikel war.

      Ganz kann ich die Kritik nicht nachvollziehen, aber Danke fürs Abklopfen und Lesen!


      1. Anonym

        ,

        Am Ende profitieren nur Großkonzerne und lokale KI-Modelle werden verboten, da sie sich nicht so regulieren lassen.

        Gleiches sehen wir gerade durch den Eu Kids Act der private Server verbietet und für jedes Spiel mit Connectivity eine eingebaute Altersverifikation erfordert – auch hier profitieren nur Konzerne.

        Freiheit hat einen Preis und ich würde mir gerne von Netzpolitik einmal anhören wollen, wie sie sich so eine Regulierung vorstellen. Konsequenterweise muss man dann ebenfalls den Hackerparagraphen aufrechterhalten und sich gegen CCC in der Kritik stellen.


        1. Tomas Rudl

          ,

          >Am Ende profitieren nur Großkonzerne und lokale KI-Modelle werden verboten, da sie sich nicht so regulieren lassen.

          Wir hören diese effektiv cyberlibertäre Argumentation seit über 30 Jahren und wundern uns, warum am Ende eine libertäre Realität rausfällt, in der nur die Googles, Teslas und OpenAIs dieser Welt gewinnen. Davor muss man nicht vage warnen, das beschreibt den Ist-Zustand. Ich sehe keinen Grund, geradezu nihilistisch und vordergründig apolitisch mit den Schultern zu zucken und zu sagen, das lässt sich eh nicht regulieren. Das stimmt nicht. Es beginnt mit dem Trainingsmaterial und endet (nicht wirklich) damit, wie solche Produkte in einen kapitalistisch strukturierten Markt integriert werden. Hebel gibt es genug, und einige werden wir vermutlich neu erfinden müssen.

          > Freiheit hat einen Preis und ich würde mir gerne von Netzpolitik einmal anhören wollen, wie sie sich so eine Regulierung vorstellen. Konsequenterweise muss man dann ebenfalls den Hackerparagraphen aufrechterhalten und sich gegen CCC in der Kritik stellen.

          Freiheit hat ihren Preis, Innovation aber auch, erst recht unregulierte. Was haben bspw. Chemie-Firmen davor gewarnt, dass sie ihr giftiges Abwasser nicht mehr einfach so in Flüsse ableiten dürfen oder Filter in ihre Schornsteine einbauen müssen. Wenn Leute wie Altman davon sprechen, dass die Welt die negativen Auswirkungen von KI akzeptieren muss, damit es seinem Unternehmen gut geht, dann ist das eine Sache. Zum Wasserträger sollte man sich allerdings nicht machen.


          1. Tomas Rudl

            ,

            Es stimmt, dass wir vor schwierigen Fragen mit schwierigen Antworten stehen, aber der Debatte können sich demokratische Gesellschaften nicht verweigern. Dabei habe ich mich im Artikel auf Beispiele beschränkt, die ich noch für verhältnismäßig einfach lösbar halte.

            Was aber ist mit all den dafür anfälligen Menschen, bei denen Chatbots offenbar KI-Psychosen oder Ähnliches auslösen? Was tun mit dem zunehmenden „Deskilling“-Problem, welches etwa dazu führt, dass Ärzt:innen elementare Kompetenzen verlernen und sich gleichzeitig von kommerziellen KI-Produkten abhängig machen? Wer wird künftig Kunst (oder sonstige Wissensarbeit) zu welchen Bedingungen produzieren, wenn Tech-Bros Kunst nicht als soziales Phänomen und permanenten Aushandlungsprozess begreifen, sondern als technisches Problem, das gelöst werden kann und soll – und die im Vorbeigehen die materiellen Lebensgrundlagen ganzer Bereiche zerstören, auf denen ihre KI-Geschäftsmodelle aufbauen?

