Podcast NPP 196

Neurechte Schimpftiraden

Der Forscher Joachim Scharloth hat über Jahre die Sprache der neuen Rechten analysiert. Im Podcast erzählt er, was er herausgefunden hat und wieso sich diese Bewegung vor allem durch Beleidigungen definiert. Seine Beobachtungen lassen darauf schließen, dass die angeblichen Patriot:innen ihr Deutschland insgeheim verachten.

„Ausgerechnet die Populisten würdigen das Volk herab.“ Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Lewis Roberts | Bearbeitung: netzpolitik.org


Mehr als 200 Millionen Wörter hat der Sprachwissenschaftler Joachim Scharloth gesammelt und ausgewertet, Artikel und Kommentare, die auf 29 rechten Internetportalen erschienen sind. Die Auswahl basiert auf einer sogenannten „Hitparade der APO-Blogs“, die ein rechter Blog 2017 veröffentlicht hat, darunter sind Publikationen wie „PI-News“, „Tichys Einblick“ oder „Jouwatch“.

Dem Professor für German Studies an der Waseda Universität in Tokyo zufolge definiert sich die neue Rechte vor allem über Beleidigungen und eine herabwürdigende Sprache. Das Schimpfwörterbuch der angeblichen Patriot:innen legt nahe, dass diese ihr vermeintliches „Volk“ und „Vaterland“ in Wahrheit verachten.

Wir haben Scharloth im Dezember in Leipzig getroffen, wo er die Ergebnisse seiner Forschung beim 36. Chaos Communication Congress vorgestellt hat.

Shownotes:

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3 Ergänzungen
  1. Ich bin ein „Neurechter“ (sehe mich eher als Nationalliberal, einfachheitshalber belassen wir es dabei.)

    Ich und viele weitere die ich so (mehr oder weniger) kenne, äussern sich herabwürdigend über den Staat. Dies ist jedoch nicht gleichbedeutend mit unserem Land bzw der Nation. Ich unterscheide ganz klar zwischen dem Staat und dem Land; Land ist das Land im Geographischen Sinne, sowie die Menschen die diesem Land abstammen. Also die autochthone Bevölkerung. Für letzteres (das Land) empfinde ich eine tiefe Verbundenheit. Der Staat jedoch ist abstrakt und in meinen Augen eben jenem Land feindselig gestimmt. Daher bin ich diesem Staat feindselig gestimmt. Natürlich will ich jetzt nicht den Staat abschaffen, sondern ihn reformieren so daß dies nicht mehr zutrifft. Und NEIN nicht durch eine Ermächtigung oder Machtergreifung, sondern durchaus mit demkoratischen Mitteln.
    Was die Bevölkerung angeht, da stimme ich zu gibt es ebenfalls viel Schmäh. Zugegebenermaßen auch von mir ab und zu, dies ist jedoch dadurch bedingt, daß aus meiner Sicht der Großteil der Bevölkerung massiv von Propaganda beeinflusst ist. Und sich gegenüber mir bzw „uns“ mindestens ebenso feindselig aufführt wie ich mich gegen den Staat. Wenn man also jemandem helfen will, dafür aber angefeindet wird, dann erzeugt das natürlich Frustration. Und nicht jeder ist so besonnen wie ich und sieht überwiegend darüber hinweg. Das ist leider insgesamt ein Problem unserer Bewegung… dem bin ich mir wohl bewusst. Natürlich ist das auch ein Problem anderer Bewegungen, nur da wirds halt kaum Thema, …ist also nicht so schlimm wie bei „unserer“. Was das ganze natürlich nicht besser macht.
    Das wäre übrigens auch mal ein spannendes Thema für den Herrn Scharloth mal bei Linksunten und Co. sammeln und auswerten ;)
    Wenn wir nun mal zu den Begriffen kommen die man so verwendet, das hat meiner Ansicht nach eher was mit der Meme-Kultur zu tun die im Netz ja nunmal prägend ist. Shitholistan (mutmaße damit ist DE gemeint) sagt jetzt nicht aus daß Deutschland ein Shithole sein soll, sondern man will hier sagen, daß der Islam überpräsent ist und dies wird als Misstand verstanden. Also wird aus Shithole (=Misstand) und Afghanistan(=(radikaler?)Islam) eben Shitholeistan. Und wubbs ist ein Meme geboren. Manche sind gut und eindringlich die werden dann gerne wiederverwendet, andere sind nicht so gut wie das Beispiel hier.
    Übrigens ist es ein Klischee daß wir Rechten gegen Anglizismen wettern. Also ich persönlich nur wenns übertrieben wird… dann gibts extreme-denglisch-hating xD

    Die Radikalisierung ist Hausgemacht und mit ignorieren wird das auch nicht weniger. Da sollte man aber mal einen Psychologen befragen. Ich bin der Meinung daß sehr sehr vieles eben damit beginnt, daß die Leute ignoriert werden die wütend sind. Ob die nun Recht haben oder nicht, ist dabei doch erstmal zweitrangig. Jeder möchte daß seine Meinung gehört wird und jeder möchte daß er gleich behandelt wird wie andere. Findet aber in der Realität nicht statt. Als „Rechter“ ist man permanent als Wurzel allen Übels gebrantmarkt. Das fängt alleine schon beim Begriff an, stellen Sie sich doch heute mal in die Fußgängerzone und sagen sie „Ich bin rechts“ gerade auch wenn man kein Rechter ist sollte das jeder unbedingt mal probieren…
    Also wenn man den Anspruch hat „tolerant“ „weltoffen“ und „demokratisch“ und das hat so ziemlich jeder ausser den Rechten (wenn man den Medien glaubt) dann hört den Leuten doch mal zu. Aber das will man ja nicht, weil man den bösen Rechten ja keine Bühne bieten will. Einzige Ausnahme ist es wenn es eine kontroverse Äusserung gibt die dazu geeignet ist eben dieses Bild zu untermauern. Zum Beispiel wenn Gauland eine Zeitspanne von 12 Jahren (1933-1945) in Relation zur Geschichte Deutschlands von über 800 Jahren (1184 – heute) einen Fliegenschiss nennt. Was natürlich unglücklich ausgedrückt ist, aber eben doch stimmt.

    1. Lieber Herr Herrmann,

      leider funktioniert Geschichte nicht so, wie es Herr Gauland gerne hätte. Es reicht ein singuläres Ereignis um ein Land oder Volk zu definieren. Die Ermordung Julis Cäsars hat in Relation zur Geschichte des römischen Reiches auch nur Minuten gedauert und trotzdem war es für hunderte Jahre das prägende Ereignis dieser Nation. Deshalb ist die Nazizeit auch in 1000 Jahren für das deutsche Volk prägend. Das kann man nicht einfach mit einem Verweis, dass es nur zwölf Jahre waren wegreden.

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