Smart GlassesMeta plant offenbar noch invasivere Überwachungsbrille

Während sich Datenschutzbehörden in Europa gerade erst in Stellung bringen gegen die Überwachungsbrillen, entwickelt Meta offenbar schon an einer Brille, die dauerhaft aufzeichnet. Doch es regt sich immer mehr Protest gegen die übergriffige Technologie.

  • Markus Reuter
Werbeplakat an einer Bushaltestelle mit der Aufschrift 'The biggest advance in pervert technology since the trenchcoat' und einem Bild von einer Brille mit dem Text 'Hey Meta, start filming' sowie dem Schriftzug 'AI glasses | Meta'
Fake-Werbeplakat an einer Bushaltestelle. – Alle Rechte vorbehalten: Everyone Hates Elon

Meta arbeitet einem Bericht der Financial Times zufolge an einer Überwachungsbrille („smart glasses“), welche permanent Audioaufnahmen und alle paar Sekunden Fotos der Umgebung machen soll. Die Technologie wird euphemistisch „Super Sensing“ genannt, Nutzer:innen sollen dann die Meta-KI zu den Aufzeichnungen ihres Geräts befragen können.

Laut dem Tech-Medium The Verge sollen die Aufnahmen weder den Nutzer:innen noch Meta direkt zugänglich sein, sondern Metadaten aus diesen extrahiert werden und auf die Server des Unternehmens geladen werden.

Meta selbst wollte zwar gegenüber der Financial Times nichts zu „internen Prototypen“ sagen, verwies aber auf ein KI-Forschungsprojekt namens „Aria“, das angeblich Privatsphäre schützende Technologien entwickle. Dem Bericht zufolge verkauft Meta die Entwicklung der permanenten Überwachungsbrille offenbar als datenschutzfreundlich.

Dieser Logik entsprechend plane Meta, dass die Brille die permanenten Aufnahmen auch nicht durch eine Warnleuchte anzeigt, denn diese sei für „aktive Aufnahmeszenarien“ reserviert, heißt es in einem Whitepaper aus dem Jahr 2025, das The Verge verlinkt.

Schon aktuelle Generation ist gefährlich

Die beständige unkontrollierte Weiterentwicklung der Brillen zeigt, dass die existierenden Datenschutz- und Privatsphäre-Bedenken von der Industrie ignoriert werden. Zuletzt war Meta dabei aufgeflogen, in die existierende Brillengeneration Gesichtserkennung einbauen zu wollen. Nachdem WIRED darüber berichtet hatte, nahm der Konzern die Funktion vorerst aus der Programmierung.

Ich sehe was, was du nicht siehst

Doch schon die jetzt verfügbaren Überwachungsbrillen von Meta stehen massiv in der Kritik – und das nicht nur, weil sie für digitale Gewalt und unerlaubte Aufnahmen genutzt werden. Eine umfassende rechtswissenschaftliche Betrachtung stellte schon vor Jahren fest: „Smart Glasses bergen aufgrund fehlender Transparenz der Informationserfassung sowie mangelnder Kontrolle anschließender Informationsverarbeitung eine erhebliche Gefahr der Beeinträchtigung der Privatsphäre und damit rechtlich verbürgter Persönlichkeitsrechte der von ihnen erfassten Personen.“

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Dabei gingen die Gefahren „weit über die bisher verwendeten Arten der optischen, akustischen und elektronischen Informationserfassung“ wie bei Videoüberwachung oder Smartphones mit Kameras hinaus. Problematisch ist dabei nicht nur die Tiefe des technischen Eingriffs, sondern auch die absehbare Breite ihrer Anwendung, wenn immer mehr Menschen die Brillen nutzen.

