Was vom Tage übrig blieb

Von der ohrenbetäubenden Lautstärke zur letzten Ruhe

Der Lärmpegel von russischer Desinformation kann kaum mit Fox News und Trump mithalten, glaubt der New Yorker, Online-Identitäten müssen europaweit einheitlich sein, glaubt der Europäische Rat und Facebook-Konten sollten vollumfänglich vererbt werden, sagt der Bundesgerichtshof. Die besten Reste des Tages.

Schichtkuchen
Der Himmel ist ein Schichtkuchen, die Wolken bloß diesige Marmelade. CC-BY 4.0 netzpolitik.org

Is Russian Meddling as Dangerous as We Think? (New Yorker)
Die Einflussnahme auf Wahlen und Desinformation aus dem Ausland sind zu einem bedeutenden netzpolitischen Thema in Brüssel und Washington geworden, wo immer wieder laut über verpflichtende Maßnahmen zur Eindämmung von fremder Propaganda in sozialen Netzwerken nachgedacht wird. Ein Essay im New Yorker beschäftigt sich mit dem Phänomen und konstatiert, dass es solche Einflussnahme etwa aus Russland zwar gibt, sie aber kaum die Relevanz erreicht, die ihr zuweilen zugeschrieben wird. Der Moskau-Korrespondent des New Yorker, Joshua Yaffa, schreibt: „Aber verglichen mit, sagen wir, Fox-News-Experten wie Tucker Carlson und Sean Hannity, ganz zu schweigen von Trump selbst, überwiegt die wahrgenommene Bedrohung durch russische Trolle bei weitem ihre echte Reichweite. Wie hörbar, geschweige denn folgenreich, sind die russischen Bemühungen, die Behauptungen zu verstärken, dass die Briefwahl zu Wahlbetrug führt, wenn der Präsident diese These regelmäßig in ohrenbetäubender Lautstärke verbreitet?“

EU leaders to call for an EU electronic ID by mid-2021 (Euractiv)
Laut einem geleakten Entwurf der Schlusserklärung des Europäischen Rates nächste Woche wollen die EU-Staats- und Regierungschef:innen die Kommission dazu aufrufen, bis Mitte 2021 einen Vorschlag für eine europaweite elektronische Identität (e-ID) vorzulegen. Elektronische Identitätsnachweise, wie es sie bereits als nationale Lösung in den meisten EU-Staaten gibt, können elektronische Amtswege oder Einkäufe erleichtern. Allerdings lassen solche amtlichen Identitätsnachweise immer wieder Befürchtungen aufkommen, dass sie für womöglich neu eingeführte Identifizierungspflichten etwa für Gamer dienen könnten.

Facebook muss Erben direkten Zugang zu Account geben (Golem.de)
Was mit dem eigenen Konto in sozialen Netzwerken nach dem Tod passiert, diese Frage beschäftigt schon länger die Gerichte. Bereits 2018 urteilte der Bundesgerichtshof, dass Facebook den Eltern einer verstorbenen 15-Jährigen Zugang zu ihrem Konto gewähren müssen. Der Datenkonzern schickte daraufhin eine PDF-Datei mit 15.000 Seiten. Das sei nicht genug, urteilte das Gericht, nachdem die Eltern neuerlich geklagt hatten. Facebook müsse nun vollen Zugang zu dem Konto gewähren, wie ihn die Tochter gehabt hatte.

Jeden Tag bleiben im Chat der Redaktion zahlreiche Links und Themen liegen. Doch die sind viel zu spannend, um sie nicht zu teilen. Deswegen gibt es jetzt die Rubrik „Was vom Tage übrig blieb“, in der die Redakteurinnen und Redakteure gemeinschaftlich solche Links kuratieren und sie unter der Woche um 18 Uhr samt einem aktuellen Ausblick aus unserem Büro veröffentlichen. Wir freuen uns über weitere spannende Links und kurze Beschreibungen der verlinkten Inhalte, die ihr unter dieser Sammlung ergänzen könnt.

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