Jugend- und Datenschutz

Italienische Datenschützer fordern Task Force zu TikTok

Das rasante Wachstum der Video-Plattform TikTok sorgt für Aufmerksamkeit – auch bei Datenschutzbehörden. Nun will der oberste italienische Datenschützer mögliche Verstöße von einer Brüsseler Task Force untersuchen lassen. Dabei geht es um Vorwürfe, die Plattform schütze insbesondere die Daten von Minderjährigen nicht ausreichend.

TikTok Schieflage
Der oberste italienische Datenschützer will wissen, ob bei TikTok illegal Daten abfließen. CC-BY-ND 2.0 Aaron Yoo

Der italienische Datenschutzbeauftragte Antonello Soro traut dem sozialen Netzwerk TikTok beim Datenschutz nicht über den Weg. Er fordert eine europaweite Task Force, um den Umgang des beliebten Dienstes mit personenbezogenen Daten näher zu untersuchen.

TikTok, das derzeit am schnellsten wachsende soziale Netzwerk, spezialisiert sich auf kurze Videoschnipsel. Populär ist die Plattform vor allem bei jungen Menschen, die mit den Beschränkungen des Formats kreativ umgehen. Innerhalb kurzer Zeit entstanden dort millionenfach gesehene Hits. Karrieren wie die des Nachwuchs-Rappers Lil Nas X nahmen ihren Ausgang auf der Plattform.

Doch wie beinahe jeder junge, rasant wachsende Online-Dienst muss sich nun auch TikTok kritischen Fragen von Datenschützern, Journalisten und Politikern stellen: Wer sich schnell bewegt, hinterlässt auch einiges Zerbrochenes, um den Spruch von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zu paraphrasieren.

Verstöße gegen Datenschutz denkbar

Keine zwei Jahre nach dem Start von TikTok läuft bereits eine Untersuchung der britischen Datenschutzbehörde ICO gegen das chinesische Mutter-Firma ByteDance, der die App gehört. Die Behörde vermutet mehrere Verstöße gegen europäisches Datenschutzrecht. So sei etwa das Nachrichtensystem, mit dem sich Nutzer untereinander austauschen können, „komplett offen“, sagte Information Commissioner Elizabeth Denham im Vorjahr dem britischen Parlament. Dies werfe jugend- und datenschutzrechtliche Fragen auf, die man untersuchen müsse.

Zuvor handelte sich TikTok bereits eine millionenschwere Strafe der US-Behörde Federal Trade Commission (FTC) ein, weil die Plattform die Daten von Nutzern unter 13 Jahren nicht ausreichend gesichert hat.

Neben diesen Vorwürfen förderte unter anderem eine netzpolitik.org-Recherche die fragwürdige Moderationspraxis der Plattform zutage. Potenziell kontroverse Inhalte, darunter politische Kritik, Lob für Konkurrenten oder einfach nur Videos vermeintlich verwundbarer Nutzer, wurden von TikTok künstlich in der Reichweite gedrosselt.

„Koordinierte Aktion“ notwendig

All diese Stränge will Antonello Soro nun beim Europäische Datenschutzausschuss (EDSA) zusammenführen. In einem am vergangenen Freitag an das Gremium adressierten Brief verweist Soro auf die bereits laufenden Untersuchungen und fordert eine „starke, koordinierte Aktion“ gegen mögliche Verstöße. So gebe es nicht nur Bedenken im Hinblick auf mangelhaften Datenschutz, was besonders sehr junge Nutzer betreffe. Seine Behörde habe zudem Hinweise auf mögliche Sicherheitslücken der Smartphone-App erhalten, heißt es in der Aussendung.

Beispielsweise hatte die israelische Sicherheitsfirma Checkpoint im November mehrere Sicherheitslücken in der App entdeckt. Angreifer konnten mit Hilfe von SMS-Nachrichten auf Nutzerkonten zugreifen und dort Videos manipulieren oder vertrauliche Informationen einsehen. TikTok hat die Lücken zwischenzeitlich geschlossen.

Das Büro des Europäischen Datenschutzbeauftragten war für eine Reaktion kurzfristig nicht zu erreichen. In seinem Brief bat Antonello Soro darum, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten EDSA-Sitzung zu setzen. In diesem Gremium versammeln sich die jeweiligen Datenschützer der EU-Mitgliedstaaten. Stattfinden soll die Aussprache spätestens morgen.

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