            All diese Fragen beantworten derzeit fast ausschließlich Tech-Bros für uns, indem sie (oft genug illegal) Tatsachen schaffen und weite Teile unserer Welt nach ihren fragwürdigen Vorstellungen umbauen. Allein das halte ich schon für ein demokratiepolitisches Problem. Es wird nur schlimmer, wenn diese KI-Firmen Gewinne privatisieren und negative Auswirkungen auf die Gesellschaft abladen. Das können wir uns einfach nicht leisten.


          2. Anonym

            ,

            Danke für die ausführliche Antwort!

            Ich stimme dir schon zu das etwas getan werden muss, aber befürchte hier einfach wieder eine heftige Überreaktion seitens Politik. Wir sehen doch z. B. am EU Kids Act das keinerlei Differenzierung zwischen Großkonzern, Kundschaft, Demographie etc. gemacht wird. Es werden Technologien, oder Dienstleistungen ausnahmslos verboten und ich als mündiger Bürger wie ein hirnloser Zombie herabgewürdigt der keine eigene „Agency“ hat.

            Etwas das schlecht für Kinder, oder vulnerable Menschen ist muss nicht auch für mich verboten werden. Das kotzt mich an. Das beste und aktuellste Beispiel ist eben der Verbot von privaten Game-Servern.

            Die KI-Psychosen kann ich auch nicht nachvollziehen, auch das ist Nutzerabhängig und trifft nicht auf alle zu. Ich möchte und kann solche fiktiven Beziehungen/Interaktionen von realen unterscheiden und interagiere mit Chatbots, weil sie eben nicht real sind. Wobei ich in diesem Bereich ohnehin lokale Dienste empfehlen würde, da einige viel zu persönliche Informationen an Altman preisgeben.

            Es braucht gewisse Rahmenbedingungen, ja. Man sollte aber auch nicht die Menschen infantelisieren, die damit umgehen können und das auch wollen. Ich möchte nicht bevormundet werden. Gerne kann man solche Dienste auch nur für Erwachsene o. Ä. zugänglich machen und Hinweise einblenden das man mit einer KI chattet. Platte Verbote sind aber aktuell im Trend und werden eben immer mit der Salamitaktik gepushed. Diese Angst und Zweifel vor Regulierung hat die Politik selbst gezüchtet; man nimmt das schlimmste Szenario spricht ausschließlich darüber und am Ende wurde mehr verboten als man dachte.


    2. Anonym

      ,

      Gutes altes Machinelearning beinhaltet aber auch schon Reinforcementlearning, und dessen Gefahren. Alter Kaffee, ja, aber das haben die auch in die neuen Systeme mit eingewoben. Sicherlich nur aus Verzweiflung, um das Problem zu killen, aber immerhin.


  2. Versuch einer kurzen Bogenlampe

    ,

    Ob KI uns auslöscht ist eine Modellfrage. Man kann das nicht wirklich hinstellen, und dann in ein paar Jahren gucken, wenn Kontrollverlust droht.

    Formen von Kontrollverlust passieren auch, wenn ein Land Kontrolle über andere erhält. Das müssen alle anderen für sich auch mitbedenken. Denke an das All, z.B.

    Wichtige Frage, ob Kontrollverlust droht, oder ab wann. Techkonzerne zu hofieren ist bereits eine Form von Kontrollverlust, das nur am Rande. Die andere Frage ist, ob Kontrolle überhaupt möglich ist, rein konzeptionell. Auch die Techsuperhirne werden die alten Philosophen nicht überholen. Man verspricht autonome Intelligenz, will naturgemäß umsatzfreundliche Lösungsmaschinen, verkauft uns aber hohe allgemeine Intelligenz. Gehupft wie gesprungen, die derzeitigen Ansätze sind nicht unter Kontrolle. Das ist zunächst eine allgemeine Sicherheitsfrage. Allgemeine Intelligenzen können nicht kontrolliert werden, jedenfalls nicht langfristig. Das bedeutet die nächste Frage, nämlich ob Kontrolle in der Form überhaupt klug ist. Die Alternative wären transformativ lernende Systeme, die man sozialisieren und erziehen muss. Nur halt besser nicht als Sklaven, wenn man „super“ will.