Werbeplakat an einer Bushaltestelle mit der Aufschrift 'The biggest advance in pervert technology since the trenchcoat' und einem Bild von einer Brille mit dem Text 'Hey Meta, start filming' sowie dem Schriftzug 'AI glasses | Meta'
Fake-Werbeplakat an einer Bushaltestelle. – Alle Rechte vorbehalten: Everyone Hates Elon

Proteste gegen die Brillen

Unterdessen gibt es aber auch immer mehr Protest gegen die Überwachungsbrillen. Eine britische Gruppe mit den Namen „Everyone hates Elon“ beispielsweise hängt falsche Werbe-Plakate im Namen von Meta auf. Darauf steht: „Der größte Fortschritt in Technologie für Perverse seit dem Trenchcoat“. Angespielt wird hier auf die Nutzer:innen der Brille, die heimlich Frauen aufnehmen und deren Bilder im Netz verbreiten.

Neben Aktivist:innen und Digital-Rights-Organisationen bringen sich auch die Datenschutzbehörden gegen die Überwachungsbrillen in Stellung.

Die französische Behörde CNIL hat im Mai eine Warnung vor den Brillen ausgesprochen. Sie stellten ein „erhebliches Risiko“ für die Normalisierung von Überwachung dar und könnten „zu einem tiefgreifenden Wandel unserer Gesellschaften führen“.

Auch der Europäische Datenschutzausschuss (EDPD) hat eine Arbeitsgruppe zum Thema eingerichtet. Ein Bericht soll diesen Sommer erscheinen. Nachdem Whistleblower:innen berichtet hatten, dass intime Aufnahmen aus Smart Glasses bei Datenarbeiter:innen landen, haben sich auch Abgeordnete des EU-Parlaments eingeschaltet und fordern Aufklärung.

Der Knackpunkt aus Sicht der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ist die Frage, ob die kleine LED an der Brille den Anforderungen eines Hinweises genügt. Denn laut DSGVO darf nur gefilmt werden, wer erkennbar darauf hingewiesen wurde und zugestimmt hat („notice and consent“), egal ob das in der U‑Bahn oder auf einem Konzert geschieht. Verbraucherschützer:innen warnen, eine solche Einwilligung sei im Fall von Smart Glasses realistischerweise gar nicht möglich.

Über die Autor:innen

  • Markus Reuter

    Markus Reuter recherchiert und schreibt zu Digitalpolitik, Desinformation, Zensur und Moderation sowie Überwachungstechnologien. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit der Polizei, Grund- und Bürgerrechten sowie Protesten und sozialen Bewegungen. Für eine Recherchereihe zur Polizei auf Twitter erhielt er 2018 den Preis des Bayerischen Journalistenverbandes, für eine TikTok-Recherche 2020 den Journalismuspreis Informatik. Bei netzpolitik.org seit März 2016 als Redakteur dabei. Er ist erreichbar unter markus.reuter | ett | netzpolitik.org, sowie auf Mastodon und Bluesky.

    Kontakt: E-Mail (OpenPGP)


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10 Kommentare zu „Meta plant offenbar noch invasivere Überwachungsbrille“


  1. Yilong Ma

    ,

    Ich will darauf hinweisen, dass Gewalt auf keinen Fall gerechtfertigt ist, auch nicht gegenüber sogenannten „Glassholes“. Schlagt auf keinen Fall diesen Personen ins Gesicht und zertretet auch nicht deren Brille, denn das wäre Sachbeschädigung!


  2. Anonym

    ,

    Glasshole 2.0, diesmal von Facebook (was übrigens der echte Name des Unternehmens ist und nicht „Meta“)


  3. Titus von Unhold

    ,

    Wo sind die Verbotsparteien wenn man sie mal braucht?


  4. Mark_Mahoon

    ,

    ich hatte vor ner Weile ein Maker Projekt gesehen, wo jemand starke Infrarot Leds an seiner Jacke verteilt hat, um umgebende Kameras zu blenden. Langsam kommt mir das wie ne gute Idee vor. wie gut wohl die Infrarotfilter an den Metaglasses sind, und wie viel Leistung man wohl benötigt um sie zu überladen.