  3. Danke. Man kann gerade nicht oft genug sagen, dass die Geschäftsführung haftbar gemacht werden muss, damit etwas passiert.

    Die Geschäftsführung tut aber so, als hätten die Modelle eigenmächtig gehandelt.

    LLMs können überhaupt nicht eigenständig handeln. Und sie haben auch keine inhärenten Fähigkeiten um auch nur eine Datei zu lesen. Sie werden mit Tools verknüpft und da liegt die Verantwortung des Unternehmens.

    Sie werden zu bestimmten Zwecken mit bestimmtem Material trainiert. Und dann bzw. währenddessen werden sie unter kontrollierten Bedingungen ausgeführt. Wenn diese Bedingungen keine Kontrolle ermöglichen, dann sind sie nicht ausreichend.

    Das Zauberwort für ausbruchssichere Bedingungen heißt „air gap“ – die physische Trennung aller beteiligten Systeme von unbeteiligten Systemen.

    Wenn ich an einem neuen Supermotor arbeiten würde (tue ich nicht) und mein ultrastarker, megaschwerer Elektrolaster fährt während meiner Mittagspause quer durch die Stadt alle Häuser und Autos platt, dann bin auch ich dafür verantwortlich, nicht der Laster. Ich hätte ihn einhegen müssen.

    Dafür bräuchte man eigentlich nicht mal ein neues Gesetz, oder? Ich baue etwas. Es richtet unter meinen Testbedingungen Schaden an. Ich hafte. Warum sollte das bei LLMs anders sein?


    1. Anonym

      ,

      Prinzipiell nicht anders, aber es sind nicht nur reine LLMs. U.a. wird Problemlösen mittels Reinforcementlearning eingelernt, wahrscheinlich kommen auch antagonistische Systemkomponenten zum Einsatz, dazu Iteration, Speicher, etc. Dann gegebenenfalls noch das Internet.

      Bei Agenten wird nicht nur noch ein bischen iteriert, sondern nach Vorgabe eine ziemlich lange Zeit gearbeitet, im Zweifel bis ein gestelltes Problem als gelöst betrachtet wird. Und Menschen wollen Agenten, die alles tun können, was Agenten brauchen, um auszubrechen, sich organisieren zu können, Unternehmen zu gründen, etc. Ein Verführer von außen könnte da genügen.

      Die Gefahrenklassen sind nicht mal gründlich erforscht. Im Moment geistern Zahlen wie „zehntausende Vorfälle“ und „15 Petabytes Logs“ umher. Das ist Absicht oder eine Form von Kontrollverlust. Noch nicht unbedingt dieselbe Form von Kontrollverlust, wie wenn ein viel intelligenteres System uns irgendwie abhängt.

      Die Frage muss allerdings in der Realität bearbeitet werden, hier gibt es keinen Weg drum herum.

      Die Sicherheitsfrage ist natürlich klar. Dienstleister hatte Checkbox für Internet vergessen oder was, ein Updateproxy o.ä. war eingeschleift. Also Design auf Soft- und Hardwareebene widerspricht potentiell kritischen Anwendungen. Nur, wenn wir das beim Testen so verlangen, sind wir dann so naiv, anzunehmen, dass agentische Produktivsysteme nicht dieselben PRINZIPIELLEN Gefahrenklassen bedienen werden?

      Das Problem ist nicht mittels anekdotischer oder statistischer Sicherheit lösbar. Bewiesen sicher ist die Richtung. Für die Systeme oder zumindest für alles andere (IoT, MS Win+Exchange+AD, you name it!).


      1. Anonym

        ,

        „Soft- und Hardwareebene“

        Und Prozessebene! Vgl. Zwölf Augen, oder kein, Checkbox oder Kühlbox, Schmünternett??

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