    1. Anonym

      ,

      Zwei Probleme:
      • Nur Überwachungskameras im Nachtsichtmodus (wo eigene Intrarotbeleuchtung eingeschaltet wird und der interne Infrarotfilter zur Seite geklappt) lassen sich mit Infrarot LEDs blende
      • Starke Infrarot LEDs sind gefährlich für die Augen, gerade auch weil wir das Licht nicht sehen können


      1. Anonym

        ,

        Kameras die in einem Bereich aufnehmen, ließen sich in dem wohl auch blenden bzw. Übersteuern. Kommt etwas drauf an, aber im Wesentlichen schon. Es gibt allerdings verschiedene Bereiche, wie z.B. Wärmebild und Doppler-Radar (!), die ebenfalls zur Identifikation hinreichen können.

        Ausgeschaltete eigene LEDs sagen nichts über die Übersteuerungsanfälligkeit, da die Belichtung automatisch ist (anpassend oder stets hell/dunkel getrennt, wie auch immer). Angeschaltete LEDs sind natürlich Leuchttürme, das ist klar, müssen aber nicht bei einer Kamera angebracht sein.

        Hier bleibt nur a) nicht da zu sein, oder b) sich selbst gegenüber den Spektren unidentifizierbar zu machen, zu welchem Grad auch immer (Maske, Pappkarton, UAP).


  5. Jens Mohr

    ,

    Audioaufnahmen?
    Solange man sein Wort nicht erkennbar an die Öffentlichkeit richtet, handelt es sich nach meinem Kenntnisstand um ein nichtöffentlich gesprochenes Wort. Dieses genießt gesetzlichen Schutz. Ich bin kein Jurist, aber ich halte es durchaus für möglich, dass heimliche Audioaufnahmen je nach den Umständen einen Straftatbestand erfüllen können.
    Nachtrag:
    Da wird man sich mal überlegen müssen, inwiefern es für diese Geräte bei tatsächlicher genannter Funktion eine CE-Zulassung geben kann?


    1. Anonym

      ,

      Das ist korrekt, man kann nicht einfach Audio verwenden. Aufnahmen sind gegebenenfalls erlaubt, so kann man nicht verlangen, dass ein Kamerateam oder eine Wildkamera die Menge im Rücken nie auf Audio hat. Veröffentlichung hat dann weitere Hürden.

      Die Grenzen bei Fotos sind schon bescheuert (gewesen?), nach dem Motto 5 Gesichter könne ja keiner auseinanderhalten. Inzwischen wissen wir, dass das naiver Käse ist. Das Gesetz ist daher unzureichend. Die Alternative, alles ganz zu verbieten, ist eben auch ein Problem. Da gibt es allerdings auch keinen Mittelweg ohne Identifikationsrisiko. Um aus Tonaufnahmen einzelne Sachen zu isolieren, gibt es schon Hilfsmittel mit Machinelearning usw., die jedem in der Theorie zur Verfügung stehen. Da ist die Zeit der Naivität auch vorüber (in der Realität, Gesetzgebung hinkt noch hinterher, vgl. Anonymisierung).

      Also müsste man konsequenterweise das Individuum in der Realität schützen. Abschottung ermöglichen, Namenswechsel ohne Inkenntnissetzung von anderen (Aliase etc.), Anonyme Paketabholstellen etc. Letztlich muss es so passieren, dass welche Daten wer auch immer hat, damit nichts anfangen kann. Natürlich ist das Utopie, da schon die Daten über Liblingsthemen und politische Ausrichtung potentiell ziemlich tödlich sind (für dein Land oder deine Regierungsform). Dennoch sollte man überlegen dem Individuum und aber auch der Familie etc., reale Ausweichmöglichkeiten zu bieten. (Weil das fruchtbar ist, mehr als dass es einen schnellen Ausweg gäbe.)


  6. Heinrich

    ,

    > heißt es in einem Whitepaper aus dem Jahr 2025, den The Verde verlinkt.

    Ich glaube das Medium heißt „The Verge“ und der Link auf das Whitepaper führt zu Facebook und ist natürlich kaputt. Vllt. gibt es einen stabilereb Link dafür?


    1. Markus Reuter

      ,

      Danke, ist jetzt korrigiert und ein Archive-Link gesetzt.

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